Auf Mäusejagd im Warenhaus
27. Oktober 2006, 21:59Die Zürcher City ist für Mäuse ein Paradies. Sehr zum Ärger der Warenhäuser. Denn die Tiere treiben sich besonders gern in Lebensmittelabteilungen herum.
Sie sind der Schrecken jedes Warenhauses, jedes Restaurants, jedes Hotels: Mäuse. Keiner will sie - aber jeder hatte sie schon mal. Zumindest in der Zürcher City. Denn hier ist das Angebot an Nahrung gross, der Weg in die Läden oft einfach, und natürliche Feinde sind rar. Keiner redet gerne über die kleinen Nager. Denn bekommen Kunden die Tierchen zu sehen, herrscht meist blankes Entsetzen.
Entsprechend gering war die Begeisterung bei Globus an der Bahnhofstrasse, als der «Ktipp» meldete, einer Kundin sei ein Nagetier auf den Fuss gesprungen. Sprecher Ernst Pfenninger betonte: «Mäuse sind kein Problem von Globus, sondern das aller Geschäfte in der City.» Diese Aussage bestätigt Marcus Schmidt von der städtischen Beratungsstelle Schädlingsbekämpfung, welche die Stadt, Privatpersonen und Schädlingsbekämpfungsfirmen berät: «Alle Betriebe, die mit Lebensmitteln zu tun haben, kennen die Problematik seit Jahren. Viele beschäftigen inzwischen professionelle Schädlingsbekämpfungsunternehmen - was auch dringend nötig ist.» In der Region Zürich gibt es Dutzende solcher Firmen. Ein seit Jahren wachsender Markt, wie Schmidt beobachtet.
Maus verblutet innerlich
Globus arbeitet seit langem mit Schädlingsbekämpfern zusammen. Rund 20 000 Franken ist der Filiale an der Bahnhofstrasse die Arbeit der Kammerjäger der Firma Ratex jährlich wert. Und trotzdem gibt es keine Garantie für Erfolg, wie der Fall in der Lebensmittelabteilung zeigt. Obwohl beim letzten Umbau Türen und Tore zusätzlich abgedichtet wurden. Obwohl ein neues Abfallkonzept eingeführt wurde und seither keine Lebensmittelabfälle mehr herumliegen und alle Abfallbehälter verschliessbar sind. Und obwohl nicht mehr morgens geputzt wird, sondern nach Ladenschluss, damit die Mäuse bei der nächtlichen Nahrungssuche keine Reste auf dem Boden finden.
Fritz Zehnder, Betriebsleiter der Ratex, nennt die Gründe, wieso die Tiere dennoch in Lebensmittelabteilungen gelangen: «In alten Gebäuden finden Mäuse leicht Wege ins Innere.» Durch Ritzen die Fassade hoch, durch Rohre und Schächte oder - nicht nur bei alten Häusern - direkt mit der angelieferten Ware. Auch Marcus Schmidt sagt: «Wo ein kleiner Finger reinpasst, schlüpft auch eine Maus hindurch.» Hinzu kommt, dass die Pestalozziwiese sich für Mäuse und Ratten bestens als Zuhause eignet.
Um die Tiere zu bekämpfen, legt Kammerjäger Zehnder bei den Kunden Köderboxen aus. Immer dort, wo die Besucher des Geschäfts sie nicht sehen: unter der Kasse, hinter Regalen, unter Ständen. Im Innern der Boxen liegt eine giftige Masse, die mit einem Lockstoff versehen ist. Der Köder enthält einen Blutgerinnungshemmer: Nach wenigen Tagen ist das Blut der Maus so verdünnt, dass sie innerlich verblutet und schliesslich stirbt, weil sie entkräftet ist. Ein schmerzloser Tod, wie Zehnder sagt. Gleichzeitig verhindern spezielle Zusätze im Köder, dass das tote Tier zu stinken beginnt. Denn die Maus stirbt nicht sofort, nachdem sie vom Köder gefressen hat. Oft muss sie ein zweites Mal anbeissen, bis das Gift zu wirken beginnt.
Mäuse lieben Schokolade, nicht Käse
Auch die Migros City und Manor setzen auf Experten und Köderfallen. Thomas Bretscher, Direktor der Manor-Filiale an der Bahnhofstrasse, nennt die Mäuse «Leo». Um «Leo» möglichst wenig Lebensraum zu bieten, brauche es Experten - «wie bei einem Ölwechsel auch». «Wenn wir präventiv handeln, halten wir unseren Betrieb sauber.» Präventiv, dass schliesst für Bretscher ein, dass alle Lebensmittel über Nacht fern vom Boden aufbewahrt sind und in den Büros keine Schokolade offen herumliegt, denn Mäuse lieben Schokolade - weit mehr als Käse. Bei Globus wird die Schokolade auf den untersten Verkaufsregalen nach Ladenschluss ebenfalls anderweitig verstaut. Die Kühltruhen sind so konzipiert, dass Mäuse nicht hochklettern können. Vorsicht gilt auch bei Weinflaschen: Der Leim der Etikette enthält Stärke, die Mäuse mögen. Das Papier verwenden sie für den Nestbau.
Schaffen es die Tierchen, in den Einkaufshäusern zu nisten und sich zu vermehren, wird es für die Betriebe schwierig. Sechs Junge wirft ein Weibchen durchschnittlich und das bis zu zehnmal jährlich. Das zu verhindern, ist die wichtigste Aufgabe der Schädlingsbekämpfer. Finden sie in den Köderboxen Anzeichen dafür, dass sich mehrere Mäuse im Laden aufhalten, schlagen sie Alarm, untersuchen das Areal genau und platzieren im betroffenen Bereich mehr Köder.















