Baregg: Täglich 121'000 Autos
15. September 2005, 23:45Ein Jahr nach Eröffnung der dritten Tunnelröhre im Aargau zeigt sich: Der Ausbau der Autobahn ins Limmattal wirkt wie ein Magnet. Trotz gleichzeitigem Ausbau des Bahnverkehrs.
«Unglaublich, was im Verkehr zurzeit passiert.» Der Aargauer Baudirektor Peter Beyeler ist selber überrascht: «Wir haben am Baregg ein Jahr nach der Eröffnung bereits wieder die Situation, dass es Staus gibt, wenn es zu einem Unfall kommt», sagte der Aargauer FDP-Regierungsrat am Dienstagabend am Rande einer Veranstaltung der CVP Dietikon zu Verkehrsproblemen im Limmattal.
Die jüngsten Zahlen des Bundesamtes für Strassen (Astra) lassen in der Tat aufhorchen: Vor dem Ausbau des Bareggtunnels bei Baden - im Juni 1999 - passierten dort pro Werktag nicht ganz 100 000 Fahrzeuge die Messstelle. Während der Bauarbeiten nahmen die Frequenzen noch leicht, jedoch nicht mehr wesentlich zu - überraschenderweise gingen sie aber trotz der Verkehrsbehinderungen durch die Bauarbeiten auch nicht spürbar zurück.
Nach der Eröffnung aller drei Röhren mit insgesamt sieben Fahrstreifen im August 2004 hingegen nahm das Verkehrsaufkommen am Baregg schlagartig zu: Heute passieren an einem Werktag fast 121 000 Fahrzeuge die drei Tunnelröhren. An Spitzentagen sind es gar über 130 000. Dies entspricht einer Zunahme von 20 und mehr Prozent seit 1999 - obwohl der Kanton Aargau und die SBB das Schnellzugs- und S-Bahn-Angebot zwischen dem Aargau und Zürich ab Dezember 2004 ebenfalls ausgebaut haben. «Eine eklatante Erhöhung», räumt auch Beyeler ein.
Nordumfahrung Zürich: Am Limit
Die Zunahme des Verkehrs am Baregg bestätigt die Erfahrung von Verkehrsplanern wie Kritikern, dass jede neue Strasse neuen Verkehr anzieht. Offensichtlich verteilt sich dieser Mehrverkehr jedoch im Limmattal und in der Stadt Zürich. Auf der Nordumfahrung von Zürich und im Gubristtunnel jedenfalls sind die Frequenzen trotz der Verkehrszunahme am Baregg bisher nicht gestiegen, wie die Astra-Zahlen weiter zeigen. Im Gegenteil: Im Juni 2005 resultierte gar ein Rückgang.
Dies dürfte darauf zurückzuführen sein, dass die Kapazitätsgrenze auf dieser lediglich vierspurigen Autobahn mit gegen 100 000 Fahrzeugen längst erreicht ist. Beeinträchtigt wird die Kapazität zudem durch Staus und vorgelagerte Baustellen. Dies ist keine gute Perspektive, wenn die Nordumfahrung ab 2008/2010 auch einen Teil des Verkehrs des Üetlibergtunnels und der A 4 im Knonauer Amt aufnehmen soll. Der Kanton Zürich projektiert zurzeit eine dritte Röhre für den Gubristtunnel und einen Ausbau der Nordumfahrung; bewilligt ist der Ausbau aber noch nicht. Wie dicht der Verkehr auf der Nordumfahrung ist, zeigt die Tatsache, dass der Spitzenwert dort heute ebenso hoch ist wie am Baregg vor dessen Ausbau.
Fierz will Verkehrslenkung ausbauen
Erheblich ist die Verkehrszunahme auf der A 1 zwischen Zürich und Winterthur: An der Messstelle nördlich von Brüttisellen hat der Bund seit 1999 rund 13,5 Prozent mehr Verkehr registriert. In diesem Bereich gehören Staus - vor allem in Fahrtrichtung Zürich - je länger, desto mehr zum Alltag, weil sich die Autobahn dort vor dem Brüttiseller Kreuz von sechs auf vier Fahrstreifen verengt.
Nur ein Jahr nach dem Ausbau am Baregg konstatiert der Aargauer Baudirektor Beyeler: «Wir sind von der Kapazität her bereits wieder an den Grenzen.» Er kennt die Klagen der Limmattaler Bevölkerung, wonach der Verkehr aus dem Aargau ungehindert in Richtung Zürich fliesse, sie wegen des Tropfenzählersystems aber Mühe habe, auf die Autobahn zu kommen. Beyeler: «Bei derart hohen Frequenzen sinkt die Kapazität durch ständiges Einmünden drastisch, und es kommt zu einem Rückstau.» Darum sei das Tropfenzählersystem richtig und effizient. Der Aargau versuche, mit einem «flexiblen Tempomanagement» den Verkehr möglichst flüssig zu halten. Das heisst, das Maximaltempo am Baregg wird frühzeitig, schon vom Bözberg her, je nach Verkehrsaufkommen laufend geändert.
Die Zürcher Baudirektorin Dorothée Fierz (FDP) sagte an der gleichen Veranstaltung in Dietikon, ihre Fachleute dächten zurzeit darüber nach, die im Limmattal installierte Verkehrslenkung auf weitere Gebiete des Kantons Zürich auszudehnen. Fierz strich dabei - wie auch Beyeler - die gute Zusammenarbeit beider Kantone in Planungsfragen hervor. In den letzten Jahren war es indes zu Verstimmungen gekommen, weil die Aargauer mit dem Ausbau des Bareggtunnels vorgeprescht waren und damit die Zürcher am Gubrist unter Druck gebracht haben.




















