Videotheken nehmen Pasolini-Film aus dem Regal

13. Februar 2007, 23:45

Das faktische Vorführverbot von «Salò oder die 120 Tage von Sodom» zeigt Wirkung: Die Videotheken streichen den Titel aus dem Angebot.

Von Benno Gasser

Letzte Woche konnte der umstrittene Pasolini-Film noch bei wenigen DVD-Shops ausgeliehen oder gekauft werden. Nachdem die Stadtpolizei am Samstag die «Salò»-Vorführung in der Kirche St. Jakob de facto verbot, bekommen die Verleiher und Verkäufer jetzt kalte Füsse.

Die Firma Laserzone war die einzige, welche den Skandalfilm von 1975 bisher noch verkaufte. Weil man auf einen teuren Prozess verzichten wolle, nehme man den Titel aus dem Programm, sagt Geschäftsführer Eduardo Bagnoli. Auch beim 1a-DVD-Shop ist der Titel seit gestern nicht mehr im Verleih. Seit Dezember 2004 wurde der Film 17-mal ausgeliehen und bis im Frühjahr 2005 über 100-mal verkauft. Für einen Studiofilm seien dies gute Zahlen, meint Geschäftsführer Fernando Pérez. Weil er Klagen von christlichen Fundamentalisten befürchtete, gab er klein bei. Auch die Videothek Les Videos hat am Wochenende die einzige Mietkopie vorderhand aus dem Regal genommen.

Christliche Bürgerinitiativen aus Deutschland und Österreich haben am Wochenende Strafanzeige gegen die Verantwortlichen des Xenix eingereicht. Die Anzeige stützt sich auf den Artikel 197.3 im Strafgesetzbuch: Darin wird schon der Besitz eines Films, in dem menschliche Ausscheidungen und Gewalttätigkeiten zu sehen sind, unter Strafe gestellt. Laut Polizeisprecher Marco Cortesi wird geprüft, ob die Anzeige zulässig ist. Die Polizei werde aber Videotheken auch künftig nicht nach «Salò»-Filmen durchsuchen, sondern nur bei Anzeigen aktiv werden.

Der frühere «Salò»-Importeur Impuls hat im Frühjahr 2005 die Videotheken dazu aufgerufen, die besagten Pasolini-Filme zu retournieren. Seither importierten die Händler diese DVDs aus Deutschland. Anfang Jahr übernahm Rainbow Video das Vertriebsrecht von «Salò» - allerdings auch die Import-Sperre. Doch sobald Zeit dafür ist, will man über die Bücher: «Wir wollen prüfen, ob der Film wieder vertrieben werden kann», sagt Kurt Schenker. Der vorauseilende Gehorsam der Videotheken erstaunt insofern, weil «Salò» sich nicht auf der schwarzen Liste des Videoverbands befindet. Darauf stehen vor allem brutale Horrorfilme, die in Deutschland verboten sind.

Xenix will «Salò» trotzdem zeigen

Die Betreiber des Kinos Xenix, die am Samstag mit dem Verzicht auf die Pasolini-Vorführung einen Skandal vermeiden wollten, gehen in die Offensive: «Unser Ziel ist es, ‹Salò› zu zeigen. Unsere Statuten verpflichten uns dazu, Filme vorzuführen, die anderswo nicht zu sehen sind», sagt Geschäftsleitungsmitglied Mirko Vaiz. Er rechnet zu 99 Prozent damit, vor Gericht Recht zu bekommen. Zurzeit klären Juristen ab, wie das faktische Filmverbot am besten geknackt werden kann.

Zürich

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