Lastwagenflut durch Zürich
24. Juni 2006, 01:15Die Sperrung der Gotthardachse beschert der Stadt Zürich und dem linken Seeufer bis zu 40 Prozent mehr Schwerverkehr.
Von Walter Sturzenegger
Zürich. - Seit dem Felssturz am Gotthard weicht der Nord-Süd-Verkehr auf die San- Bernardino-Route aus. Das sorgt im Süden des Kantons Zürich für massiv mehr Schwerverkehr. Besonders betroffen sind die Stadt Zürich und der Hirzel, wie eine erste Auswertung der Zählstationen durch das kantonale Tiefbauamt zeigt. Über die A 3 bei Thalwil rollten vergangene Woche 3047 Lastwagen - 41 Prozent mehr als in der Vergleichswoche vor der Gotthardsperrung. Der Gesamtverkehr wuchs um 8 Prozent auf 55 269 Fahrzeuge (+4168). Die meisten davon dürften durch Zürich gerollt sein. Zahlen sind nicht verfügbar, weil an den Transitachsen zwischen Brunau und Limmattaler Kreuz Zählstationen fehlen. Die Kapazitätsgrenzen seien erreicht, sagt Heiko Ciceri von der städtischen Dienstabteilung Verkehr. Zum Chaos sei es aber bisher nicht gekommen. «Die Staus wurden länger. Doch die Quartiere blieben weit gehend verschont.»
Deutlich mehr Verkehr rollt auch über den Hirzel. Die Zahl der Fahrzeuge stieg um 5 Prozent auf 18 880, jene der Lastwagen um 20 Prozent auf 2322. Die tatsächliche Belastung durch den Schwerverkehr dürfte noch grösser sein, denn am Donnerstag vergangener Woche war Fronleichnam - in der katholischen Zentralschweiz ein arbeitsfreier Tag. Georg Eisler, der im Tiefbauamt die Verkehrsdaten auswertet, erwartet deshalb in der laufenden Woche noch mehr Lkw. Er verweist aufs Jahr 2001, als die Gotthardroute nach dem Tunnelbrand für den Schwerverkehr ebenfalls gesperrt war. Damals nahm der Lastwagenverkehr auf der A 3 am linken Zürichseeufer um 62 Prozent zu.
Etwas aufatmen kann die Bevölkerung im Knonauer Amt und im Sihltal. Die Zählstelle Hedingen passierten vergangene Woche 1564 Lkw - 271 oder 15 Prozent weniger als vor der Gotthardsperrung. Auf der Sihltalachse wurden bei Adliswil gar 25 Prozent weniger Lastwagen gezählt. Im übrigen Kantonsgebiet konstatiert Eisler keine wesentlichen Veränderungen. Auf der A 4 im Weinland registrierte er eine «zufällige» Reduktion des Schwerverkehrs um9 Prozent. Auf der Forch-Autostrasse wurden 5 Prozent mehr Lkw gezählt, auf der Oberlandautobahn 10 Prozent mehr. Das war schon 2001 so, als Eisler bilanzierte, der Kanton Zürich sei mit Ausnahme der Verkehrsachsen A 3 und Hirzel vom Schwerverkehr grossräumig umfahren worden.














