Teure Zoo-Seilbahn
08. Februar 2006, 00:0016,7 Millionen soll die Gondelbahn zum Zoo kosten, deutlich mehr als andere neue Bahnen. Der Zoo verweist auf komplexe Stationsbauten und versichert: «Es gibt kein Luxusprojekt.»
Vor kurzem rührten die Zooverantwortlichen die Werbetrommel für die Gondelbahn, die in einigen Jahren Besucher vom Bahnhof Stettbach zur Masoala-Halle bringen soll (TA vom 19. Januar). Sie sehen darin eine optimale Lösung für die bessere Erschliessung des Zoos mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Investitionskosten hat der Zoo auf 16,7 Millionen Franken veranschlagt, die Betriebskosten auf 1 Million im Jahr, was grösstenteils über Sponsoren finanziert werden soll. Die Bahn wäre gut zwei Kilometer lang und hätte 11 Masten; ihre maximale Kapazität läge bei 1500 Passagieren pro Stunde; befördert würden sie in 8er-Gondeln. Die Fahrzeit würde 6 Minuten betragen.
Ein Vergleich mit kürzlich eröffneten Gondelbahnen auf ähnlich langen Strecken zeigt: Deren Baukosten lagen zum Teil erheblich tiefer. 7,3 Millionen Franken kostete die Mitte 2005 eingeweihte Gondelbahn Sattel-Hochstuckli SZ, die als Weltneuheit gar über drehbare 8 er-Kabinen verfügt. Genau gleich teuer war die Ende 2003 eröffnete kombinierte Sessel-Gondel-Bahn in Alt St. Johann SG. Und für 9,5 Millionen kam Vals GR Ende 2004 zu einer neuen Gondelbahn.
Talstation direkt über S-Bahnhof
Der Zoo verteidigt die hohen Kosten. «Man kann nicht Äpfel mit Birnen vergleichen», sagt Projektleiter Andreas Hohl. Die Schätzung sei realistisch, wenn es günstiger werde, umso besser. Er wehrt sich gegen den Verdacht, der Zoo richte mit gar grosser Kelle an: «Wir planen kein Hochglanz-Luxusprojekt.» Der Kostenunterschied zu anderen Bahnen sei vor allem auf aufwändigere Berg- und Talstationen zurückzuführen. «Eine komplexe Sache», erläutert Bauingenieur und Raumplaner Peter Gasser, der das Vorprojekt erstellt hat. Laut Gasser ist vor allem der Bau der Talstation inklusive Garage für die 51 Gondeln kostspielig. Um möglichst optimale Umsteigebeziehungen zu gewährleisten, sieht die derzeit favorisierte Lösung die Talstation direkt über dem Dach des heutigen S-Bahnhofs Stettbach vor, im so genannten Auge der künftigen Endschlaufe der Glattalbahn. Laut Gasser gibt es an die Stationen für die Zoo-Gondelbahn andere Komfortansprüche als an Bahnen im Berggebiet: «Der Zoo will attraktive Stationen. Rolltreppen, WC-Anlagen und Aufenthaltsräume sind ein Muss.»
Während für die Seilbahntechnik 8 Millionen veranschlagt sind, wurden für beide Stationen inklusive Baukosten der Masten 3,5 Millionen eingesetzt, für Umgebungsarbeiten/Zufahrten 2 Millionen, für Planung 800 000, für Grundstückskosten 50 000 und für Unvorhergesehenes 1,2 Millionen, was rund 15,5 Millionen Franken ohne Mehrwertsteuer ergibt. Kostentreibend wirkt laut Gasser auch die Einpassung in die Landschaft. Aus Naturschutzgründen kann keine Schneise in den Wald geschlagen werden. Damit das Gebiet überfahren werden kann, braucht es zum Teil hohe Masten, einer soll 48,5 Meter hoch werden.
Bauten teilweise teurer als Technik
Und was halten Seilbahnexperten von den Kosten für die Zoo-Gondelbahn? Die Anlage sei zwar teurer als andere Projekte in den letzten Jahren, sagt Felix Maurhofer von Seilbahnen Schweiz, aber angesichts der speziellen Verhältnisse scheine ihm der Betrag «nicht überrissen». Auch Ernst Egli, Projektleiter beim Seilbahnhersteller Garaventa-Doppelmayr, zeigt sich wenig überrascht: «Wenn man in dem Business zu Hause ist, erstaunt einen der Betrag nicht.» Je nach Ausbaustandard der Stationen, Antriebsleistung, Fördermenge und Seildurchmesser schwankten die Kosten teilweise erheblich. Egli verweist auf andere, ähnlich teure Anlagen, etwa auf die im November eröffnete Gondelbahn Unterterzen-Flumserberg, die 19,5 Millionen kostete. Auch Flims und Crans-Montana hätten Seilbahnprojekte mit ähnlich hohen Kosten realisiert. «Stationsbauten sind manchmal teurer als die elektromechanischen Anlagen», sagt Egli. So habe in Samnaun allein eine Gondelgarage 3 Millionen gekostet. Egli hält das Zoo-Seilbahnprojektfür «sehr gelungen» und durchaus machbar. Und gibt zu bedenken: «Eine Tramverlängerung wäre um einiges teurer.»
10 Franken für eine Retourfahrt
Allerdings machen einige Seilbahnbetreiber ein Fragezeichen zur Wirtschaftlichkeit einer 16,7 Millionen Franken teuren Anlage. «Das zum Rentieren zu bringen, dürfte ein echter Challenge sein», sagt Roger Müller, Verwaltungsrat der Sattel Hochstuckli AG. Bei den Fahrpreisen drohe man in einen kritischen Bereich zu geraten. Auch Franz Niederberger von den Alp-Sellamatt-Bahnen hegt Zweifel, ob sich eine so teure Bahn amortisieren lässt.
Beim Zoo Zürich ist man zuversichtlich, dass sich das Projekt rechnen werde und es «vertretbare Fahrpreise» geben werde, wie Peter Gasser sagt: «Natürlich ist es stets eine Gratwanderung zwischen einer möglichst attraktiven Anlage und einem wirtschaftlichen Betrieb.» Der Preis für eine Hin- und Rückfahrt auf der Zoo-Seilbahn soll laut ersten Berechnungen 10 Franken für einen Erwachsenen betragen. Bei erhofften 360 000 Fahrten pro Jahr liesse sich die Bahn damit in spätestens 30 Jahren amortisieren.


















