Apple an der Bahnhofstrasse - Benetton muss weichen
13. September 2006, 23:58Computerriese Apple eröffnet an der Bahnhofstrasse 77 einen Shop, Benetton muss auf Ende Jahr ausziehen - wenn es nicht zu einem Rechtsstreit kommt.
Von Georg Gindely
Bahnhofstrasse 77, zwischen Pestalozziwiese und Manor: Benetton ist in Zürich seit den 1980er-Jahren an bester Lage präsent. Damit ist bald Schluss, Ende Jahr nämlich soll die Filiale schliessen. Die Vermieterin Swiss Life hat den per 31. Dezember auslaufenden Vertrag mit der Benetton-Franchisenehmerin Alexandre SA nicht erneuert. Nachfolger von Benetton soll per 1. Januar 2007 der Computerhersteller Apple werden, der in Zürich seinen ersten eigenen Schweizer Shop eröffnen will.
«Wir hatten Interesse daran, das bisherige Mietverhältnis weiterzuführen», sagt Swiss-Life-Sprecherin Karin Schack. Swiss Life habe der Alexandre SA deshalb bereits 2005 die Möglichkeit gegeben, ein Angebot für einen neuen Vertrag auszuarbeiten. Dieses sei bei Swiss Life auf Ablehnung gestossen: «Die bisherige Mieterin wollte anders als Apple keinen marktkonformen Preis bezahlen», sagt Schack.
Benetton spricht von «Skandal»
Seine Firma habe Swiss Life angeboten, in Zukunft 30 Prozent mehr Miete als bisher zu bezahlen, sagt Alessandro Marangoni, Benetton-Generalagent in der Schweiz und Betreiber der Filiale an der Bahnhofstrasse. «Dieser Preis wäre mit Sicherheit marktkonform gewesen.» Zudem habe man Gesprächsbereitschaft signalisiert. Dass seine Firma als langjährige Mieterin den Zuschlag trotzdem nicht erhalten habe, sei «ein Skandal».
Über die Höhe des Mietpreises schweigen sich die Beteiligten allerdings aus. Gemäss der Immobilienberatungsfirma Wüest & Partner können Spitzenmieten für Verkaufsflächen an dieser Lage durchaus bei über 6000 Franken pro Quadratmeter und Jahr liegen. Apple lässt sich sein neues Schweizer Aushängeschild also mit Sicherheit einiges kosten.
Noch nicht sicher ist aber, ob Apple termingerecht einziehen kann. Benetton hat bis jetzt kein neues Verkaufslokal gefunden. «Wir suchen schon lange und zunehmend verzweifelt nach einem Ersatz», sagt Marangoni. Wenn nicht noch ein Wunder geschehe, bleibe ihm nichts anderes übrig, als mit rechtlichen Mitteln für einen wenigstens vorläufigen Verbleib an der Bahnhofstrasse 77 zu kämpfen. «Wir müssen schliesslich Arbeitsplätze erhalten.»
Rechtsstreit scheint bevorzustehen
Die Chancen, auf rechtlichem Weg einen Aufschub zu erreichen, sind intakt. Einsprachen in Mietstreitigkeiten haben, wenn sie nicht völlig unbegründet sind, grundsätzlich aufschiebende Wirkung. Benetton könnte am bisherigen Ort bleiben, bis ein endgültiges Urteil vorliegt. Und das kann ein bis zwei Jahre dauern. «Von einem Rechtsstreit kann ich wohl nur absehen, wenn mir der Besitzer der Bahnhofstrasse 77 einen geeigneten Ersatz anbietet», sagt Marangoni.
Apple will zum Thema nicht Stellung nehmen. «Fragen rund um unsere eigenen Stores kommentieren wir grundsätzlich nicht», sagt Andrea Brack von der Apple-Pressestelle.


















