Wirtschaft
Die MTV-Chefin zappte sich frei
27. Mai 2008, 18:47 Von Judith WittwerCatherine Mühlemanns abrupter Abgang beim Musikkanal MTV wirft Fragen zur harten Linie des Mutterhauses Viacom auf.
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Noch letzten Monat sprach die Schweizerin Catherine Mühlemann im Interview mit der «NZZ am Sonntag» ausgiebig über ihre Pläne beim kultigen Musiksender MTV. Sie schwärmte von cross medialen Entwicklungsmöglichkeiten Richtung Online und Mobile. Mit dem in der Schweiz frisch aufgeschalteten Kinderkanal Nick sowie dem Erwachsenensender Comedy Central wollte die Deutschland-Chefin von MTV Networks International überdies den Wandel vom Vorreiter bei Musikvideos zum altersgruppenorientierten Spartensender-Anbieter vorantreiben.
Jetzt verlässt die 41-Jährige völlig überraschend den Sender. Selbst enge Mitarbeitende überrumpelte Mühlemanns abrupter Abgang; manch einer stünde noch «unter Schock», ist aus dem Berliner Firmenumfeld zu vernehmen. Die Schweizer Managerin, die vor ihrem Wechsel nach Deutschland als Programmreferentin bei SF DRS und später im Gründungsteam des Privatsenders TV 3 arbeitete, geniesst als talentierte Macherin und geschickte Strategin in der Medienbranche hohes Ansehen.
Harte Vorgaben des Mutterkonzerns
Das rasche Ausscheiden wirft Fragen auf, die sich nicht allein damit beantworten lassen, dass Mühlemann - wie im Communiqué erwähnt - nach sieben Jahren «einen Schritt weiter gehen» wolle. Spannende neue Herausforderungen gäbe es auch bei MTV. Umso mehr drängt sich der Verdacht auf, dass die Managerin die harte Linie des US-Mutterkonzerns Viacom nicht länger mittragen wollte. Aus vertrauten Kreisen ist zu erfahren, dass der erfolgreichen Deutschland-Geschäftsführerin, unter deren Führung der Konkurrenz-Musiksender Viva in die Gruppe integriert wurde, immer ehrgeizigere Wachstumsvorgaben auferlegt wurden.
Noch eine Rendite steigernde Restrukturierung wollte Mühlemann offenbar nicht durchziehen und so entschloss sie sich - aus freien Stücken - zum Rückzug. Ihr Nachfolger und künftiger Herrscher über ein Senderreich, das mehr als 43 Millionen deutschsprachige Haushalte erreicht, ist noch nicht bestimmt. Um eine «reibungslose Übergabe» zu gewährleisten, bleibt Mühlemann über die nächsten Wochen im Unternehmen.
Ob sie danach bereits konkrete Pläne hat, will Mühlemann nicht sagen. Ruhig dürfte es um die energiegeladene Mutter zweier Kleinkinder, die Verwaltungsrätin der Swisscom ist, aber kaum werden.
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