Zürich

Werbestopp-Aufkleber im Visier

08. November 2006, 12:33

Mit einer Aktion in Zürich und Winterthur fordert die Post dazu auf, die Werbestopp-Aufkleber am Briefkasten zu entfernen - zum Ärger der Konsumentenschützer. Die Stiftung für Konsumentenschutz prüft eine Gegenaktion.

Werbestopp-Aufkleber von der Stiftung für Konsumentenschutz.
Werbestopp-Aufkleber von der Stiftung für Konsumentenschutz.
Von Bettina Bichsel

Wer in Zürich oder Winterthur mit einem Aufkleber seinen Pöstler darauf hinweist, dass er keine unadressierte Werbung haben will, hat in den vergangenen Tagen möglicherweise einen etwas ungewöhnlichen Brief der Post erhalten. «Zugegeben, Prospekte bedeuten zusätzliches Papier. Anderseits kann es aber auch Gründe geben, keinen Aufkleber auf dem Briefkasten zu haben», ist darin zu lesen. Dank Prospekten könne man Preise vergleichen und Geld sparen, man erhalte interessante Kataloge und nicht zuletzt würden immer öfter Firmen «ansprechende Warenproben» verteilen.

Im Couvert findet sich gleich eine Auswahl an Aufklebern mit dem Slogan «Werbung? O.K.!». Damit könne man die Werbestopp-Aufkleber einfach überkleben, schreibt die Post. Falls man dies auch tatsächlich macht, gibt es ein Geschenk als Dankeschön. Zudem winken bei einer Verlosung mehrere Preise - auch wenn man an seinem Werbestopp-Aufkleber festhält.

Wie Postsprecher Dario Ballanti auf Anfrage sagte, sind bei der Aktion 110’000 Haushalte im Grossraum Zürich/Winterthur angeschrieben worden. Man reagiere damit auf den Umstand, dass rund 40 Prozent aller Schweizer Haushalte ausdrücklich keine unadressierte Werbesendungen wünschten. Für den Gelben Riesen ist das ärgerlich, ist dieser Bereich doch ein äusserst lukratives Geschäft. Laut Ballanti hält die Post bei den unadressierten Werbesendungen einen Marktanteil von rund 50 Prozent und erzielt einen jährlichen Umsatz von gut 120 Millionen Franken. Durch den Werbemissmut der Schweizer gehen ihr aber laut eigenen Berechnungen jährlich 2,5 Millionen Franken verloren.

Mit der jetzigen Aktion will die Post diesen Verlust reduzieren, nicht zuletzt auf Grund der Ergebnisse aus einer ersten Testaktion im Frühjahr, als in der Region Basel 68’000 Haushalte angeschrieben worden waren. Rund 3’300 davon hätten sich bereit erklärt, ihren Werbestopp-Aufkleber wieder zu entfernen, sagte Ballanti. Ob sie diesen Vorsatz auch in die Tat umsetzten, ist unklar. Dennoch wertete die Post die Aktion laut Ballanti als Erfolg.

Konsumentenschützer verärgert
Anders sieht das Thomas Meier, Projektleiter bei der Stiftung für Konsumentenschutz. Für ihn ist die Aktion absolut nicht sinnvoll, weder aus Sicht der Konsumenten noch aus ökologischer Sicht. Schliesslich sei es Sache der Konsumenten, ob sie einen Aufkleber wollten oder nicht. Es habe auch einige Reaktionen gegeben von Leuten, die sich durch die Post gestört fühlten. Meier ärgert sich zudem über die von der Post im Brief geäusserte Vermutung, dass der Aufkleber am Briefkasten gar nicht vom Adressaten selber stammen könnte, sondern von dessen Vormieter. «Auch wenn man ihn nicht selber aufgeklebt hat, so ist er sicher gewollt, sonst hätte man ihn bestimmt schon selbst entfernt», sagte Meier. Die Stiftung für Konsumentenschutz überlegt sich nun eine Gegenaktion.

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