Regierung setzt auf Fluglärm-Index
24. August 2006, 17:01Der Regierungsrat will mit einem Fluglärm-Index die vom Fluglärm betroffenen Menschen ins Zentrum stellen und damit die Volksinitiative zur Plafonierung der Flugbewegungen in Kloten bodigen.
- Artikel zum Thema
- Neue Flughafen-Volksinitiative
Der Regierungsrat halte ein Konzept zur Bekämpfung des Fluglärms für untauglich, das lediglich auf die Begrenzung der Flugbewegungen abziele, sagte Volkswirtschaftsdirektorin Rita Fuhrer. «Vor allem auch aus volkswirtschaftlicher Sicht.»
«Für den Regierungsrat sind bei der Bekämpfung des Fluglärms die betroffenen Menschen das wichtigste Kriterium», sagte Fuhrer. Und im Falle des Flughafens vor allem vom Lärm belästigte Menschen. Mit dem Zürcher Fluglärm-Index (ZFI) habe man nun ein Instrument zur Verfügung, die Veränderung der Fluglärmbelästigung zu erfassen.
Belästigung statt Belastung
Der ZFI orientiert sich an der Lärmbelästigung und nicht an der Lärmbelastung. Lärmbelastung ist exakt in Dezibel messbar. Die Lärmbelästigung hingegen wird individuell wahrgenommen. Folglich erfasst der ZFI die Zahl der lärmbelästigten Personen nicht absolut.Die Lärmforschungsexperten unter der Leitung von Robert Hofmann haben deshalb einen Richtwert erarbeitet. Er legt die maximal zulässige Grenze der durch Fluglärm am Tag stark belästigter sowie im Schlaf stark gestörter Personen fix bei 47'000 fest.
Für die Berechnung des fixen Richtwertes wurden folgende Eckwerte definiert: Die Flugbewegungen aus dem Jahr 2000 (326000), die Bevölkerungszahl aus dem Jahr 2000, der Flottenmix aus dem Jahr 2004, die An- und Abflugrouten aus dem Jahr 2004 sowie die geltende Nachtflugsperrordnung von sieben Stunden.
Jährliches Monitoring
Der fixe Richtwert ist ein Bestandteil des ZFI. Hinzu kommt ein jährlich erhobener Monitoringwert, der die veränderte Belästigung sowie deren Ursachen wiedergibt. Bestandteil ist auch ein jährlicher Bericht des Regierungsrates, der die veränderte Belästigung und deren Ursachen dem Kantonsrat und der Bevölkerung aufzeigt.Neben Richtwert, Monitoringwert, Bericht des Regierungsrates gehören als viertes Element allenfalls Massnahmen zur Lärmreduktion zum ZFI. Als mögliche Massnahmen nannte Fuhrer unter anderem die Einflussnahme auf die Raumplanung oder Vorsprachen beim Bund.
Fuhrer ist überzeugt, mit dem ZFI ein Instrument in der Hand zu haben, mit dem man politischen Druck erzeugen könne, falls der Richtwert nicht eingehalten werde.
Unterschiedliche Reaktionen bei Initiativen und Verbänden
Der Vorschlag löste widersprüchliche Reaktionen aus. Für das «Initiativkomitee für eine realistische Flughafenpolitik» ist der Richtwert inakzeptabel. Auch andere Fluglärmkritiker zeigten sich skeptisch, so etwa die Organisation Bürgerprotest Fluglärm Ost, das Fluglärmforum Süd, die Grünen, Grünliberale und die SP.Ein sinnvoller Ansatz ist der Index demgegenüber für die Vereinigung Pro Flughafen Zürich und das Komitee «Weltoffenes Zürich» und für die FDP. Das Komitee «Nein zur Demontage unseres Flughafens» und der Luftfahrt-Dachverband Aerosuisse warnen davor, dass mit dem Index der Entwicklung des Flughafens weitere Einschränkungen auferlegt werden.%perl>
Vier Initiativen und ein Gegenvorschlag
Die Volksinitiative «Für eine realistische Flughafenpolitik» fordert 250000 Flugbewegungen pro Jahr; zurzeit sind es 265000. Ausserdem soll die Nachtruhe von sieben auf neun Stunden ausgedehnt werden. Über die Initiative wird voraussichtlich bis kommenden Frühling abgestimmt.
Zu dieser Initiative hat der Zürcher Regierungsrat zudem einen Gegenvorschlag erarbeitet, der auf dem heute vorgestellten Zürcher Fluglärm-Index (ZFI) basiert.
Eine zweite Volksinitiative trägt den Namen «Für eine faire und ausgewogene Verteilung des Fluglärms um den Flughafen Zürich» und wurde erst in dieser Woche vorgeschlagen - von einer Bürgerbewegung in der Ostschneise. Die Initiative will keine Beschränkung der Flugbewegung, sondern eine Verteilung des Fluglärms nach einem Rotationsprinzip .
Eine Plafonierung der Flugbewegungen fordern 69 Gemeinden in einer Behördeninitiative; allerdings gehen sie in ihren Forderungen weniger weit. Das Begehren sieht 320000 Flugbewegungen pro Jahr und acht Stunden Nachtruhe vor.
Eine zweite Behördeninitiative, die noch nicht eingereicht wurde, schlägt der Schutzverband der Bevölkerung um den Flughafen (sbfz) vor. Sie würde die Verlängerung bestehender Pisten und den Bau neuer Start- und Landebahnen verhindern .
Zürich
Meistgelesen in der Rubrik Zürich
Umfrage
Werden Sie das Langstrassenfest vermissen?
Umfrage
Sollen Betreibungsämter künftig vor der Ausstellung eines Zahlungsbefehls zumindest oberflächlich prüfen, ob die Forderung besteht?
Umfrage
Umfrage
Sollen in Zürich Sexboxen errichtet werden? Darüber entscheidet das Stimmvolk am 11. März.



























