Zürich

Mehr Platz für Kunsthaus

30. August 2007, 07:40 – Von Edgar Schuler

Beim Kongresshaus stockt die Planung. Das hält den Stadtrat aber nicht davon ab, bereits ein neues Grossprojekt aufzugleisen: den Ausbau des Kunsthauses für 150 Millionen Franken.

Das Kunsthaus in Zürich.
Keystone Das Kunsthaus in Zürich.

Die Euro-08-Stadt will auch in der Kunst nicht nur kleine Brötchen backen: Mit einem massiven Ausbau soll das Kunsthaus seine «Vision eines Museums des 21. Jahrhunderts» verwirklichen können, schrieb der Stadtrat gestern Mittwoch in einer Mitteilung. Stadtpräsident Elmar Ledergerber ergänzte am Nachmittag vor den Medien, zusammen mit Landesmuseum und Museum Rietberg sei das Kunsthaus das «Flaggschiff» unter den rund vier Dutzend Zürcher Museen: «Wir leben Zürich auch in der Kunst und der Kultur.» Nach fünf Jahren Vorarbeit sei jetzt «Land in Sicht» für den Erweiterungsbau, der bis 2015 stehen soll.

«Kritische Grösse erreichen»

Das schon mehrfach durch Anbauten erweiterte Kunsthaus soll auf der anderen Seite des Heimplatzes weiter wachsen. Im geplanten Erweiterungsbau erhält das Kunsthaus zusätzliche Ausstellungsflächen von der Grösse zweier Fussballfelder. Das bedeutet ein Plus von 60 Prozent gegenüber heute. «Wir streben keine absolute Grösse an», sagte der Präsident der Kunstgesellschaft, Walter Kielholz, der auch Präsident der Credit Suisse ist. «Aber wir wollen die kritische Grösse erreichen, die es braucht, um in der europäischen Museumslandschaft mithalten zu können.» Verknüpft mit dem Ausbau ist das schriftliche Versprechen der Industriellenfamilie Bührle, die Sammlung Emil G. Bührle dem Kunsthaus zu übergeben. Die 150 Meisterwerke, die heute in einer Villa an der Zollikerstrasse ausgestellt sind, müssen nach dem Willen der Familie im Erweiterungsbau alle vollständig zu sehen sein. Sie machen das Kunsthaus laut seinem Direktor Christoph Becker «zur ersten Adresse für den Impressionismus nach dem Musée d’Orsay» in Paris. Becker will aber mit der Erweiterung weit mehr: Der zusätzliche Platz soll auch für junge und jüngste Kunst, neue Medien und neue Ausstellungskonzepte genutzt werden. Oder, in der Sprache des Ausstellungsmachers: «Das künstlerisch-kuratorische Konzept, heute eher lineare Kunstvermittlung, betont neu das Nachspüren, das Aufzeigen von Kohärenz innerhalb einzelner Epochen und zwischen den Gattungen.»

Aus für historische Turnhallen

Das Land für die Erweiterung stellt der Kanton zur Verfügung, der die Pädagogische Hochschule in die künftige Überbauung Stadtraum HB zügelt. Stadträtin Kathrin Martellis Amt für Hochbauten wird für das Planungsareal einen Projektwettbewerb ausschreiben. Alt- und Neubau sollen durch einen unterirdischen Durchgang miteinander verbunden werden. Den Auto- und Tramverkehr auf dem Heimplatz unter den Boden zu verlegen, ist laut Martelli «utopisch». Mit der Erweiterung will Martelli an der Rämistrasse zwischen Uni und Kunsthaus dennoch eine «Kunst- und Bildungsmeile» einrichten, «wo sich auch Fussgänger wieder wohl fühlen». Dem Kunsthaus müssen auf dem Planungsareal unterhalb der Alten Kantonsschule die Baracken der Pädagogischen Hochschule weichen, vor allem aber die beiden Turnhallen direkt am Heimplatz, die 1880 und 1902 gebaut worden waren und im Inventar schützenswerter Bauten aufgeführt sind. Der Stadtrat will die Bauten aber aus dem Inventar entlassen.

Die nächsten Schritte

Gegen die Entlassung aus dem Inventar wird der kantonale Heimatschutz «mit grosser Wahrscheinlichkeit» rekurrieren, wie sein Präsident Marcel Knörr gestern sagte. Der Heimatschutz wolle «Denkanstösse» geben, wie die historischen Hallen in den Neubau integriert werden könnten.

Bis am Heimplatz die Bagger auffahren, werden aber ohnehin noch Jahre verstreichen. Gestern hat der Stadtrat dem Gemeinderat den Ball zugespielt: Das Parlament soll einen Projektierungskredit von 6,5 Millionen Franken bewilligen.

Später wird es dann noch um sehr viel mehr Geld gehen. Ledergerber und Kielholz rechnen mit Planungs- und Baukosten von 150 Millionen Franken. Zum Vergleich: Das Letzigrundstadion, das heute eingeweiht wird, kommt auf 120 Millionen zu stehen. Von den 150 Millionen Franken für die Kunsthauserweiterung sollen Stadt und Kanton rund die Hälfte berappen. Darüber werden voraussichtlich Gemeinderat und Volk entscheiden. Die andere Hälfte will Kielholz mit der Kunstgesellschaft bei privaten Mäzenen auftreiben.

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