Thomas Heiniger: Der ausdauernde Musterfreisinnige
17. Februar 2007, 14:32Thomas Heiniger (50) ist Marathonläufer und Jurist, er ist smart, offen, fleissig und ehrgeizig. Den Regierungsrat aber würde er mit Visionen kaum durcheinander wirbeln.
Adliswil. – Typisch Thomas Heiniger: Als er sich im Herbst in der FDP als Regierungsratskandidat bewarb, standen seine Karten schlecht. Erst der Rücktritt von Verena Diener öffnete ihm – und der FDP – das Tor ins Kaspar-Escher-Haus. Das war das Glück des Zupackenden. Denn Heiniger hat nicht taktiert und gezaudert, sondern ist mutig in die Bresche gesprungen, die sich in der FDP nach dem Rücktritt von Ruedi Jeker auftat.
Das ist Thomas Heiniger: kräftiger Händedruck, gross, schlaksig, perfekt gekleidet, charmant aber bestimmt. Den erfolgreichen Rechtsanwalt, Marathonläufer, Gebirgsinfanteristen, Fallschirmspringer und Porschefahrer nimmt man ihm sofort ab. Seit 1999 ist Heiniger im Kantonsrat, von der FDP abweichende Meinungen sind nicht aktenkundig. Er ist verlässlich und konstant, aber wenig greifbar und im Kantonsrat kein Meinungsmacher.
Umweltschutz ja, aber bitte gratis
Deshalb hats Heiniger bisher nicht in die Top Ten der bekanntesten Kantonsräte gebracht. Auch die Liste der von ihm als Erstunterzeichner eingereichten Vorstösse ist kurz: meist Juristisches und brav Freisinniges. Zum Beispiel eine Aufweichung der Erschliessungspflicht von Shoppingcenter durch den öffentlichen Verkehr. Er sitzt auch im Komitee zur Einschränkung des Verbandsbeschwerderechts.
Pikant ist Heiniger Vorstoss zum Thema Luftreinhaltung auf Baustellen. 2004 kritisierte er die «Vorbildrolle» und die «überobligatorischen Anordnungen» des Kantons Zürich im Zusammenhang mit Partikelfiltern bei Baumaschinen. Zwei Jahre später schaffte er es als Kantonsrat doch noch in die Schlagzeilen: Er lud den ganzen Rat ins Kino ein, um sich den Al-Gore-Film «An Inconvenient Truth» zum Thema Klimaerwärmung anzuschauen.
Thomas Heiniger zeigt zwar ein Engagement für die Umwelt, wenns aber um die Kosten geht, ist fertig lustig. Seine rigide Finanzpolitik hatte für Adliswil auch Vorteile. Unter seiner Führung wurden die Steuern von 117 auf 104 Prozent gesenkt, in den letzten beiden Jahren hat Adliswil aber je zehn Millionen Franken Defizit gemacht. Brillant und legendär ist sein Deal im Zusammenhang mit der Vierfachturnhalle. Dank geschicktem Verhandeln konnte er das Land quasi dreimal verkaufen.
Hartnäckig bis zur Arroganz
Die Gemeindepolitik hat Heiniger aber auch die grösste Schlappe beschert. Der Verkauf des Stadtsaals wurde von den Vereinen nicht goutiert; sie warfen Heiniger arrogantes Gebaren vor. Bei den Wahlen 2002 wurde er als Stadtpräsident erst im zweiten Wahlgang wieder gewählt. «Das war ein Schuss vor den Bug», sagt er. «Ich habe daraus gelernt und bin heute viel geduldiger.» Das stimmt zumindest zum Teil: Im Kantonsrat gilt er als teamfähig, integrierend und als guter Zuhörer, der kaum Gegner hat. Im Adliswiler Gemeinderat dagegen nehmen in einige als hartnäckig und rechthaberisch wahr. Da ist er der erfolgsgewohnte Rechtsanwalt, der auch in der Politik immer gewinnen will.
In vielen Eigenschaften ist Heiniger sich treu geblieben. Er ist in Gesellschaftsfragen sehr offen. Und er ist weder Taktierer und durchtriebener Drahtzieher noch operativer Hektiker und Visionär. Er ist kein Blender und verströmt nicht bloss warme Luft. Dafür ist er ein Pragmatiker mit Sinn fürs Machbare und ein zähes Arbeitstier, das sich selbst enorm fordert. Er steht am Morgen um fünf Uhr auf, joggt durch Adliswil, erscheint zu allen Sitzungen gut vorbereitet und wirkt trotz grossem Pensum erstaunlich locker, fit und frohgemut.
