200 paddelten für Surfwelle in der Limmat

19. August 2007, 19:35 – Von Philipp Albrecht

Ein Jahr nach der ersten Demo nahmen Surfer am Samstag erneut die Limmat in Beschlag. Sie wollen endlich eine stehende Welle beim Unteren Letten.

Die Surfer in der Limmat zogen staunende Blicke auf sich. Am Platzspitz war die ungewöhnliche Demo zu Ende.
Iris C. Ritter Die Surfer in der Limmat zogen staunende Blicke auf sich. Am Platzspitz war die ungewöhnliche Demo zu Ende.

Die Touristen und Shopper am Limmatquai staunten am Samstagnachmittag nicht schlecht, als knapp 200 Surfer und ein paar wenige Kajakfahrer die Limmat besetzten. Die Schifffahrt setzte für kurze Zeit aus, und die Schwäne suchten das Weite. Gar etwas leicht Bedrohliches begleitete die Szenerie, als die Surfer auf der Höhe des Rathauses zu schreien und pfeifen begannen und lautstark «Limmatwave» skandierten. Doch ihre Absichten waren friedlicher Natur: Sie wollen eine künstliche Welle hinter dem EWZ-Wasserwerk Letten.

Kurz zuvor hatten sich die Surfer am Bürkliplatz versammelt. Sie kamen mit Velos, Tram oder Bus, teilweise schon mit Neoprenanzügen oder Badehosen bekleidet. Nach einem Gruppenfoto legten sich die Demonstranten im 20 Grad kühlen Wasser auf ihre Bretter, paddelten anschliessend gemütlich die Limmat runter, pausierten da und dort und winkten den staunenden Passanten zu. Nach einer guten halben Stunde stiegen sie beim Platzspitz wieder aus dem Wasser und legten ihre Bretter auf die Wiese zum Trocknen.

Uneinig über Erfolg der Aktion

Unter den Surfern war man derweil nicht ganz einig, was den Erfolg der Aktion betraf. Anja Wetter aus Zürich fand es zumindest gut, «ein Zeichen zu setzen». Dass eine künstliche Welle mitten in der Stadt zusätzlichen Verkehr verursachen würde, glaubt sie nicht: «Man kann das Surfbrett problemlos mit ins Tram nehmen, ich habe das auch schon gemacht», sagte die Surferin.

Weniger optimistisch zeigte sich Philipp Mäder, der gleich neben dem Letten wohnt: «Ich glaube nicht mehr daran, dass die Welle zu Stande kommt.» Schuld sei das EWZ, das einen Stromproduktionsverlust nicht hinnehmen will. Dabei seien es lediglich 1,4 Prozent Strom, die das Wasserwerk verlieren würde, betont Lars Konersmann vom Organisationskomitee: «Auf die gesamte Stromproduktion des EWZ umgerechnet, würde sich der Verlust im Promillebereich bewegen.» Silvio Franceschini, Surfer aus Männedorf, sieht die Sache etwas optimistischer: «Die Leute am Zürichsee sollen ihre WC-Spülung zwei-, dreimal öfters benutzen, dann hat das EWZ wieder genug Wasser», witzelte er. Dass man nun schon zum zweiten Mal demonstriert, ist für ihn Beweis genug, «dass es sich nicht um einen Tagesfurz handelt».

Organisatoren zufrieden

Die Organisatoren vom Verein «Stehende Welle» zeigten sich zufrieden. «Wir hatten etwa gleich viele Leute wie letztes Jahr, trotz des unstabilen Wetters und der tiefen Wassertemperatur», freute sich Lars Konersmann. Ein wenig irritierten ihn jedoch die zwei A4-Plakate, die jemand beim Platzspitz aufhängte. «Nein zur Limmatwelle» stand darauf. «Da macht jemand Stimmung gegen unser Projekt», so Konersmann. Er vermutet dahinter einen Interessenten für eine kommerziellere Version der Limmatwelle: «Wir wollen ein Nonprofit-Projekt, wer dereinst auf die Limmatwelle will, müsste Vereinsmitglied werden», erklärte er. Jemand wolle aber eine Limmatwelle, die auch grössere Events mit sich bringen würde. «Dem müssen wir nachgehen und das Gespräch suchen», betonte Konersmann. Zunächst stehen aber für den Verein die Weiterführung der Gespräche mit Stadt, EWZ und Quartierverein im Vordergrund: «Wir wollen alle mit ins Boot holen, oder besser gesagt: aufs Brett.»

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