Lärmsorgen ernst genommen
07. Januar 2006, 23:50Kommentar von Hans-Peter Bieri
Der Zürcher Regierungsrat versucht die Quadratur des Zirkels. Er will die Belastung der Menschen durch den Fluglärm eindämmen, ohne die Entwicklung des Flughafens Kloten über Gebühr einzuschränken. Statt einer Plafonierung der Flugbewegungen schlägt er vor, die Zahl der vom Fluglärm stark Betroffenen zu begrenzen.
Der Vorschlag ist ebenso neu wie kreativ - vielleicht zu kreativ. Die Zahl der vom Fluglärm stark betroffenen Menschen zu bestimmen, ist ein hochkomplexes Verfahren. Dabei müssen einmal fixierte Umfragewerte nicht nur verallgemeinert, sondern auch auf wechselnde An- und Abflugverfahren umgelegt werden. Es wird viel brauchen, das Modell den Menschen zu erklären.
Das gilt umso mehr, als es in Konkurrenz zu einer sehr einfachen Lösung steht. Es dient als Gegenvorschlag zu einer Volksinitiative, welche die Flugbewegungen in Kloten auf 250 000 reduzieren möchte. Dieses Ziel liegt zwar ausserhalb jeder Realisierbarkeit, aber es liesse sich problemlos nachprüfen. Bewegungen zählen ist keine Hexerei.
Der Gegenvorschlag wird es aus einem zweiten Grund schwer haben. Die Initiative möchte den Flugverkehr in Kloten auf das Mass vor 1995 zurückführen - die Zeit, bevor das Verkehrsvolumen dort explodierte. Der Gegenvorschlag will die Betroffenheit der Menschen auf Grund des Jahres 2000 berechnen. 2000 erreichten die Flugbewegungen in Kloten mit 326 000 ein Maximum.
Trotzdem: So schwer vermittelbar der Gegenvorschlag ist, er verdient eine genauere Prüfung. Denn er nimmt die Angst der Menschen rund um den Flughafen ernst. Die könnten sich teilweise noch mit dem heutigen Fluglärm arrangieren. Aber es schaudert sie beim Gedanken, dass der Lärm grenzenlos weiterwachsen könnte. Der Regierungsvorschlag setzt dem eine Schranke.
Vor allem aber lässt er der Zukunft eine Chance. Die Initiative würde die Volkswirtschaft zumindest zeitweise zurückwerfen. Der Gegenvorschlag erlaubt weiteres Wachstum, sofern man den Lärm in den erlaubten Grenzen halten kann. Wenns gelänge, wäre das tatsächlich die Quadratur des Zirkels.
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