Unternehmergeist ist gewachsen
07. Juni 2006, 00:06Der Wettbewerb um den besten Geschäftsplan wurde gestern zum fünften Mal ausgetragen. Er trug bisher zur Schaffung von 1700 Stellen bei.
Von Janine Hosp
Es scheint, als werde der Wirtschaftsstandort Zürich nach Jahren wieder von einer Gründungswelle erfasst: Noch nie war das Preisgeld von 135 000 Franken von Venture, des Businessplanwettbewerbs von ETH Zürich und McKinsey & Company, so umkämpft wie dieses Jahr: 99 Teams haben einen Geschäftsplan eingereicht, bisher waren es zwischen 75 und 87. Gewonnen hat das Team Arktis Radiation Detectors.
Anlässlich der fünften Austragung zogen Initiant Thomas Knecht, Direktor von McKinsey & Company, und ETH-Präsident Ernst Hafen gestern vor den Medien Bilanz: Etwa 2400 Teams haben bisher am Wettbewerb teilgenommen, 425 haben auch einen Businessplan eingereicht und 175 ein Unternehmen gegründet. Etliche sind heute einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, die vegetarischen Fastfood-Restaurants Tibits etwa, die Sensorenhersteller Sensirion oder das Biotechunternehmen Glycart. Dieses wurde letztes Jahr von Roche für 235 Millionen Franken aufgekauft. Bis heute haben die 175 Unternehmen 1700 Stellen geschaffen - hochwertige Stellen, wie Thomas Knecht betont. Seiner Einschätzung nach existiert das Gros dieser Firmen auch noch heute. Venture wird seit 1998 alle zwei Jahre durchgeführt.
Wie der Jahrgang 2006 zeigt, ist Venture internationaler geworden: Heute stammen viele Teilnehmer aus dem Ausland. «Es spricht für den Standort Schweiz, dass er auch für potenzielle Unternehmer aus dem Ausland attraktiv ist», meinte Knecht. Zudem wurde nur noch die Hälfte aller Businesspläne in Deutsch verfasst, die übrigen in Englisch oder Französisch.
Laut ETH-Präsident Ernst Hafen will Venture findigen Köpfen helfen, aus Ideen funktionierende Firmen zu schaffen. Dass das Ziel erreicht wird, bestätigte Christian Zahnd von Molecular Partners, Gewinner der Venture 2004. Sie konnten mit Hilfe der Coachs von Venture einen überzeugenden Businessplan erstellen und Kontakte zu Investoren aufbauen. Nicht zuletzt dank der Signalwirkung des Wettbewerbs haben sie weitere Preise gewonnen.
Mehr Geld, mehr Mentoren
Und was hat Venture der Schweiz gebracht? Das Umfeld für Start-ups habe sich seit den 90er-Jahren stark verbessert, und daran habe auch Venture einen Beitrag geleistet, sagte Thomas Knecht. Es seien heute mehr Coachs verfügbar - freiwillige Mentoren aus Wirtschaft und Forschung -, und es gebe mehr Risikokapital. «Heute kommen Jungunternehmer früher zu Geld und müssen nicht mehr Onkel und Tanten anpumpen», konstatiert Thomas Knecht.
Auch in den Köpfen habe sich etwas geändert: Es trügen sich mehr Studenten mit der Idee, eine eigene Firma zu gründen, als früher. Heute sei die Schweizer Gründungslandschaft in guter Verfassung und durchaus vergleichbar mit jener in den USA.















