Wirtschaft
Rätia Energie setzt weiter auf Kohle
18. Juni 2008, 11:11Die Bündner Elektrizitätsgesellschaft Rätia Energie plant trotz Kritik den Bau eines Kohlekraftwerks im italienischen Kalabrien.
Rätia Energie projektiert über ihre Mailänder Tochtergesellschaft SEI S.p.A. mit Partnern ein Kohlekraftwerk für rund 3 Milliarden Franken. Gebaut werden soll das neue Werk auf einem ungenutzten Industriegelände in Saline Joniche in Kalabrien. Das Bewilligungsverfahren wurde heute mit der Übergabe der Projektdokumentation an die zuständigen Ministerien eingeleitet, wie die Rätia Energie mit Sitz im südbündnerischen Poschiavo mitteilte.
Konzernchef Karl Heiz rechnet damit, dass das Bewilligungsverfahren drei bis vier Jahre dauern wird. Die Leistung des projektierten Kohlekraftwerks von 1320 Megawatt (MW) liegt leicht über jener des grössten Schweizer Atomkraftwerks Leibstadt.
«Tiefere CO2-Emissionen»
Das Kraftwerk soll nach neuster Technologie realisiert werden. Gegenüber herkömmlichen Anlagen bedeute dies einen deutlich geringeren Kohleverbrauch und damit tiefere CO2-Emissionen, schreibt die Rätia Energie. Die Anlage werde mit modernsten Filtern und Systemen zur Abgasbehandlung ausgerüstet. Zudem werde das Kraftwerk technisch so ausgelegt, dass eine CO2-Abscheidung später möglich sei. Neben Kohle soll in der Anlage auch Biomasse aus lokaler Produktion verarbeitet werden können.
«Noch 50 Jahre unverzichtbar»
Die Elektrizitätsgesellschaft, an welcher der Kanton Graubünden 46 Prozent des Aktienkapitals hält, war in jüngster Zeit in Graubünden wegen ihrer Beteiligung an einem Steinkohlekraftwerk in Brunsbüttel an der norddeutschen Elbe in die Kritik geraten. Konzernchef Heiz verteidigt die Investitionspolitik: «Wir stehen dazu. Die Welt und Europa werden auf die Kohle in den nächsten 50 Jahren nicht verzichten können», sagte er der Nachrichtenagentur SDA auf Anfrage.
Die Rätia Energie verfolgt auf ihrem Wachstumskurs im In- und Ausland eine Diversifizierung nach Technologien. In der Schweiz stehen Wasserkraftwerke im Vordergrund, in Italien und Deutschland thermische Anlagen wie Gas und Kohle sowie Windkraftwerke. In Mittel- und Osteuropa setzt das Unternehmen auf Wasserkraft, Wind und thermische Kraftwerke.
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