Kampagne gegen Internet-Sucht

25. Juli 2006, 14:18

Nicht nur Suchtmittel können abhängig machen, auch das Internet kann exzessiv konsumiert werden. Eine Kampagne soll dazu anregen, die Internetnutzung kritisch zu hinterfragen.

Auch die Nutzung des Internet bereitet Datenschützern Sorgen.
Auch die Nutzung des Internet bereitet Datenschützern Sorgen.
Die Stellen für Suchtprävention des Kanton Zürich fordern mit Kleinplakaten unter dem Titel «massvoll – lustvoll» Jugendliche und Erwachsene auf, ihren Suchtmittelkonsum und den Umgang mit dem Internet zu erkennen und zu ändern. Zudem haben sie die Selbsttests zum Konsum von Alkohol, Tabak, Cannabis und Medikamenten auf ihrer Homepage durch einen Test zur Internetsucht ergänzt.
50'000 Internetsüchtige
In der Schweiz gelten 50'000 Personen als internetsüchtig oder mindestens suchtgefährdet, wie das Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich mitteilt. Virtuelle Spielwelten, Chats, Newsgroups, Sex- und Pornografieseiten gehören zu den Bereichen, in denen die meiste Zeit im Internet verbracht wird. Insbesondere Chatrooms, Onlinespiele und Sexseiten könnten zu einer Abhängigkeit führen, die mit anderen Süchten vergleichbar seien.

Betroffene verbringen einen grossen Teil ihrer Freizeit vor dem Computer, sie verlieren die Kontrolle über das Mass des Internetkonsums, sie bagatellisieren ihr Verhalten, riskieren Probleme im sozialen Umfeld oder am Arbeitsplatz und leiden wie bei anderen Süchten unter psychischen Entzugserscheinungen.

Der Ausstieg aus der Internetsucht ist ähnlich schwer wie bei anderen Süchten. Wer einen grossen Teil seiner Freizeit im Netz verbracht hat, fühlt sich danach oft isoliert.

Jugendliche besonders gefährdert
Jugendliche sind besonders gefährdet, bietet doch das Internet die Möglichkeit, verschiedene Identitäten auszuprobieren, mit Unbekannten unverbindlich in Kontakt zu kommen oder sich der Auseinandersetzung mit realen Problemen zu entziehen.

Aber auch immer mehr Erwachsene nutzen das Internet exzessiv. Die Grenze zwischen einem riskanten Nutzungsverhalten und der normalen Internetnutzung ist fliessend. Für die Stellen für Suchtprävention wurde ein Test ausgearbeitet, mit dem Internetnutzerinnen und -nutzer herausfinden können, ob ihr Verhalten Risiken birgt. Zudem werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie sich die festgestellten Gewohnheiten verändern lassen.

Zürich

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