Pläne für neues Kunsthaus
13. April 2006, 22:18Was soll ab 2009 mit dem Amtshaus Helvetiaplatz in Zürich passieren? Eine Gruppe von Kulturschaffenden plant als kreative Zwischennutzung ein «Kunsthaus Aussersihl».
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Warum ziehen schon seit geraumer Zeit so viele Kreativlinge gerade aus der Schweiz nach Berlin? Weil es dort - anders als im renditeoptimierten Zürich - günstigen Wohn- und Arbeitsraum gibt. Solche Nischen sind wichtig, um Dinge ohne sofortigen Erfolgs- und Verkaufsdruck entwickeln zu können. Nun könnte es auch in Zürich eine Chance geben, wenigstens auf Zeit eine solche Nische zu eröffnen - an einem idealen Standort. Die Rede ist vom Amtshaus Helvetiaplatz im Kreis 4. Dieses steht seit dem Auszug des Sozialdepartements zwar nicht leer; es wird von städtischen Amtsstellen genutzt, derzeit vom Schuldepartement. Ab 2009 soll es laut Urs Spinner, Sprecher des Hochbaudepartements, sukzessive totalsaniert werden; erst nach Abschluss der Arbeiten 2012 würde es weiterhin für diverse Ämter gebraucht, die derzeit anderweitig untergebracht sind.
Unterstützung aus dem Quartier
Die frei werdenden Räume könnten vorübergehend auch anders genutzt werden, nämlich als «Kunsthaus Aussersihl» mit Atelier-, Begegnungs- und Ausstellungsräumen. Das jedenfalls schwebt einer Initiativgruppe vor. Sie kann bereits positive Rückmeldungen verbuchen: von politisch engagierten Personen aus dem Quartier - etwa Hannes Lindenmeyer und Rolf Vieli, Leiter des Aufwertungsprojekts Langstrasse Plus. Daniela Wendland, fürs Langstrassenquartier zuständige Projektleiterin bei Stadtentwicklung Zürich, sagt: «Prinzipiell stehen wir kulturellen Initiativen, gerade im Langstrassenquartier, sehr positiv gegenüber.» Kunst und Kultur könnten wichtige Faktoren sein im Bemühen um die Aufwertung dieses Quartiers. Allerdings bedeute diese Aussage nicht automatisch Unterstützung seitens der Stadt für solche Initiativen.
Klar, dass auch Zürcher Künstler und die aufblühende Galerienszene in Aussersihl vom Projekt angetan sind. Aus Sicht der Kunstschaffenden wären der zentrale Standort und die entstehenden Synergien ein grosser Vorzug. Die Stadt verfügt zwar über Ateliers, die vom Präsidialdepartement vergeben werden. Allerdings sind viele von ihnen in fester Hand. Das sorgt unter jenen, die keine Chance haben, für Unmut. Laut dem städtischen Kulturchef Jean-Pierre Hoby wird zwar in jüngster Zeit vermehrt darauf geachtet, dass es eine gewisse Rotation gibt. Aber mehr als drei städtische Ateliers pro Jahr werden etwa in der Roten Fabrik selten frei. Und die Räume, die sich eine Besetzerszene erschliesst, setzen Zugehörigkeit zur Szene voraus. Nicht jedermanns Sache.
Vorbilder in Bern und Basel
Der Initiativgruppe gehören Regula Michell, Markus P. Kenner und Sabine Hagmann an. Alle drei haben sich in der lokalen Kulturszene einen Namen gemacht. Michell ist Künstlerin und war an Kunstprojekten wie der «Klinik», einer temporären Umnutzung 1998 an der Freigutstrasse, beteiligt. Kenner war lange Mitarbeiter im Kulturzentrum Rote Fabrik und im Quartierzentrum Kanzlei und ist Initiant des Longstreet Carnivals. Hagmann ist Künstlerin und lehrt an der F+F-Schule für Kunst und Mediendesign.
Verfolgen die Initianten da nicht eigene Interessen? «Wir setzen uns selbstverständlich für eigene Interessen ein, die sich auch mit denen vieler anderer Kunst- und Kulturschaffender überschneiden», so Michell. «Aber klar wollen wir nicht nur für uns selber billigen Atelierraum beschaffen, das liesse sich wohl auch einfacher organisieren.» Sie betont auch, dass das Projekt als temporäre Nutzung angelegt sei. Dies sei eine seiner Qualitäten.
Organisiert werden soll das «Kunsthaus Aussersihl» als Verein. Der Verein erstellt ein Betriebskonzept, das sich an erfolgreichen Modellen wie dem Basler Kulturzentrum Kaskadenkondensator oder dem neueren Berner Kulturhaus PROGR, ebenfalls einer Zwischennutzung, orientiert. Obwohl der Name «Kunsthaus Aussersihl» dies suggeriert, ist nicht in erster Linie ein Ausstellungs- oder gar Museumsbetrieb vorgesehen. Die vorhandenen Räume eignen sich für Ateliers, auch Gastateliers. Die Dachkantine wäre wie bisher ein Café/Restaurant, daneben gäbe es Showrooms und Werkstätten. Der Verein wäre für die Vermietungen, die Auswahl von Kuratoren für kleinere Ausstellungen sowie Veranstaltungen zuständig. Unterstützt werden sollte er von einem Patronatskomitee. Es soll ein «Gravitationszentrum für zeitgenössische Kunst» entstehen, das «weder ein Jekami noch eine zweite Rote Fabrik» wäre.
Und wer soll das Ganze zahlen? Die Initiativgruppe hat noch keinen detaillierten Finanzplan erstellt. Falls das Hochbaudepartement die Räume unentgeltlich zur Verfügung stellen würde, könnten niedrige Ateliermieten die laufenden Betriebskosten decken.




















