Noch mehr Kunst?
13. April 2006, 06:38Kommentar
Von Barbara BastingÜber einen Mangel an Räumen für die Kunst kann man in Zürich kaum klagen. Die Dichte der entsprechenden öffentlich subventionierten Institutionen, aber auch die Vielzahl privater Initiativen sowie die blühende Galerienszene lassen kaum Wünsche offen. Wieso ist die Idee eines «Kunsthauses Aussersihl» dennoch glänzend? Weil es an günstigem Atelierraum im Stadtzentrum fehlt, wo Künstler nicht einsam vor sich hin werkeln, sondern leicht Kontakte pflegen können. Weil sich in den letzten Jahren in Aussersihl eine höchst lebendige, junge Kunstszene entwickelt hat, die dem Quartier und seinem Image gewiss nicht schadet.
Klar, erst kommen die Künstler, dann die Immobilienmakler – Gentrifizierung nennt man das, und sie hat ihre problematischen Seiten. Doch gerade angesichts solcher Einwände wäre eine grosse Qualität des Initiativprojekts zu unterstreichen: Es ist ein zeitlich begrenztes Experiment, eine vorübergehende Laborsituation. Genau dies würde es auf produktive Weise von allen bestehenden Kunstorten in Zürich unterscheiden. Büros sind zwar notwendig. Aber müssen sie alle in der Innenstadt an bester Lage sein?
Denn leider geht ihnen die Ausstrahlung, die Kunsträume für das Leben eines Stadtviertels haben, meistens ab. Deswegen wäre es nicht nur grosszügig, sondern auch weit blickend, wenn die Stadt und vorab das verantwortliche Hochbaudepartement den Mut hätten, das kreative Experiment «Kunsthaus Aussersihl» zu unterstützen.




















