Katholische Erbauung statt Party

28. Juni 2007, 21:31

Die Zürcher Katholiken sagten heute Ja zum Umzug ihrer Paulus-Akademie in den Zürcher Kreis 5. Weichen muss der Party-Club X-tra - aber erst 2012.

Für den Klub X-tra gibt es im Zürcher Limmathaus keine langfristige Zukunft.
Für den Klub X-tra gibt es im Zürcher Limmathaus keine langfristige Zukunft.
Von Edgar Schuler

Die Synode, das Parlament der Zürcher Katholiken, tat sich heute schwer mit dem Entscheid für den Umzug seines Bildungshauses. Die Paulus-Akademie soll vom Stadtrand nach Zürich-West ins Limmathaus ziehen. Dort ist heute der Club X-tra mit eigenem Hotel und Restaurant eingemietet.

Unbestritten war zwar, dass der Paulus-Akademie ein Neuanfang «mitten im Leben» nur gut tun könnte. Umstritten waren aber die Kosten des Umzugs (7 Millionen Franken) und des neuen Betriebskonzepts der Akademie. Die Mehrheit der Finanzkommission beantragte, auf das Geschäft gar nicht einzutreten.

«Das ist ein Quantensprung und sprengt die bisherige Grössenordnung», sagte Kommissionssprecher Albert Uttiger (Hombrechtikon). Er kritisierte vor allem, dass das Bildungshaus finanziell zu drei Vierteln ein Hotel- und Gastronomiebetrieb sei und nur ein Viertel der Finanzen aus dem «Stammgeschäft» Bildung stamme.

«Schwarzmalerei in hoher Potenz»
Hedi Jacomet (Zell) pflichtete ihm bei und sprach vom hohen finanziellen Risiko, das die Katholiken damit eingingen. Helena Vlk (Uster) warf der katholischen Zentralkommission vor, ein «Prestigeobjekt» zu lancieren. Den Bedenkenträgern widersprachen etliche Synodalen. Dieter Krepper (Egg) etwa schimpfte über die «Schwarzmalerei in hoher Potenz». Für Rolf Bezjak, das verantwortliche Mitglied der Zentralkommission, geht es nicht einfach um einen Umzug «vom beschaulichen Waldesrand» in Witikon in die City, sondern um eine grundsätzliche Konzeptänderung für das Bildungshaus.

Die Paulus-Akademie plant, das Kursangebot massiv auszubauen. Zum finanziellen Risiko erklärte Bezjak kurz und bündig: «Bildung kostet Geld.» Ihm pflichtete das Finanzkommissionsmitglied Ruth Jäger (Zürich) bei und ergänzte, das Risiko sei kalkulierbar. Beat Schlauri (Dübendorf) erklärte den Umzug zur «Schicksalsfrage» für die Paulus-Akademie: Ohne Neuausrichtung und neuen Standort werde das Bildungshaus ersticken.

Erst nach zweistündiger Debatte entschieden die Synodalen, überhaupt auf die Vorlage einzutreten. Die Diskussion über die einzelnen Punkte zog sich anschliessend bis in die Nacht hin. Im Grundsatz sagte die Synode schliesslich mit Zweidrittelmehrheit Ja zum Abschluss eines Vorvertrages mit der Vermieterin. Der Vertrag sieht vor, dass bis März 2009 ein Mietvertrag zwischen der katholischen Kirche im Kanton Zürich und der Vermieterin, der Genossenschaft Limmathaus, abgeschlossen wird. Der eigentliche Umzug erfolgt dann erst in fünf Jahren.

X-tra wehrt sich
Sorgenvoll beobachtete Adrian Gasser, Finanzchef von X-tra, die Verhandlungen im Rathaus. Für den Club wäre der Einzug der Paulus-Akademie das Aus an dem Standort, den er seit zehn Jahren erfolgreich bewirtschaftet. In einer Mitteilung schreibt X-tra, den Club sicher bis 2012 weiter betreiben und die Arbeitsplätze darüber hinaus sichern zu wollen.

Anderseits ist klar, dass die Genossenschaft Limmathaus als Vermieterin den Party-Club loswerden will. Genossenschaftspräsident Bruno Hohl hatte in den Verhandlungen mit der katholischen Körperschaft betont, dass er den ruhigen Seminarbetrieb einem ausschweifenden Partyleben am Limmatplatz vorzieht.

X-tra wehrte sich mit dem Argument, dass der Club ein «Umfeldmanagement» betreibe, um Lärm und Schmutz gering zu halten. X-tra hatte auch kräftig lobbyiert und den Synodalen auch ein eigenes Gutachten abgegeben, das die Wirtschaftlichkeit eines Bildungshauses an diesem Standort in Frage stellt.

Kein Teuerungsausgleich
Vor der Monsterdebatte über die Paulus-Akademie hatte die katholische Synode weitere Beschlüsse gefasst. So müssen die Angestellten der Kirche dieses Jahr auf einen Teuerungsausgleich verzichten. Begründet wurde der Entscheid mit der geringen aufgelaufenen Teuerung und den neu geregelten Anstellungsbedingungen, die neu zusätzliche Ferien und einen Vaterschaftsurlaub vorsehen.

Zürich

Meistgelesen in der Rubrik Zürich

Schul-Spezial

Krankenkassen 2010

  • KrankenkassenvergleichFinden Sie hier die günstigste Prämie für Ihre Krankenkasse.
    Jetzt vergleichen und sparen.

Hildegard Schwaningers Notizen zu Namen

Cool bleiben, Mund halten, besser pendeln

Das Filetstück: die Gastro-Suche

Zürich in Fotochrom

Dranbleiben mit unseren Diensten

Neues aus Ihrem Wohnort

  • Hier finden Sie Nachrichten, Veranstaltungen und das detaillierte Lokalwetter ihrer und hundert weiterer Gemeinden im Gebiet des Tages-Anzeigers. Mehr...
  • Gelangen Sie hier direkt zu Ihrer Gemeindeseite:

Zürich ist eine Liste

Eva

Der grosse Kinoservice für Zürich & Region



© Tamedia AG 2010 Alle Rechte vorbehalten