Zürich

Stichentscheid rettet Kredit für Opernhaus

30. Oktober 2006, 12:31

Ratspräsident Hartmuth Attenhofer hat nach einem Patt im Kantonsrat die Kürzung des Opernhauskredits verhindert.

Die Aufführung von Doktor Faust im Zürcher Opernhaus.
Die Aufführung von Doktor Faust im Zürcher Opernhaus.
Das Opernhaus bekommt für die sechs Spielzeiten von 2006/07 bis 2011/12 einen Rahmenkredit von 415 Millionen Franken. Ein Minderheit aus Grünen, SVP und CVP wollte den Kredit um 5,2 Millionen kürzen.

Die Kürzung wurde per Stichentscheid von Ratspräsident Attenhofer (SP) mit 87 zu 86 Stimmen abgelehnt.

Die Kürzungen am Rahmenkredit des Regierungsrats für die Saisons 2006/07 bis 2011/12 hätten sich aus drei Posten zusammengesetzt: Die seltene Allianz aus SVP, Grünen und CVP stiess sich an der 700'000 Franken teuren Übertitelungsanlage und einer Erhöhung um 4,2 Millionen für höhere Star-Gagen.

Ebenfalls als unnötig erachteten die drei Fraktionen 250'000 Franken für die Suche nach einem Nachfolger des heutigen Intendanten Alexander Pereira. Dessen Vertrag läuft im Sommer 2011 aus.

40 Prozent teurer
Dass das Opernhaus als private Einrichtung den Staat heute 40 Prozent mehr kostet als 1994, sei frech und unerhört, sagte der SVP-Sprecher. Dagegen würden wichtige gemeinnützige Infrastrukturvorhaben nicht gebaut. Dies sei eine «staatspolitische Perversion».

Die CVP fand, dass auch andere Institutionen finanziell unterstützt werden können. Derzeit erhalte das Opernhaus 85 Prozent der kantonalen Kulturgelder, sagte ein Sprecher. Die Grünen kritisierten, dass es trotz aller Sparübungen immer noch ein Tabu gebe, nämlich das Opernhaus.

Standortvorteil
Der Standort Zürich sei nicht zuletzt wegen des Opernhauses sehr beliebt, sagte die SP-Sprecherin. Der Kürzungsantrag sei kleinkrämerisch und kulturpolitisch fatal. Ausserdem habe die Regierung in ihrem Antrag die eigentlichen Begehrlichkeiten des Opernhauses um 16 Millionen gestutzt.

Das Opernhaus erhalte internationale Bestnoten, befand der FDP-Sprecher. Das Institut sei zudem seit Jahren ein Paradebeispiel für ein Private-Public-Partnership. Die EVP erklärte, der Rahmenkredit ertrage keine weiteren Kürzungen.

Regierungsrat Markus Notter (SP) wehrte sich gegen das Image eines masslosen und finanziell üppig ausgestatteten Opernhauses. Die Bühne gehe haushälterisch mit den Kantonsgeldern um, sagte Notter. Zudem sei der Staatsaufwand in den letzten Jahren im Vergleich stärker gestiegen als die Subventionen fürs Opernhaus.

In der Schlussabstimmung wurde der Rahmenkredit über 415 Millionen Franken mit 106 zu 46 Stimmen genehmigt. Seit der Kantonalisierung des Zürcher Opernhauses im Jahr 1994 sind die Subventionen um 100 Millionen gestiegen.

Die seither vom Kantonsrat genehmigten Rahmenkredite betrugen 315 Millionen Franken für die Spielzeiten 1994/95 bis 1999/2000 und 351 Millionen für die Spielzeiten 2000/01 bis 2005/06.

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