Zürich

Folgekosten-Studie und der Konter

07. Oktober 2005, 16:48

Rita Fuhrer liess untersuchen, welche Kosten die von Deutschland auferlegten Luftraumbeschränkungen verursachen. Leicht genervt reagiert der Waldshuter Landrat Wütz auf die Studie.

Wieviele Anflüge auf Kloten? Noch ist nichts entschieden.
Wieviele Anflüge auf Kloten? Noch ist nichts entschieden.
Die Untersuchung quantifiziert fünf Kostenfaktoren: häufigere Verspätungen (115 Millionen Franken), betriebliche Umstellungen (84 Millionen), Verlust von Start- und Landeplätzen (50 Millionen), reduzierte Konkurrenzfähigkeit (48 Millionen) sowie Auswirkungen auf die Umwelt, insbesondere durch Lärmbelastung (206 Millionen).

Die Gesamtkosten von 503 Millionen Franken seien eine sehr vorsichtige Schätzung, sagte Nicolas Rhally von der Beratungsfirma New Smith Capital Partners bei der Präsentation der Studie. Beispielsweise sei die reduzierte Konkurrenzfähigkeit unterbewertet. Auch lägen die Emissionsdaten nicht vollständig vor.

330 Millionen zu Lasten von Unique
Eine andere Zusammenstellung der finanziellen Nachteile der deutschen Luftverkehrsverordnung zeigt, dass die Flughafenbetreiberin Unique mit 330 Millionen Franken am stärksten betroffen ist, gefolgt von der Swiss mit 85 Millionen.

Die Analyse der englischen Beratungsfirma unterscheidet auch zwischen einmaligen Ausgaben (284 Millionen Franken) und jährlich wiederkehrenden Kosten zu Lasten von Flughafen, Fluggesellschaften, Passagieren sowie Flugsicherung Skyguide (41 Millionen).

Ein gewichtiger Kostenfaktor sind die rund 200 Millionen Franken für mögliche Entschädigungsforderungen an die Flughafenbetreiberin Unique. Dabei geht es um Enteignungen und Wertverminderungen in den Gebieten, welche durch Ost- und Südanflüge stärker belärmt werden.

Fuhrer: Versachlichung der Fluglärmdiskussion
Nach Ansicht der Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin Rita Fuhrer (SVP) zeigt die Studie, dass die deutschen Anflugbeschränkungen einschneidende Konsequenzen für den Wirtschaftsraum Zürich haben. Gespräche mit Deutschland seien dringend notwendig.

Die Studie sei kein Druckmittel gegenüber Deutschland, sondern diene der Versachlichung der Fluglärmdiskussion, erklärte Fuhrer vor den Medien. Ausserdem handle es sich um eine vertrauensbildende Massnahme gegenüber der Öffentlichkeit.

Ratschläge mit dem Mahnfinger aus Landshut
Fuhrer will nun die Studie dem Bund zur Verfügung stellen - als weitere Grundlage für allfällige Verhandlungen mit Deutschland. Der Kanton Zürich werde alle Bemühungen des Bundes, mit Deutschland ins Gespräch zu kommen, unterstützen.

In einer Stellungnahme sprach der Waldshuter Landrat Bernhard Wütz von zweifelhaften Daten und warnte davor, Aussagen in den von der Schweizer Seite präsentierten Studien unkritisch für bare Münze zu nehmen. Es wäre nicht das erste Mal, dass unseriös mit Zahlen umgegangen würde, liess sich Wütz zitieren. Zürich lenke von den eigenen Flughafenproblemen ab. Anstatt Deutschland in die Rolle des Schuldigen zu drängen, solle Zürich eine realistischere Flughafenpolitik betreiben und die Regeln gutnachbarschaftlicher Beziehungen einhalten, forderte Wütz.

Nachfolgestudie zu Swiss-Lufthansa-Fusion
Die Studie über die Auswirkungen der Luftraumbeschränkungen entstand als Nachfolgeprojekt eines Gutachtens von New Smith Capital Partners. Die Beratungsfirma hatte im Auftrag des Bundes eine Analyse zum Zusammenschluss zwischen Swiss und Lufthansa gemacht. Dabei wurde die deutsche Verordnung, die ab Herbst 2001 am Flughafen Zürich eingeführt wurde, als Risiko bezeichnet.

New Smith Capital Partners führte für die Studie etwa ein Dutzend Gespräche mit Vertretern von Unique, Swiss, Skyguide, Slot Coordination Switzerland sowie dem Bundesamt für Zivilluftfahrt. Über die Kosten der Studie wollte Fuhrer keine Angaben machen.

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