Vier Anklagen und ein Polizeistreit
16. September 2005, 16:51Nach dem Gewaltausbruch von FCZ-Fans in Kopenhagen bleiben vier Schweizer für mehrere Tage im Gefängnis. Die dänische Polizei kritisiert die Zürcher Informationspraxis. Die Stadtpolizei Zürich weist dies zurück.
Er soll in einem S-Bahnwagen Graffiti versprüht haben. Den drei anderen wird vorgeworfen, Kopenhagener Polizisten tätlich angegriffen zu haben. Keiner der vier legte Rekurs ein. Die Polizei hatte gegen hundert Personen festgenommen. Die meisten wurden heute entlassen.
Drei Polizisten und Fan leicht verletzt
Die Situation eskalierte, als die Polizei in einem Zug, der die Zürcher zum Bröndby-Stadion brachte, einen Sprayer verhaftete. Die neun Polizisten, die den Mann abführten, wurden angegriffen.Die Schweizer seien derart gewalttätig gewesen, dass die Polizei aus dem Bahnhof beim Stadion geflohen sei und Warnschüsse abgegeben habe, berichtete Polizeichef Jörn Bro. Die Hooligans hätten Steine und leere Flaschen geworfen und Gürtel als Waffen eingesetzt. Drei Polizisten und ein Zürcher Fan wurden leicht verletzt.
Polizeistreit
Polizeidirektor Arne Vissing bedauerte in den dänischen Medien, dass die Schweizer Polizei nicht vor Hooligans unter den Zürcher Fans gewarnt habe. Die Zürcher Behörden hätten von einem niedrigen Sicherheitsrisiko gesprochen.Die Zürcher Stadtpolizei weist die Vorwürfe zurück. «Wir haben über gewaltbereite Fans schriftlich und umfassend im Vorfeld informiert. Was mit den Informationen gemacht wurde, können wir nicht sagen und wir werden auch den Polizeieinsatz nicht beurteilen», sagte Medienchefin Susann Birrer.
Solidarisierungsaktion
So sei gemeldet worden, dass 400 bis 500 Fans aus der Schweiz anreisten, darunter auch 50 gewaltbereite Personen. Dabei sei spezifiziert worden, dass letztere gegen andere Fan-Gruppen aggressiv werden könnten, allenfalls pyrotechnisches Material bei sich trügen und viel Alkohol konsumierten.Birrer betonte, dass es nicht zur Gewalt zwischen Fan-Gruppen gekommen sei. Vielmehr liege eine unvorhersehbare Solidarisierungsaktion mit einem Fan vor.
Verschiedene Versionen des Geschehenen
Es gebe zwei verschiedene Versionen, eine von den Fans und eine von der dänischen Polizei, sagte Alexander Kuszka, Medienchef und Fan-Beauftragter des FCZ auf Anfrage. Solange die Umstände nicht geklärt seien, werde sich der FCZ nicht äussern. Kuszka tönte an, dass Bilder über die Behandlung der Verhafteten Fragen in Bezug auf allfällige Menschenrechtsverletzungen aufwärfen.In der Schweiz ist im Hinblick auf die Europameisterschaften 08 eine Hooligan-Datenbank geplant. Der Bundesrat will damit Gewalt und Gewaltpropaganda an Sportveranstaltungen besser bekämpfen. Die Datenbank ist noch nicht in Betrieb.
Sven Hotz: Verständnis für Polizei
Im Umfeld des FCZ wurden keine Vorwürfe gegen die dänische Polizei erhoben. Präsident Sven Hotz etwa meinte, dass «die Polizei ja nicht zuschauen könne, wie auf sie eingeschlagen werde.»In der Eindämmung der eskalierenden Gewalt jedoch stehen dem Verein nicht viele Möglichkeiten offen. «Wir können es so machen wie der FC St. Gallen, der viele Fans mit einem landesweiten Stadionverbot belegt hat.» Die einschlägigen Namen seien ja bekannt.
«Das beste ist, wenn sich der grosse Teil der friedlichen Fans gegen die Hooligans stellt», sagte FCZ-Geschäftsführer Erich Schmid. Beim Stadtklub ist man der Meinung, genügend Fan-Betreuer in Kopenhagen gehabt zu haben. «In den offiziellen Fan-Klubs selber gibt es Leute, die als Anführer auftreten und die Situation kontrollieren sollten», sagte Schmid.















