Ein Telefon, das sein Können nicht versteckt

09. Juli 2008, 23:59 – Von Roger Zedi

Der «Tages-Anzeiger» hat das iPhone 3G eine Woche lang getestet. Nicht was es kann, ist einmalig, sondern wie man Sachen damit bewerkstelligt.

Wenn morgen Orange und Swisscom offiziell den Verkauf des iPhones in der Schweiz starten, muss es niemandem mehr vorgestellt werden. 547 Tage sind vergangen, seit Apple das iPhone erstmals der Welt gezeigt hat, 377 Tage lang kann man es in den USA schon kaufen, fünf weitere Länder sind dazu gekommen. Bisher wurden 6 Millionen Stück verkauft, mehr als 40'000 iPhones sind in der Schweiz bereits im Einsatz. Das war, überspitzt gesagt, die längste und erfolgreichste Beta-Phase eines Mobiltelefons aller Zeiten.

Wir haben das neue iPhone 3G vorab für acht Tage getestet. Die Bilanz: Das iPhone 3G ist ein gutes Telefon, eine lausige Kamera, ein formidabler iPod, ein sehr gutes Internet-Gerät sowie ein vielversprechendes GPS. Technisch gesehen ist das iPhone 3G auf der Höhe der Zeit, mehr nicht. Es bietet nebst WLAN nun auch mit UMTS eine schnelle Datenverbindung für unterwegs sowie GPS. Und es fügt sich besser in die Geschäftswelt ein, dank Exchange-Anbindung und der Implementierung diverser Sicherheits-Standards.

Doch das iPhone ist mehr als die Summe seiner Funktionen. Es zeichnet sich vorwiegend dadurch aus, wie man Dinge bewerkstelligt. Statt Funktionen hinter x-fach verschachtelten Menüs zu verbergen, präsentiert das iPhone sein ganzes Können übersichtlich und weitgehend selbsterklärend.

Schwache Batterie, schwache Kamera

Ein Beispiel dafür ist das GPS-Karten-Programm. Das iPhone 3G findet den aktuellen Standort flink und zeigt ihn auf einer Google-Karte an. Nun reicht ein Suchbegriff, etwa «Restaurant» und ein paar Sekunden später werden alle Gaststätten (die Google kennt) im Kartenausschnitt angezeigt. Ein Fingertipp auf eines der Stecknadelsymbole und man erhält Angaben wie Adresse, Website und Telefonnummer. Seit Jahren reden viele von solchen Location Based Services, das iPhone liefet sie. Zwar nicht als erstes Handy, aber als erstes so einfach, dass man es benützen wird.

Fortan lässt Apple zudem Software von Drittherstellern zu, darunter Games. Diese Programme sind jedoch erst ab Verkaufsstart am Freitag erhältlich, weshalb wir dazu noch nichts sagen können. Dasselbe gilt für den Zusatzdienst MobileMe von Apple, der für 119 Fr. jährlich Push-E-Mail aufs iPhone bringt sowie Kalender und Kontakte laufend mit dem PC oder Mac synchron hält.

Zu den Schwächen des iPhone 3G zählt nebst der lichtschwachen Kamera die Bat-terie-Leistung. Wer es intensiv nutzt – und wer das nicht tut, braucht eigentlich keines –, wird es täglich an den Strom anschliessen müssen. Die Geister weiterhin scheiden wird ausserdem die virtuelle Text-Tastatur, die zwar brauchbar, aber eben doch gewöhnungsbedürftig ist. Wer hingegen ein Handy mit einer grossen, gut leserlichen Nummer-Tastatur sucht, ist mit dem iPhone bestens bedient.

Es gibt Handys mit einer besseren Kamera, einer physischen Tastatur oder mit einem GPS, das man sogar im Auto benützen kann. Der Blackberry bleibt der E-Mail-König unter den Handys. Und wer «nur» telefonieren will, für den ist das iPhone nichts, ebenso wenig für Rappenspalter. Doch als Allround-Gerät ist das iPhone derzeit eine Klasse für sich.

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