Zürich

SVP-Kampagne für Rita Fuhrer

23. November 2006, 23:51

Mit einer Leserbriefserie setzte sich die SVP für ihre gebeutelte Regierungsrätin Rita Fuhrer ein. Ein peinlicher Fehler belegt, dass die Kampagne gesteuert ist.

Von Ruedi Baumann

Hart bis brutal gingen Leserbriefschreiber und linke Politiker letzte Woche nach den Abgängen in der Volkswirtschaftsdirektion mit Regierungsrätin Rita Fuhrer (SVP) um. Übers Wochenende kehrte die Stimmung urplötzlich. Die Leserbriefredaktion des «Tages-Anzeigers» erhielt ein knappes Dutzend Leserbriefe - alle professionell, kurz und bündig geschrieben -, in denen Fuhrer über den grünen Klee gelobt wird. Die Absender allerdings verraten: Vier der Schreibenden sind SVP-Kantonsräte, und einer stammt vom direkten Nachbarn Fuhrers in Auslikon.

Dass sich Freunde, Bekannte und politische Weggefährten für einen Politiker oder eine Politikerin engagieren, ist normal und legitim. Bei der Leserbriefserie zu Gunsten von Rita Fuhrer fällt allerdings auf: Alle Mails kamen fast gleichzeitig. Und vor allem sind zwei Leserbriefe, die gestern nicht veröffentlicht wurden, fast wortwörtlich gleich. Der eine Leserbriefschreiber, SVP-Kantonsrat Heinrich Frei (Kloten), sagt: «Ich habe diesen Brief von A bis Z selber geschrieben.» Und die Autorin des zweiten, gleichen Briefes, SVP-Kantonsrätin Rosmarie Frehsner (Dietikon), sagt: «Er hat ihn zumindest von A bis Z selber ‹getöggelet›.» Sie selber habe ihren Brief auch selber geschrieben, allerdings «auf Empfehlung». Auf die Frage, ob sie eine Vorlage benutzt habe, sagt Frehsner nur: «Das kann man so auslegen.»

SVP wollte intervenieren

Dass die SVP-Fraktion ihrer Regierungsrätin unter die Arme greifen wollte, ist klar, und dazu stehen auch alle. Kantonsrätin und Leserbriefschreiberin Theresia Weber (Uetikon am See) ist offen: «Ich kenne Rita Fuhrer gut, stehe ihr nahe, und ich spüre auch, wenn es ihr nicht gut geht.» Und so habe sie am letzten Wochenende gefunden: «Jetzt müssen wir intervenieren». Weber schrieb einen Leserbrief, den sie «wirklich selber geschrieben» habe.

Ähnlich tönts bei Kantonsrat Heinrich Frei: «Wenn die Medien - vor allem der ‹Tages-Anzeiger› - eine einseitige Kampagne fahren, dann fahren wir halt eine Gegenkampagne.» Wenn sich sein Leserbrief fast wörtlich mit einem anderen decke, sei das zwar Pech, aber halb so schlimm. «Was wahr ist, kann man auch dreimal sagen.»

«Schreibe nie einen Brief wörtlich ab»

Wer wem abgeschrieben hat oder ob es vielmehr auf dem SVP-Parteisekretariat oder auf der Volkswirtschaftsdirektion einen heimlichen Koordinator gibt, lässt sich nicht eruieren. «Ich habe keine Kampagne gestartet», beteuert Parteisekretär Claudio Zanetti.

Im konkreten Fall ist auch Nationalrat Hans Fehr, der Spezialist in der SVP für Leserbriefkampagnen, ahnungslos. Fehr gibt immer wieder Kurse für Leserbriefschreiber. Da entwickle er natürlich verschiedene Musterbriefe mit kurzen Argumenten und einer konzisen Schlussfolgerung. Die erste Regel in diesen Kursen laute allerdings: «Schreibe nie einen Musterbrief wörtlich ab!»

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