Zürich

Wie Firmen das Umsteigen fördern

22. Juli 2007, 19:59

19'000 Zürcher pendeln billiger als alle anderen, weil ihr Arbeitgeber ökologisch vorbildlich ist. Er vermittelt ihnen den Bonus-Pass, der weniger kostet als eine Jahreskarte - aber mehr wert ist.


Von Roger Keller

Der Bonus-Pass ist kein allgemein vertrauter Fahrausweis. Das liegt daran, dass nicht alle den Bonus-Pass kaufen können: Nur jene Pendlerinnen und Pendler erhalten ihn, deren Arbeitgeber mehr als ein wertloses Lippenbekenntnis für den Umweltschutz übrig haben. Deshalb richtet sich der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) mit seinem Marketing für den Bonus-Pass auch nicht in erster Linie an das breite Publikum, sondern an die Personalabteilungen der Unternehmen.

Der Bonus-Pass ist eine persönliche Jahreskarte, deren Preis davon abhängt, wieviel der Arbeitgeber beisteuert. Der ZVV hat vier Modelle entwickelt, für die sich die Unternehmen entscheiden können. Die Modelle gehen von unterschiedlichen Firmenbeiträgen aus - 200 bis 750 Franken pro Jahr und Mitarbeiter mit Bonus-Pass. Dies ist wenig - gemessen am Mehrwert, den der Pass allen bringt: Sein Inhaber oder seine Inhaberin muss für den Arbeitsweg 15 bis 50 Prozent weniger bezahlen als bisher (in einzelnen Fällen noch weniger) und kann alle anderen, für den Arbeitsweg nicht benötigten ZVV-Zonen ebenfalls uneingeschränkt nutzen. Sie erhalten so ein Generalabonnement für den Kanton Zürich, das sie auch in der Freizeit nutzen können.

Aber auch für das Unternehmen geht die Rechnung auf. Es kann sein ökologisches Bewusstsein unter Beweis stellen sowie etwas für die Mitarbeiter-Zufriedenheit und das Betriebsklima tun. Aber nicht nur das: Dank dem Bonus-Pass kann ein Unternehmen auf die Vergütung von Fahrtspesen innerhalb des Kantons Zürich in der Regel verzichten, seien es nun Autokilometer oder Bahnfahrten. Gleichzeitig trägt die Firma so zu einer besseren Nutzung des öffentlichen Verkehrs tagsüber sowie zur Reduktion der CO2-Emissionen und der Klimaerwärmung bei.

Schliesslich kommt auch der ZVV auf die Rechnung: Er hat laut seinem Tarifchef Lorenzo Martinoni ermittelt, wie oft die Pendlerinnen und Pendler abseits ihres Arbeitsweges zusätzlich die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, wenn sie den Pass haben. Auf Grund dieser Erhebung hat der ZVV einen Zuschlag für diese Zusatzleistung einberechnet. «Wir verschenken und sponsern nichts», versichert Martinoni. Der ZVV bietet den Firmen aber Informationsmaterial an und sorgt für die Administration der Abo-Bestellung.

Bonus-Pass fördert Verlagerung
Der 1991 eingeführte Bonus-Pass ist ein Erfolgsprodukt des ZVV: Immer mehr Unternehmen und Mitarbeitende entscheiden sich dafür. 1999 waren 12 431 derartige Jahresabonnemente im Umlauf - bis 2006 ist die Zahl nach einem kleinen Einbruch während der Swissair-Krise auf 19 341 gestiegen; dies entspricht einem Wachstum 56 Prozent. Die Gesamtzahl der ZVV-Abonnemente hat im gleichen Zeitraum nur um rund 15 Prozent (von 257 200 auf 294 900) zugenommen. Der Anteil der Bonus-Pässe an allen ZVV-Abonnements ist damit von 4,8 auf 6,6 Prozent gestiegen.

Diese Zahlen belegen: Der Bonus-Pass ist ein Tarif-Instrument, mit dem sich zusätzliche Kunden für den öffentlichen Verkehr gewinnen lassen. Viele dürfte er dazu veranlassen, auf Autofahrten zu verzichten. Dies ist angesichts der erheblichen Strassen- und Luftbelastung durch den Einkaufs- und Freizeitverkehr an Wochenenden von Bedeutung. Eine Umfrage des ZVV (2003) belegt diesen Verlagerungseffekt: Die Inhaber der Pässe gaben an, in der Freizeit 14 Prozent öfter mit Bahn und Bus unterwegs zu sein als zuvor.

Das Wachstum dürfte in den nächsten Jahren weitergehen, denn seit 2006 ist der Bonus-Pass auch für Pendler erhältlich, die mit dem Z-Pass aus den ausserkantonalen Nachbarverbünden in den Kanton Zürich fahren. «Der Markt ist noch nicht ausgeschöpft», ist Martinoni überzeugt.

Zurzeit haben mehr als hundert Unternehmen unterschiedlicher Grösse einen Vertrag für den Bonus-Pass mit dem ZVV abgeschlossen. Zu den bekannteren zählen die ZKB, Migros-Bank, Bank Julius Bär, Coutts Bank, Goldmann Sachs & Co., die Zürich-Versicherungen, Converium, Swiss Life, Swiss Re, XL Insurance, Siemens, Swissmill, der Metallbauer Ernst Schweizer, Flughafenbetreiber Unique, Kraft Foods, Basler & Hofmann, Ernst Basler & Partner, Baumann Koelliker, BDO Visura, IBM, AT&T, Rotunda Tours, Fernsehen und Radio DRS, Limmatdruck, Jean Frey, Ringier sowie die Zürcher Hotels Marriott, Ascot, Schweizerhof und Storchen.

Bei Kanton und Gemeinden bieten bis jetzt erst einige wenige Dienstzweige ihren Angestellten den Bonus-Pass an: in der Stadt Zürich sind es das Waid-Spital, die Wasserversorgung oder die Pflegezentren, beim Kanton die Gebäudeversicherung, die Kantag Liegenschaften und die Baudirektion. Nicht dabei ist, offenbar aus Spargründen, die Volkswirtschaftsdirektion, welcher der ZVV angegliedert ist.

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