Leuenberger vom Podium gejagt
02. Mai 2006, 00:32Bundespräsident Moritz Leuenberger hat seine 1.-Mai- Rede an der SP-Feier auf der Zürcher Bäckeranlage nach wenigen Minuten abbrechen müssen. Rund 200 vermummte Linksautonome waren auf das Areal gestürmt.
Auf Anraten der Polizei brach der Bundespräsident seine Rede ab und zog sich ins nahe Quartierzentrum zurück. Leuenberber sagte zunächst, er unterbreche die Rede bloss. Nach zehn Minuten erklärte aber der Zürcher SP-Präsident Koni Loepfe, der Bundespräsident werde nicht mehr weiter reden, da es zu gefährlich sei und Leuenberger auch keine Lust mehr habe.
Leuenberger blieb unverletzt. Er habe keine Angst gehabt, sei aber wütend über die Störung, sagte sein Sprecher Daniel Bach. Später wurde die SP-Feier ohne Leuenberger fortgesetzt. An der SP-Kundgebung nahmen etwa 2000 Personen teil.
Ledergerber kritisiert Polizei
Der Vorfall wurde von allen Seiten verurteilt. «Das ist eine Form von Terror, die wir nicht akzeptieren können», sagte der Zürcher Stadtpräsident Elmar Ledergerber. Es sei unverständlich, warum die Polizei nicht früher eingegriffen habe. Leuenbergers Sprecher sagte, der Bundespräsident habe bereits im Vorfeld Bedenken wegen der Sicherheit angemeldet, sei aber beschwichtigt worden.«Ich verstehe die subjektive Angst der Festteilnehmer», sagte Polizeivorsteherin Esther Maurer (SP) an einer Medienkonferenz am Abend. Leuenbergers Sicherheit sei zu jedem Zeitpunkt gewährleistet gewesen. Ein offenes Gelände wie die Bäckeranlage könne nicht hermetisch abgeriegelt werden, sagte der Einsatzleiter der Stadtpolizei, Gerhard Lips.
Die städtische SVP zeigte sich derweil in einem Communiqué empört darüber, «dass die Polizeivorsteherin ihren gesetzlich festgehaltenen Auftrag nicht wahrnimmt».
Gewalt an Nachdemo
Bereits zuvor war es an der Nachdemonstration zu Scharmützeln zwischen Jugendlichen und Polizei gekommen. Die Polizei konterte Angriffe von Autonomen und Hooligans mit Tränengas und Gummischrot.Bis 20.30 Uhr kam es zu insgesamt 48 Festnahmen durch uniformierte wie auch zivile Einsatzkräfte von Stadt- und Kantonspolizei Zürich. Es handelt sich dabei um 40 Männer und acht Frauen im Alter zwischen 16 und 39 Jahren. 38 Personen stammen aus der Schweiz, zehn sind fremder Nationalität. Sie wurden wegen Straftatbeständen wie Teilnahme an einer unbewilligten Demo, Landfriedensbruch, Gewalt und Drohung gegen Beamte, Körperverletzung, Diebstahl und Sachbeschädigung festgenommen.
Zwei verletzte Polizisten
Bei der Kantonspolizei Zürich wurde eine Beamtin durch einen Steinwurf leicht verletzt, ein Stadtpolizist erlitt einen Nasenbeinbruch. Über mögliche verletzte Personen auf Seiten der Demonstrierenden liegen nach wie vor keine Erkenntnisse vor.Das Fest auf dem Helvetiaplatz wurde um 17 Uhr vorzeitig abgebrochen. Die Veranstalter beurteilten die Lage als zu gefährlich. Rund um den Platz kam es bis 20 Uhr immer wieder zu gewalttätigen Aktionen kleinerer Gruppen von zumeist Vermummten.
Die Nachdemo hatte sich im Anschluss an den offiziellen 1.-Mai-Umzug und die Schlusskundgebung auf dem Helvetiaplatz formiert. An der unbewilligten Demo beteiligten sich etwa 600 Jugendliche, darunter etwa 70 Vermummte.
