Zürich

«Gekröpfter» ohne die Deutschen

24. Januar 2007, 00:04

Der gekröpfte Nordanflug soll nach Möglichkeit realisiert werden, ohne den deutschen Luftraum zu beanspruchen – wenn es die Sicherheit erlaubt. Das Bazl hat nun eine Prüfung angeordnet.

Von Hans-Peter Bieri

Der gekröpfte Nordanflug entlang der deutschen Grenze wird langsam entscheidungsreif. Dass er fliegerisch und technisch möglich ist, hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) bereits festgestellt. Jetzt will es aber zusätzlich wissen, ob die von Unique beantragte Route geflogen werden kann, ohne dass der deutsche Luftraum beansprucht wird. Eine Prüfung ist im Gang, die Ergebnisse sollten Ende Februar vorliegen. Sind sie positiv, will das Bazl das Gesuch für den «Gekröpften» Ende März oder Anfang April öffentlich auflegen. Ein definitiver materieller Entscheid wäre dann gemäss Mitteilung von gestern im Herbst zu erwarten.

Sicherheitsabstand reduzieren

Das Problem beim «Gekröpften» ist, dass der Flugweg nicht zu stark nach Süden gedrückt werden darf, weil sonst das Einkurven beim Endanflug auf den Flughafen immer schwieriger wird. Gemäss Gesuch von Unique soll der Flugweg deshalb nur eine nautische Meile (1,852 km) weit entfernt an der deutschen Grenze entlang führen. Da die internationalen Standards aus Sicherheitsgründen auf beiden Seiten des Flugwegs einen Luftraum von je 3,5 nautischen Meilen (6,5 km) verlangen, wird damit deutscher Luftraum beansprucht.

Jetzt prüft Skyguide auf Wunsch des Bazl, ob der Sicherheitsabstand im Norden auf eine nautische Meile eingeengt werden könnte. Die internationalen Standards sollen einen möglichst sicheren Betrieb gewährleisten. Sie dienen als Puffer für Ungenauigkeiten der Navigation und sorgen für genügend Abstand zwischen den Luftwegen. Abweichungen von den Standards sind nach Bazl-Sprecher Daniel Göring jedoch möglich, wenn der Nachweis gelingt, dass die Sicherheitsmarge auch so noch genügt.

Die Deutschen ausmanövrieren

Schafft die Schweiz den Nachweis, dann könnte sie den gekröpften Nordanflug einführen, ohne dass es eine Einwilligung der Deutschen bräuchte. Zumindest wäre das heute noch so. Da der süddeutsche Luftraum von der Schweizer Flugsicherung kontrolliert wird, liegt die deutsche Luftraumgrenze nördlich der Landesgrenze. Nach Göring müssten die Deutschen diese Grenze aber nur auf die Landesgrenze stellen – gleichgültig, wer den Luftraum kontrolliert –, und das ganze Szenario würde hinfällig.

In diesem Falle nämlich würde erneut ein Mindestabstand von 2,5 nautischen Meilen (4,6 km) von der Grenze erforderlich. Damit aber, so Göring, wäre der gekröpfte Nordanflug wieder «erheblich erschwert, wenn nicht verunmöglicht». Gemäss dem Bazl-Sprecher ist zwar offen, wie sich die Deutschen verhalten würden. Nach seinen Angaben habe es aber bereits Signale gegeben, dass sie genau dieses Mittel ins Auge fassen könnten.

Wechsel zum Sichtanflug früher

Die Sicherheitsüberprüfung ist die letzte technische Etappe auf dem Weg zum gekröpften Nordanflug. Die Flughafen Zürich AG hatte ihr Gesuch Ende 2004 eingereicht. Vor gut einem Jahr, im Dezember 2005, gab das Bazl bekannt, dass der «Gekröpfte» fliegerisch machbar sei. Nach Probeflügen mit einem Grossraumflugzeug im Simulator und mit einem Geschäftsflugzeug in der Realität erklärte es, dass das Anflugverfahren zwar anspruchsvoll sei, an die Piloten aber keine zusätzlichen Anforderungen stelle.

Gleichzeitig verlangte das Bazl aber, dass der Übergang vom Instrumenten- zum Sichtanflug neu definiert werde. Genauer: Es wollte, dass die Piloten nicht erst nach der letzten Kurve, sondern schon vor dieser zum Sichtanflug wechseln sollten, um die Belastung der Crew zu vermindern und die Sicherheit zu erhöhen. Zugleich verlangte es, dass der Stadlerberg befeuert werde, um ihn bei Nacht besser sichtbar zu machen. Unique hat das überarbeitete Gesuch Ende Oktober wieder dem Bazl zugeleitet.

Nach Sonja Zöchling von Unique hat die Vorverlegung des Sichtanflugs keinen Einfluss auf die Verfügbarkeit des «Gekröpften». Dieser wäre weiterhin an knapp 150 Tagen im Jahre (40 Prozent der Tage) möglich, wobei 18 bis 22 Flüge pro Stunde abgewickelt werden könnten.

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