Morgens stört der Fluglärm mehr
03. Oktober 2005, 14:24Eine längere Nachtflugsperre brächte der Bevölkerung um den Flughafen mehr Entlastung, als weniger Flüge. Denn am frühen Morgen stört der Fluglärm am meisten. Das steht in der «Lärmstudie 2000» der ETH Zürich.
Besonders stark stören startende und landende Flugzeuge spätabends, wenn die Leute einschlafen wollen. Am unangenehmsten empfinden die Betroffenen den Lärm aber frühmorgens. Tagsüber stört der Fluglärm weniger - am meisten über Mittag.Im Rahmen der «Lärmstudie 2000» befragten ETH-Forscher in den Jahren 2001 und 2003 gut 3000 Personen in 57 Gemeinden in einem 20-Kilometer-Radius um den Flughafen Zürich schriftlich und telefonisch.
Dabei stellten sie fest, dass sich erstens nicht zwingend die Personen am meisten belästigt fühlen, die tatsächlich dem meisten Lärm ausgesetzt sind, und dass zweitens Zeitpunkt und Stärke des Fluglärms grössere Auswirkungen haben als die Anzahl Überflüge. Im übrigen erfuhren sie, dass Fluglärm nicht störender empfunden wird als Strassenlärm.
Lärmempfinden auch ohne Lärm
Laut Katja Wirth Bürgel, Mitautorin der Studie, wird der Fluglärm als entschieden lästiger empfunden, wenn etwa plötzlich deutlich mehr Maschinen über den Ort fliegen als gewohnt. Auch Personen, die mit ihrem Wohnort generell unzufrieden sind und jene, welche den Flugverkehr ablehnen, reagieren empfindlicher.Weitere Faktoren sind etwa das Vertrauen in die Behörden und die Einschätzung der künftigen Entwicklung des Fluglärms. Und schliesslich spielt es eine Rolle, ob jemand Eigenheim-Besitzer ist oder zur Miete wohnt. Insgesamt spielt für die Beurteilung der Belästigung der reale Fluglärm nur zu rund 15 Prozent eine Rolle, wie Co-Autor Mark Brink sagte.
Die Wissenschaftler erfassten auch, wie sich der Fluglärm auf Herzschlag, Atmung und Bewegungen Schlafender auswirkt. Die stärkste Störung verursacht das erste Flugzeug am frühen Morgen. Wie viele nachher folgen, ist weniger wichtig.
Wollte man also die Anwohner entlasten, wäre dies laut Studie am ehesten dadurch zu erreichen, dass man morgens die erste Maschine später starten oder landen liesse. Als die Erhebung durchgeführt wurde dauerte die Nachtflugsperre von 0 bis 6 Uhr. Seither wurde sie um eine Stunde verlängert (23 bis 6 Uhr).
Neuartige Messmethode
Die «Lärmstudie 2000» wurde initiiert und durchgeführt vom ehemaligen ETH-Institut für Hygiene und Arbeitsphysiologie (heute Teil des Zentrums für Organisations- und Arbeitswissenschaften), wie Projektleiter Christoph Schierz sagte.Finanziert wurde das 420000-Franken-Projekt zu 96 Prozent von Buwal (Bundesamt für Umwelt Wald und Landschaft), BAG (Bundesamt für Gesundheit) und der Flughafenbetreiberin Unique. Beiträge kamen zudem von verschiedenen Zürcher Gemeinden und von der Schweizerischen Gesellschaft für Akustik.
Für die Messung der körperlichen Reaktionen entwickelten Schierz und Brink eine neuartige Methode, die ohne Elektroden oder andere Messfühler am Körper auskommt. Zentral sind Sensoren, die am Bett des oder der Schlafenden angebracht werden, und die auch die geringste Bewegung von Herzschlag oder Atmung registrieren.












