ZKB-Filiale und Bezirksgebäude beschädigt
Um 15 Uhr kam es es an der Ecke Lang-/Badenerstrasse zur ersten Konfrontation mit der Polizei. Die Demonstranten zündeten Petarden und warfen Steine, die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Die Scheiben der ZKB-Filiale an der Langstrasse gingen zu Bruch. Der benachbarte Kleiderladen der jüdischen Familie Rubinfeld wurde geplündert.Auch das Bezirksgebäude sowie die Regionalwache Aussersihl der Stadtpolizei wurden beschädigt. In Mitleidenschaft gezogen wurde auch eine Reihe parkierter Fahrzeuge. Über die Höhe der entstandenen Sachschäden konnte die Polizei am Abend noch keine Angaben machen.
Die Verantwortlichen für den Polizeieinsatz sprachen am Abend von einem «vernünftigen und verhältnismässigen» Einsatz der Polizei. Nach Überzeugung von Stadträtin Esther Maurer hat die Polizei bei der Nachdemo «genug schnell eingegriffen und Grenzen gesetzt». Vom Stadtrat hätten Stadt- und Kantonspolizei den Auftrag gehabt, nicht zu provozieren.
Probleme gegeben habe es durch die Nähe der Ausschreitungen zu den Festarealen. Die Randalierer hätten bewusst die Nähe zu diesen Festplätzen gesucht, sagte Einsatzleiter Lips. Die Einkesselung von gewalttätigen Demonstranten sei deshalb mehrfach misslungen, weil man auf keinen Fall riskieren wollte, dass der Festbetrieb durch polizeiliche Aktionen unverhältnismässig beeinträchtigt wird, fügte Maurer an.
Zürich
- 19:4695 Jahre und kein bisschen müde
- 16:13Die meisten Federer-Fans hatten keine Chance auf ein Ticket
- 15:42Wald: Noch eine Polizei-Abstimmung
- 14:33Krach um Zürichs schönstes Schloss
- 11:26EU setzt sich für Vorarlberger Taxifahrer in Kloten ein
- 10:41«Mainstation»-Party im HB: sehr hohes Sicherheitsrisiko
Wohnen in und um Zürich
Meistgelesen in der Rubrik Zürich
- 126 Minikameras erfassten in Zürich 150'000 Autonummern
- 2Zur englischen Perfektion fehlt den Zürcher Pendlern nicht viel
- 3Sihlquai-Prostituierte weichen nach Olten aus
- 4Krach um Zürichs schönstes Schloss
- 5Kinderkrippe in Zürich-West steht vor der Schliessung
- 6EU setzt sich für Vorarlberger Taxifahrer in Kloten ein
Die 3 Top-Themen im 
Hildegard Schwaningers Notizen zu Namen
Kolumnen & Kommentare
Cool bleiben, Mund halten, besser pendeln
Sommer- und Herbstausflüge
PublireportageUmfrage
Verlosung: Guns N'Roses
Hohe Ansprüche bei der Partnersuche
PublireportageDas Filetstück: die Gastro-Suche
Zürich in Fotochrom
Body Coach
-
Der BodyCoach hilft Ihnen, gesund und nachhaltig abzunehmen. Er stellt einen individuellen Ernährungsplan zusammen, erstellt Einkaufslisten, schlägt Rezepte vor und unterstützt Sie beim Training.
Dranbleiben mit unseren Diensten
-
Tagi-App fürs iPad Auch mit Apples neuster Hardware bleiben Sie dran: Im App Store ist die kostenlose Tagi-App erhältlich. -
TA+ - Bonus für die Leser Mehrwert zu Artikeln im «Tages-Anzeiger»: «TA+» ergänzt die Zeitungslektüre mit Bildern und Videos. -
Stau aus dem Weg gehen Unsere Schweizer Strassenkarte zeigt jederzeit live, wo Unfälle oder Bauarbeiten den Verkehr behindern. -
Ausgangs-App fürs iPhone Mit der Züritipp-App fürs iPhone wissen Sie immer, was in und um Zürich läuft. -
Das persönliches News-Menü Mit RSS-Feeds erhalten Sie automatisch Texte zu Lieblingsthemen und -Autoren auf Tagesanzeiger.ch/Newsnetz. -
Leserfotos werden belohnt Haben Sie etwas beobachtet? Schicken Sie Ihr Foto an 4488!
Neues aus Ihrem Wohnort
- Hier finden Sie Nachrichten, Veranstaltungen und das detaillierte Lokalwetter ihrer und hundert weiterer Gemeinden im Gebiet des Tages-Anzeigers. Mehr...
- Gelangen Sie hier direkt zu Ihrer Gemeindeseite:



