Seine politische Karriere hat Heiniger nie langfristig geplant. 1986 wurde er als 29-Jähriger quasi über Nacht in den Stadtrat gewählt. Im Kantonsrat strebte er eigentlich den Prestigeposten des Ratspräsidenten an, unterlag intern aber knapp gegen Regula Thalmann. Dafür steht er nun zur richtigen Zeit am richtigen Platz für den Regierungsrat. Dabei hatte er sich noch 2005 zum Mediator ausbilden lassen. Seine Wiederwahl als Stadtpräsident stand 2006 ebenfalls unter einem besonderen Stern. Er kündigte bereits vor den Wahlen seinen Rücktritt als Stapi nach halber Amtszeit an. Taktisch ungeschickt, sagen die einen, ehrlich und berechenbar die anderen.
Heinigers wichtigste Voraussetzung als Regierungsrat ist nebst der grossen politischen und beruflichen Erfahrung seine Unabhängigkeit. Er muss nämlich nicht Regierungsrat werden, um seinen Lohn und sein Sozialprestige zu stärken.%perl>
Das politische Profil von Thomas Heiniger
In Thomas Heinigers Smartspider finden sich die klassischen Positionen der Zürcher Freisinnigen quasi in Reinkultur. Er verkörpert in seiner politischen Haltung genau die Wunschpositionen der FDP und ist damit auch aus Sicht der Politologen von Smartvote ein «Musterfreisinniger» aus dem Bilderbuch: Er tritt ein für wirtschaftliche Liberalisierung, aber auch für aussenpolitische Öffnung und gesellschaftliche Liberalisierung. Bei den Themen Law & Order und Migrationspolitik hat Heiniger eine differenzierte Haltung, die ihn und seine Partei von der SVP abgrenzt.
Im Detail sagt Heiniger «eher Ja» zu einem Verbot von Kriegsmaterial-Exporten, zu einem Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden, Restaurants und Bars sowie zu einem grösseren Engagement des Kantons bei der Lehrlingsausbildung.
Dagegen lehnt Heiniger eine Kürzung der Arbeitslosenunterstützung eher ab. Und «eher Nein» sagt er auch auf die in letzter Zeit heftig umstrittene Frage, ob Angehörige der Armee weiterhin ihre Dienstwaffen zu Hause aufbewahren sollen. (ese)
Thomas Heiniger über ...
Millionensaläre: «Allzu hohe Saläre sind unanständig und dem Sozialfrieden abträglich.»
Flughafen: «Er bringt der Schweiz eine starke wirtschaftliche Stellung.»
Klimaerwärmung: «Eine unbequeme Wahrheit, die uns alle noch stark beschäftigen wird.»
Islamisierung: «Eine Tatsache, der mit Minarettverboten nicht begegnet werden kann.»
Christoph Blocher: «Respekt vor ihm als Unternehmer; er hat sein Departement im Griff.»
Sepp Blatter: «Er fasziniert auf eine gewisse Art, ein typischer Walliser.»
Gabi Petri: «Schade, dass sie so wenig fussballbegeistert ist.»
Ingrid Deltenre: «War offenbar noch nie an einem Formel-1-Rennen in Monte Carlo.»
Zur Person
Geboren 1957 in Zürich, aufgewachsen in Zürich-Wollishofen, seit 1980 wohnhaft in Adliswil, verheiratet, drei Kinder (16, 19, 21). Matura am Gymnasium Freudenberg, Jura-Studium an der Uni Zürich, abgeschlossen 1985 mit dem Doktorat. 1987 Rechtsanwaltspatent, Partner in einer mittelgrossen Rechtsanwaltskanzlei. Seit 2005 Mediator, IRP. Zuerst war er in Adliswil Schulpfleger, seit 1986 Stadtrat und seit 1994 Stadtpräsident. Seit 1999 FDP-Kantonsrat, ab 2003 FDP-Vizefraktionspräsident. Hobbys sind Sport und Fotografie, er ist Mitglied im Rotary Club und in der Zunft Wollishofen. (rba)Zürich
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