Schweiz

Eine Nation fragt: «Warum?»

10. Juli 2006, 13:42

Für viele Franzosen ist die Niederlage im WM-Finale gegen Italien nicht das Schlimmste. Wesentlich härter hat sie getroffen, dass Nationalheld Zinédine Zidane seine Karriere mit einem brutalen Gewaltausbruch beendet hat.

Wieso kam es zu diesem Zwischenfall?
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Von Angela Doland, AP

Wie ein wild gewordener Stier streckte Frankreichs Kapitän in der 110. Minute der Verlängerung den italienischen Verteidiger Marco Materazzi mit einem Kopfstoss gegen die Brust nieder. Zidane flog vom Platz, Frankreich verlor im Elfmeterschiessen.

«Er ist unglücklich»
Sportminister Jean-Francois Lamour sagte, er wisse nicht, was Materazzi zu Zidane gesagt habe, aber «wir können uns vorstellen, dass es eine Provokation war». Trotzdem sei Zidanes Verhalten unentschuldbar. «Es ist ein merkwürdiger Abgang für jemanden, der ein aussergewöhnlicher Champion bleibt», sagte Lamour dem Sender LCI.

Der Präsident des französischen Fussballverbandes, Jean-Pierre Escalettes, erklärte, er habe Zidane danach in der Umkleidekabine die Hand geschüttelt, um ihm für seine Karriere zu danken. Gesprochen hätten sie nicht. «Er ist unglücklich», sagte Escalettes der Zeitung «Le Parisien». «Wir müssen ihn alleine lassen. Ich habe nichts, was ich ihn fragen wollte.»

«Ewiges Bedauern»
Der surreale Moment des Platzverweises hat bei den Menschen in Frankreich die Frage aufgeworfen, was Zidane dazu gebracht haben könnte, in den letzten Minuten seines letzten Spieles in seiner Karriere völlig die Beherrschung zu verlieren.

«Was, Zinédine, sagen wir heute morgen unseren Kindern und allen anderen, für die Du für alle Zeiten ein Vorbild warst?», schreibt die Sportzeitung «L'Equipe». Auf der ersten Seite prangt die Schlagzeile «Ewiges Bedauern».

«L'Equipe»-Leitartikel direkt an Zidane gewendet
In einem Leitartikel, der sich direkt an Zidane wendet, vergleicht das Blatt Zidanes beste WM-Momente mit denen von Boxlegende Muhammad Ali. «Aber weder Ali noch Pele noch Jesse Owens oder irgendein anderer Held dieses Ranges - vor diesem Rang warst Du kurz davor - haben jemals die elementaren Grundregeln des Sports gebrochen, so wie Du es getan hast.»

Zidane, Sohn algerischer Einwanderer, war Symbol für ein multikulturelles Frankreich. Er führte Frankreich 1998 zum WM-Titel mit einem Team das als «Black, Blanc, Beur» (Schwarz, Weiss, Nordafrikanisch) gerühmt wurde, eine Anspielung auf die rot-weiss-blauen Farben der französischen Flagge.

«So kann er nicht gehen. Das ist unmöglich»
«Zizou» hatte bereits seinen Rücktritt aus der Nationalelf erklärt, kehrte nach Problemen in der WM-Qualifikation aber ins Team zurück, führte es zum Turnier nach Deutschland und schliesslich bis ins Finale. Dort brachte er sein Team in der 7. Minute per Elfmeter mit 1:0 in Führung - sein 31. Tor im 108. Länderspiel. Aber in der 110. Minute rastete er aus.

«Der blaue Engel hat sich in einen Dämon verwandelt», schreibt «Le Parisien». «So kann er nicht gehen. Das ist unmöglich. Auch heute Morgen herrscht noch immer Ungläubigkeit.»

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