Irene Enderli tritt aus der SVP aus
08. Juni 2007, 19:38Eclat im Säuliamt: Irene Enderli, Gemeindepräsidentin von Affoltern am Albis, ist aus der SVP ausgetreten. Sie protestiert gegen Stil und Politik der Partei.
Von Daniel SchneebeliNach einer Versammlung der SVP-Ortspartei am letzten Mittwochabend machte Irene Enderli (63) ihren Entscheid öffentlich. Sie habe seit längerer Zeit Mühe, wie die Partei mit anders Denkenden und mit ihren eigenen Behördenvertretern umgehe, teilte sie dem «Anzeiger für den Bezirk Affoltern» mit. Darum wolle sie nicht nur verbal ein Zeichen setzen. Ihr Parteiaustritt gelte ab sofort. Irene Enderli sass für die SVP auch sechs Jahre im Kantonsrat, war Bildungsrätin und Präsidentin der Bezirkspartei.
Auslöser für ihren einschneidenden Schritt ist die Abstimmung über Affolterns neue Gemeindeordnung vom 17. Juni. Streitpunkt ist vor allem das neue Bürgerrechtsverfahren. Einbürgerungen sollen nicht mehr von der Gemeindeversammlung, sondern vom Gemeinderat vollzogen werden. Dagegen wehrt sich ein Komitee für demokratische Einbürgerungen. Seit Wochen tobt ein Hin und Her auf den Leserbriefseiten des «Anzeigers». Heute meldete sich das Aushängeschild des Komitees, SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi, zu Wort. Er wirft in seinem Brief den Gemeinderat in denselben Topf wie die «Sozialisten». Bortoluzzi hält dem bürgerlichen Gemeinderat (3 SVP, 2 FDP, 2 SP) vor, den Abbau der direkten Demokratie zu befürworten. Gleichzeitig ist in diesen Tagen ein Flugblatt des Komitees in den Briefkästen gelandet, in welchem die Stimmberechtigten vor der Entmündigung gewarnt werden und die Demokratie im Sarg zu Grabe getragen wird. Mit diesem Flugblatt sei ihre Toleranzgrenze eindeutig überschritten worden, teilte Enderli gestern mit. «Ich will mit Anstand politisieren. Mein Austritt ist ein Schritt der Psychohygiene.» Enderli will Gemeindepräsidentin bleiben und sich mit «bürgerlicher Grundhaltung und mit aller Kraft für Affoltern einsetzen».















