Wirtschaft

Manager erhalten Steuerrabatt

10. Juni 2008, 21:58 – Von Annetta Bundi

Um die Standortattraktivität zu verbessern, will die Politik die Optionen der Kaderleute nicht mehr voll besteuern. Das ärgert viele: Vermutlich hat das Volk das letzte Wort.

Manager wie Daniel Vasella oder Peter Brabeck erhalten einen Teil ihrer Entschädigungen in Form von Aktien und Optionen. Die Unternehmen wollen so ihre Kaderleute besser an sich binden. Die Beteiligungen unterliegen meist einer Sperrfrist. Und so dürfen die Manager ihre Optionen erst nach einer bestimmten Zeit in Aktien umwandeln. Neu sollen die Papiere immer erst bei der Ausübung besteuert werden. Das ist heute nicht so: Ein Teil der Optionen wird bei der Zuteilung erfasst.

Linke warnt vor hohen Ausfällen

Gegen den Systemwechsel hat niemand etwas einzuwenden. Umstritten ist indes, ob neu noch ein Rabatt auf den Optionen gewährt werden soll. Der Bundesrat und die Vertreter der bürgerlichen Parteien wollen, dass die Manager künftig nur einen Teil des Kursanstiegs versteuern müssen, den sie mit ihren Beteiligungen erzielen. Während der Nationalrat ihnen eine Reduktion von 6 Prozent einräumen möchte, setzt der Ständerat auf eine Ermässigung von 10 Prozent pro Sperrjahr, höchstens aber von 50 Prozent. Das hat er gestern beschlossen. So sei es möglich, die Schweiz als Sitz der grossen Konzerne attraktiv zu halten, begründete FDP-Ständerat Rolf Schweiger den Rabatt. Solche Firmen achteten stark darauf, «wie die Besteuerung ihrer Mitarbeiter erfolgt».

Dass solche Steuerermässigungen von den Betroffenen geschätzt werden, ziehen die Kritiker nicht in Zweifel. Die Schweiz sei aber bereits gut positioniert, monieren sie mit Verweis auf einen Bericht der Steuerverwaltung. In keinem anderen Land gehe man so weit wie in der Schweiz. In Österreich profitierten Kaderleute zwar ebenfalls von einem Rabatt. Er gelte aber bloss für einen Betrag bis zu 50000 Franken. In Irland und in andern europäischen Ländern gebe es ähnliche Einschränkungen. Und selbst in Singapur greife das Privileg nur, wenn ein grosser Teil der Belegschaft Optionen erhalte.

Für die Kritiker ist klar, dass ein Rabatt bei den Optionen grosse Steuerausfälle zur Folge hätte – auch wenn das von den Befürwortern bestritten wird. Diese gehen davon aus, dass die neue Lösung dem Fiskus sogar mehr einbringen könnte als heute, da so neu alle Optionen erst bei der Ausübung besteuert würden. Diese Annahme sei nur realistisch, wenn die Aktien stetig stiegen, wendet die Linke ein. Das sei aber nicht so. Der Rabatt privilegiere die Manager. Da der Fiskus die Hälfte der Optionen schon heute erst bei der Ausübung erfasse, käme es dank der Ermässigung zu «massiven Steuererleichterungen», ist SP-Ständerätin Simonetta Sommaruga überzeugt. «Das ist stossend.» Schliesslich nehme man mit dem Systemwechsel neu schon allen Betroffenen das Risiko ab, für Einkünfte besteuert zu werden, die gar nie erzielt wurden.

Für Kompromiss ist es nun zu spät

Damit ist das Referendum so gut wie sicher. Die SP wird mit der Unterschriftensammlung beginnen, sobald im Herbst die letzten Differenzen zwischen den beiden Parlamentskammern bereinigt sind. Dass die Vorlage bei dieser Gelegenheit noch entschärft wird, glaubt niemand. Bundesrat Hans-Rudolf Merz hat gestern zwar erklärt, dass er auch mit einer Lösung leben könnte, die nur für einen bestimmten Betrag einen Rabatt vorsehen würde. Das wird von den meisten bürgerlichen Parlamentariern aber verworfen. Und so hat wohl das Volk das letzte Wort.

Die Linke ist überzeugt, mit ihren Argumenten punkten zu können. «Statt über die Einführung eines Rabatts müsste über die komplett falschen Anreize diskutiert werden, die von den Optionsprogrammen ausgehen», sagt Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds. «Ich verstehe nicht, warum man aus den Fehlern der Vergangenheit nichts lernen will», fügt er in Anspielung auf die Krise an, die die Finanzmärkte durchgeschüttelt hat.

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