Scientologen ködern junge Leute
06. März 2006, 23:42Mit der Aktion «Jugend für Menschenrechte» sprechen Scientologen junge Leute und Religionsgemeinschaften an.
Von Hugo StammSamstagnachmittag, Badenerstrasse 294. In der Aula der Privatschule ZIEL sitzen mehrere Dutzend Sikhs, Juden, Hindus, Christen und Muslime und lauschen den Reden der verschiedenen Religionsvertreter. «Die Meinungsfreiheit ist kein Freibrief dafür, auf den religiösen Gefühlen anderer Menschen herumzutrampeln», schreiben die jungen Aktivisten von «Jugend für Menschenrechte».
Sie werben bei Schülern und Lehrlingen für eine Petition zuhanden des Bundesrates. Die Redner fordern, die Menschenrechte seien auf der ganzen Welt umzusetzen. Der Stallgeruch ist den vielen ausländischen Gästen und Referenten aber kaum bewusst. Denn hinter der Aktion stecken durchwegs Personen aus dem Scientology-Umfeld.
An der Plakatwand hängt beispielsweise ein Zitat des «Philosophen» Ron Hubbard: «Menschenrechte müssen als Tatsachen verwirklicht werden, nicht als idealistischer Traum.» Hubbard ist der Gründer von Scientology, die sich Kirche nennt. Ausserdem werden die zahlreichen Menschenrechtsaktionen von den Kindern altgedienter Scientologen organisiert, die der Sekte seit zwanzig und mehr Jahren angehören.
Die Suche nach sozialer Akzeptanz
Stallgeruch verbreitet auch der Ort der Veranstaltung. Die ZIEL-Schule wird von Scientologen geführt und ist ein Satellit der Sekte. Einer der Redner ist Jürg Stettler, der die Scientology-Kirche vertritt. Alle Religionen sollten die Menschenrechte schützen, erklärte der Scientology-Präsident.«Jugend für Menschenrechte» ist eine weltweite Aktion, die vom Menschenrechtsbüro der Scientology-Kirche unterstützt wird. Die Sekte organisiert seit vielen Jahren Menschenrechtsaktionen und versucht, soziale Akzeptanz zu gewinnen und sich im Kreis anerkannter Religionsgemeinschaften in Szene zu setzen. Neu hingegen ist, dass junge Scientologen gezielt für solche Aktionen eingespannt werden.
Guter Wille der Jungen missbraucht
Auch in Deutschland sind die jungen Scientologen aktiv. Dies bewog Antje Blumenthal, Mitglied des Deutschen Bundestages, eine Pressemitteilung zu veröffentlichen. Darin mahnt die Politikerin zur «grössten Vorsicht». Scientology stehe «nach wie vor im Visier der Verfassungsschützer».Blumenthal erklärt, die Aktion erscheine zunächst als überaus seriös, der gute Wille der Jugendlichen würde aber missbraucht. Ähnliche Aufrufe von Schweizer Politikern sind nicht bekannt. Bekannt ist allerdings, dass Scientology-Mitarbeiter unter Bedingungen arbeiten müssen, die oft nicht im Einklang mit unseren Grundrechten stehen.



















