Solarpower für Handy oder iPod
17. Juli 2006, 22:32Beim Flanieren den MP3-Player aufladen: Technologie aus Yverdon und eine Geschäftsidee aus Stäfa machen es möglich.
«Zuerst wollten wir die Taschen nur für uns selber machen», erzählt Pascal Landolt. Aus dem alltäglichen Bedürfnis heraus, sein Handy oder seinen iPod unterwegs aufzuladen, entstand Anfang des Jahres die Idee zu einer Tasche, die Strom liefert, den sie aus Sonnenlicht produziert. Gemeinsam mit zwei Kollegen und seinem jüngeren Bruder hat der 20-jährige Ökonomiestudent aus Stäfa aus dieser Idee ein Produkt gemacht. Das Interesse für eine solche Umhängetasche was so gross, dass die vier kurz entschlossen ihre eigene Firma gründeten: Daochu, nach dem chinesischen Begriff für «überall» benannt. Ende Juli sind sie so weit, die ersten Solartaschen namens Daochu Go an Kunden auszuliefern. «Es liegen schon etliche Bestellungen vor», so Landolt.
Einen funktionstüchtigen Prototypen trägt er ständig bei sich und demonstriert ihn mit sichtlichem Vergnügen. Auf der Aussenseite der schlichten Umhängetasche ist ein rot-silbern schimmerndes, leicht biegbares Solarpanel angebracht (siehe Bild). Dieses liefert Strom an einen Zigaretten-Anzünder-Stecker im Innern der Tasche. Daran lässt sich mit Hilfe eines (auf Wunsch mitgelieferten) USB-Adapters praktisch jedes mobile elektronische Gerät mit Strom versorgen respektive dessen Akku aufladen. Für Laptops liefert die Tasche zu wenig Strom, ein späteres Modell soll dies dank einem integrierten Akku aber möglich machen.
In Innenräumen liefert die Tasche keinen Strom, wie die kurze Demo zeigt. Draussen auf der Strasse hingegen wird Landolts iPod selbst im Schatten problemlos mit Strom versorgt. «Bei schlechtem Wetter liefert sie etwas weniger Saft, funktioniert aber immer noch», versichert er.
Marktlücke gewittert
Das Panel ist ein Stück Schweizer Technologie, Flexcell in Yverdon entwickelt und produziert es. Bei bekannten Taschenherstellern ist die Firma mit ihren Solarpanels übrigens abgeblitzt. «In diese Lücke springen wir gerne», sagt Pascal Landolt, der via private Kontakte mit Flexcell zusammengekommen ist.
Die Kunststofftaschen werden aus Fernost importiert, denn die Produktion einer eigenen Tasche würde die Ressourcen des Start-ups übersteigen. Man konzentriert sich auf die Fertigstellung und die Vermarktung. So entstehen in einer Garage in Stäfa die tragbaren Stromspender in Handarbeit, sprichwörtlich in einer Garagenfirma. Zwischen fünf und zehn Taschen täglich schaffen Landolt und seine Mitstreiter, die alle noch anderen Jobs oder Studien nachgehen. Unterstützt werden sie nebst anderen Patrons von Annelies Fischer, einer Seniorin aus Stäfa, die den jungen Leuten Kontakte und Finanzen bereitstellt.
Das Solarpanel lässt sich dank vier Druckknöpfen abnehmen und auf der Terrasse oder beim Picknick einzeln verwenden. Da liegt die Idee relativ nahe, bestehende Taschen mit den Panels nachzurüsten, denn die Leute hängen an den Accessoires, die sie schon haben. «Wir können uns durchaus vorstellen, dass wir später so eine Art Pimp-my-bag-Service anbieten», so Landolt, «wenn die Nachfrage gross genug ist.»
Erhältlich ist Daochu Go in vier Farben (Schwarz, Blau, Rot und Beige), der Endpreis liegt bei 198 Franken. Ähnlich viel bezahlt man für vergleichbare Umhängetaschen anderer Hersteller, nur dass diese eben keinen Strom liefern. Bestellen kann man sie direkt bei Daochu.
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