Streisand machte alles vergessen
18. Juni 2007, 23:14Heute Abend hatten die Klagen über zu teure Tickets ein Ende. Die Streisand riss das Hallenstadion von den Sitzen.
Barbra Streisand eröffnete im Hallenstadion ihre erste Europatournee überhaupt, und Zürich liebte sie wie wild. Aber nicht nur Zürich. Die Fans und die Journalisten kamen aus ganz Europa, viele aus Italien, wo die erfolgreichste singende Frau aller Zeiten ihr geplantes Konzert wegen allzu grosser Klagen über allzu teure Ticketpreise kurzerhand wieder abgesagt hatte. Armes Italien, aber selbst schuld.
Das Gerüst der optisch schlicht gehaltenen und musikalisch überaus opulenten Huldigung an die ganz grosse Showtreppe entsprach Streisands Amerikatournee 2006. Die gleichen Songs, darunter viele Nummern aus «Funny Girl» und wunderschöne Klassiker wie «Evergreen», «The Way We Were» und «Somewhere» öffneten einem grossvolumig das Herz. Dazwischen hatte sie sich lustige Zürich-Anekdoten ausgedacht (und vom Teleprompter abgelesen), die meistens mit Essen zu tun hatten und in denen sie sich höchst liebenswürdig als verfressene Grossmutter präsentierte. Grossartig. Zu ihren prominenten Schweizer Fans gehörten Bernhard Russi, Pepe Lienhard, René Rindlisbacher und der Zürcher Theater- und Musicalmann Dominik Flaschka, der sich schon mit elf unsterblich in «Yentl» verliebt hatte. Ach ja, Dieter Bohlens nicht mehr geliebte Hälfte Thomas Anders war auch da. Und das Hallenstadion war allen Gerüchten zum Trotz fast bis auf die letzten Plätze gefüllt.
Ärger wegen hoher Ticketpreise
Im Vorfeld des Streisand-Konzerts gaben die hohen Ticketpreise mehr zu reden als die Musik des US-Stars. Bis zu 1500 Franken musste ein echter Streisand-Fan hinblättern, VIP-Tickets kosteten über 2000 Franken. Nicht alle waren bereit, so tief in die Tasche zu greifen. Am Mittag noch konnten die Konzertbesucher die billigsten Tickets à 150 Franken kaufen – selbst an der Abendkasse hatte es noch Karten.Streisand-Fans zeigten sich über das Verhalten des Veranstalters Good News erstaunt. Silvia Köhler machte ihrem Ärger gestern Montag in einem Leserbrief im «Tages-Anzeiger» Luft. Köhler hatte 500 Franken für einen Platz ganz hinten im Parterre bezahlt, da die billigsten Tickets à 150 Franken bereits am ersten Verkaufstag am 27. Mai vergriffen waren. Sie habe gedacht, das Konzert werde sofort ausverkauft sein. In London, wo Tickets gar 1500 Pfund kosten, waren sie in zwei Tagen weg.
Einige Tage später habe man aber wieder Tickets für 150 Franken kaufen können, so Köhler weiter. Die Migros offerierte ihren Angestellten gar Billette für 75 Franken. Trotzdem sei ihr in einem kurz abgefassten Mail von Good News mitgeteilt worden, dass ihre Karten weder umgetauscht noch zurückgegeben werden könnten. Köhler spricht von einem «nicht gerade Vertrauen erweckenden Geschäftsgebaren des Veranstalters».
Stefan Rupp vom Veranstalter Good News betonte gestern, dass Good News nur für die Durchführung des Konzerts verantwortlich sei. Die Preise würden vom Organisator – der Agentur CPI – für die Europatournee vorgegeben. Es gebe kein Preisdumping. Roger Cahn, Presseverantwortlicher für das Streisand-Konzert, sagte, dass er Verständnis habe für Fans wie Köhler, doch gebe es etwa in der Fliegerei ähnliche Geschäftspraktiken. Und falls die Schweiz in der Champions League mitmischen wolle, werde es mehr und mehr Anlässe mit hohen Ticketpreisen geben. Er denke an Elton John, an Madonna. Bernd de Valle, Mediensprecher bei Ticketcorner, fügte bei, er wisse von anderen Konzerten, dass Veranstalter vorerst Kontingente zurückbehielten.
Zürich
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