Stadt sucht Platz für das Krokodil
10. Juli 2007, 20:37Das Krokodil, die Lok der Loks, soll an ihren Entstehungsort nach Oerlikon zurückkehren. Jetzt hilft die Stadt bei der Suche nach einem Standort aktiv mit.
Thorsten Künnemann aus Oerlikon hat einen Traum, der realistische Formen annimmt: Er will die legendäre Gotthardlok ins Quartier zurückbringen und in der Nähe ihres einstigen Entstehungsortes aufstellen. Seit fast zwei Jahren weibelt der Evolutionsbiologe, der die Industriegeschichte des Quartiers lebendig erhalten will, für seine Vision bei Ämtern, Organisationen und Privaten. Die Lokomotive hat er auf sicher. Der Verein SBB Historics hat ihm einen der wenigen noch erhaltenen 130-Tonnen-Kolosse als Dauerleihgabe zugesichert. Die grosse Herausforderung ist nun, einen geeigneten Standort für die Elektrolok zu finden. Künnemann, der seit 2001 in Oerlikon lebt, erhält nun gewichtige Unterstützung: Die Stadt will helfen. «Wir finden die Idee von Thorsten Künnemann interessant und unterstützungswürdig», sagt Rudolf Steiner vom Tiefbauamt der Stadt Zürich. Er betreut den Bahnhof Oerlikon als Gebietsmanager. Für das Krokodilprojekt werde eine fünfköpfige Arbeitsgruppe gebildet, die aus Vertretern des Tief-, des Hochbauamts und der Denkmalpflege bestehe und von ihm geleitet werde, sagt Steiner. Die Gruppe soll die Entscheidungsgrundlagen für die Ämter und Fachstellen liefern.
Ziel ist es, das Krokodil möglichst nahe von seinem «Geburtsort» auszustellen. Wo früher die Lokomotivhalle stand, befindet sich jetzt an der Binzmühlestrasse das Gebäude W2 der Überbauung «Parkside». Künnemann hat Steiner eine Liste mit 14 möglichen Standorten übergeben, die sich alle im Umkreis weniger Hundert Meter der einstigen Produktionshalle befinden. «Die Stadt geht bei der Standortsuche sehr pragmatisch vor und zieht auch ein Provisorium in Erwägung», sagt Künnemann. Die Umgestaltung des Bahnhofs Oerlikon und die Schaffung des Max-Frisch-Platzes in fünf bis sechs Jahren, auf dem Grund des jetzigen Berufschulhauses, bieten neue Chancen für mögliche Standorte.
Krokodil muss vandalensicher sein
Künnemann rechnet damit, dass die Suche nach einen geeigneten Standort bis 18 Monate dauern und 2008/09 bekannt sein wird. Einige Firmen wie die UBS haben bereits abgelehnt, ihren Boden zur Verfügung zu stellen.Ist einmal ein Platz gefunden und die Finanzierung gesichert, folgt die nächste Knacknuss: Das nicht mehr fahrtüchtige Krokodil muss vandalensicher hergerichtet werden. Die Lok ist eine grosse Rarität, weil nur noch neun Exemplare existieren und nur drei betriebstüchtig sind. Allen gemeinsam ist, dass sie zwischen 1919 und 1926 in der Maschinenfabrik Oerlikon (MFO) gebaut wurden. Viele der 51 produzierten Loks standen während mehr als 50 Jahren im Einsatz. Von den erhaltenen Krokodilen steht je eines im Verkehrshaus in Luzern, in Mendrisio und in Erstfeld, zwei stehen in Deutschland und eines in Österreich.
In Neu-Oerlikon erinnern nur noch wenige Zeugen an die Industriegeschichte des Quartiers. Das Buchstabenkürzel im Namen des MFO-Parks etwa ist eine Reminiszenz an dieses vergangene Zeitalter. Die Firma spielte im letzten Jahrhundert eine wichtige Rolle in der europäischen Maschinenbauindustrie. Ihre Ingenieure schrieben Eisenbahngeschichte, waren Pioniere in der Wechselstromtechnologie und leisteten damit einen wichtigen Beitrag zur Elektrifizierung des Schweizer Bahnnetzes.















