Wirtschaft
Internet-Diebe haben 41 Millionen Kreditkartennummern gestohlen
06. August 2008, 22:00 Von Ralf KaminskiAmerikanische Ermittlungsbehörden haben elf Personen angeklagt - es handelt sich um den grössten Hacker-Fall, der je aufgedeckt wurde.
Der Trick war immer derselbe: Die Nummerndiebe fuhren durch Einkaufsstrassen und scannten die drahtlosen Netzwerke von Läden. Dabei fokussierten sie auf nationale Ketten wie Office Max, Barnes & Noble, Sports Authority oder T.J. Maxx.
Sie suchten nach Sicherheitslücken im System, und sobald sie fündig wurden, installierten sie ein Schnüffler-Programm. Dieses spionierte die Kreditkartennummern von Kunden samt ihren Passwörtern aus, sobald die Kunden ihre Einkäufe bezahlten. Sämtliche Informationen wurden dann via das drahtlose Netzwerk nach draussen geschleust.
Die gestohlenen Nummern haben die Diebe anschliessend via Internet an andere Kriminelle in den USA und Osteuropa verkauft oder auf die Magnetstreifen von Kreditkartenrohlingen geladen, so dass sie damit direkt Geld aus Bankautomaten beziehen konnten. Wie viel Geld die Diebe auf diese Weise gestohlen haben, können die Ermittler noch nicht sagen. Aber angesichts von 41 Millionen gestohlenen Nummern dürfte es sich um eine enorme Summe handeln. Eine der am stärksten betroffenen Ketten, T.J. Maxx, will rund 200 Millionen Dollar bereitstellen, um die entstandenen Schäden zu decken. Einen Teil müssen jedoch auch die betroffenen Kunden tragen.
Täter war Geheimdienst-Informant
Der Kopf der internationalen Bande, Alberto Gonzalez, sass in Miami und ist am Dienstag in Boston offiziell angeklagt worden. Neben ihm sollen noch zwei weitere Amerikaner, drei Ukrainer, zwei Chinesen sowie zwei Männer aus Estland und Weissrussland beteiligt gewesen sein. Die Identität des elften Mitglieds der Bande ist noch nicht bekannt. Gonzalez wird unter anderem Computer- und Netzwerkbetrug, Identitäts-Diebstahl und Verschwörung vorgeworfen. Sollte er schuldig gesprochen werden, droht ihm lebenslange Haft.
«Computernetzwerke und das Internet sind ein unverzichtbarer Teil der globalen Wirtschaft geworden», sagte US-Generalstaatsanwalt Michael Mukasey an einer Medienkonferenz in Boston. «Aber sie bieten auch aussergewöhnliche Gelegenheiten für Kriminelle.» Den Ermittlungsbehörden ist es gelungen, zwischen mehreren zum Teil schon bekannten Einzelfällen Zusammenhänge herzustellen, so dass sie schliesslich den ganzen Ring sprengen konnten.
Gonzalez war 2003 schon einmal aus ähnlichen Gründen vom Geheimdienst verhaftet worden, willigte dann aber ein, die Behörden als Informant im Kampf gegen Hacker zu unterstützen, die Finanzinformationen klauten. Inzwischen scheint klar, dass er nur vorgab, die Fronten zu wechseln, tatsächlich aber weiter kriminellen Aktivitäten nachging und dabei die Informationen nutzte, die er durch seine scheinbare Kooperation mit den Behörden erhielt.
Einer der mitangeklagten Ukrainer gilt als zentrale Figur beim internationalen Verkauf von gestohlenen Kreditkarteninformationen. Er ist bereits im Juli 2007 in der Türkei verhaftet worden und sitzt dort im Gefängnis. Die USA haben einen Auslieferungsantrag gestellt. Acht der elf Angeklagten konnten bis jetzt noch nicht verhaftet werden.
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