Swiss beharrt auf Treibstoffzuschlag
07. August 2008, 11:49Der Ölpreis ist seit Wochen im Sinkflug. Derzeit liegt er rund 20 Prozent tiefer als noch Anfang Juli. Für die Swiss ist dies jedoch kein Grund, ihre Treibstoffzuschläge zu senken.
Von Roger Braun
«Eine Senkung kommt nur in Frage, wenn der Ölpreis über längere Zeit unter ein gewisses Niveau fällt», sagt Swiss-Sprecher Jean-Claude Donzel. Was die Swiss genau unter diesem Niveau versteht, wollte Donzel nicht öffentlich machen. Fakt ist, dass die Swiss ihren Zuschlag am 12. Juni und am 14. Juli erhöht hatte. Dazwischen haben die Erdölpreise um rund 6 Prozent zugelegt - ein Grund für die Swiss, die Zuschläge zu erhöhen. Seit dem letzten Zuschlag ist das Öl jedoch rasant billiger geworden. Der Preis am Donnerstag lag rund 18 Prozent unter dem Stand der letzten Erhöhung vom 14. Juli, trotzdem verzichtet die Swiss gegenwärtig auf eine Senkung.
170 Franken für Langstrecken
Überhaupt hat die Swiss seit der Einführung des Treibstoffzuschlags im Jahr 2004 diesen Tarif noch nie gesenkt. Damit steht sie laut Donzel nicht alleine: Sämtliche grosse Fluggesellschaften hätten ihre Zuschläge noch nie gesenkt.
Allerdings zeigt der Ölpreis seither eine klare Aufwärtstendenz. Die Swiss hat darum in den letzten vier Jahren den Treibstoffzuschlag in zwölf Schritten auf 170 Franken bei den Langstrecken und 45 Franken für Kurzstrecken erhöht.
«Für die Höhe des Treibstoffzuschlags ist immer auch die Konkurrenzsituation entscheidend», erklärt Donzel. Im Klartext: Ist das Risiko kleiner, dass die Kunden zur Konkurrenz abspringen, erhöht die Swiss die Zuschläge eher.
Zuschläge decken nur Teil der Mehrkosten
Donzel legt wert auf die Feststellung, dass die Zuschläge lediglich ein Drittel der Treibstoff-Mehrkosten decken würden. Der Rest gehe auf Kosten der Fluggesellschaft. Dies stellt die Swiss vor grosse Herausforderungen, weil die Kerosinkosten einen immer höheren Anteil der Einnahmen wegfressen. So lag der Kerosinanteil an Gesamtkosten im Jahr 2003 noch bei 12 Prozent der Gesamtkosten. Im vergangenen Halbjahr warens bereits 30 Prozent.
Swiss versucht diese Kosten durch Effizienzgewinne und Absicherungsgeschäfte gegen hohe Ölpreise (Hedging) aufzufangen. Daneben werden die gestiegenen Kerosinpreise auch durch gewöhnliche Tariferhöhungen wettgemacht.
Wieso denn nicht gleich auf den Treibstoffzuschlag verzichten und die Preiserhöhungen über den Weg der gewöhnlichen Tariferhöhung weitergeben? Für Donzel sind Treibstoffzuschläge für die Kunden transparenter, weil sie klar machen, dass die Preiserhöhung auf höhere Ölpreise zurückgehen.
Allerdings könnten nicht alle gestiegenen Energiekosten durch Treibstoffzuschläge kompensiert werden - wegen der Konkurrenzsituation. Gewöhnliche Tariferhöhungen können gegenüber den Zuschlägen stärker differenziert werden.
Dies erlaubt es der Swiss, auf hart umkämpften Strecken die Preise zu belassen und bei weniger preissensitiven Verbindungen die Tarife zu erhöhen. Zuschläge sind dagegen für alle Flüge gleich hoch. Einzige Ausnahme besteht in der Differenzierung zwischen Lang- und Kurzstreckenflügen.
Mit tiefen Preisen Kunden anzuwerben und in einem zweiten Schritt Treibstoffzuschläge zu verrechnen, ist seit dem 1. Juni 2006 nicht mehr erlaubt. Lockvogel-Angebote sind damit nicht mehr möglich. Nun müssen in der Schweiz Reiseangebote mit dem Gesamtpreis angeschrieben werden - inklusive Kerosinzuschlag, Flughafentaxen, Sicherheitsgebühren und sonstige Abgaben.
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