Ein Glasmantel für den Letzigrund?

26. September 2007, 08:31 – Von Marcel Reuss

Je nachdem, wo man sitzt im neuen Letzigrund, bekommt man den Fussball tonlos serviert. Die Verantwortlichen suchen nach Lösungen – und nach Kleiderhaken für die Toiletten.

Fussball tonlos: Vom Geschehen auf dem Rasen hören die Fans nichts.
Dieter Seeger Fussball tonlos: Vom Geschehen auf dem Rasen hören die Fans nichts.

Genau ein Fussballspiel ist der neue Letzigrund alt und man muss sich zuerst aneinander gewöhnen: Die Stadionbetreiber an ihr neues Spielzeug, das Catering des Frauenvereins an den Massenansturm und die Masse der Fans an ihren neuen Arbeitsplatz. Und ähnlich wie beim Wechseln der Wohnung wird erst einmal eine Mängelliste erstellt. Doch zuvor sei festgehalten: Das Stadion ist schön, wunderschön sogar. Doch, was schön aussieht, muss nicht «schön» funktionieren:

  • Catering: 16 Stände für 25'000 Leute reichen nirgends hin. Wartezeiten bis zu 30 Minuten waren am Sonntag die Folge. Wartezeiten, die heute beim FCZ-Spiel gegen Basel bereits wieder Vergangenheit sind? Der Frauenverein jedenfalls will «künftig» zehn zusätzliche Stände aufstellen und 15 mobile Verkäufer einsetzen, wie «20 Minuten» gestern berichtete.

  • Mehrwegbecher: Eine ökologisch wertvolle Idee, die den Becherträger jedoch zu unökonomischen Umwegen zwingt. Wieso man einen vollen Becher an einem Stand kauft, ihn für das Depot aber an einem anderen wieder abgeben muss, war vielen nicht ersichtlich. Und so machten sich etliche der Öko-Becher nach dem Spiel mit den Besitzern auf den Heimweg.

  • WC-Anlagen: Die sanitären Anlagen sind wirklich grosszügig. Wermutstropfen: Von Frauenseite wurden die fehlenden Kleiderhaken in den Toiletten kritisiert – und die fehlenden Spiegel, wie Martin Schmid, der Letzi-Projektleiter im Hochbauamt, ergänzt. Die Haken werden nachmontiert, die Spiegel wohl auch. Dilemma dabei: Auf die Spiegel habe man verzichtet wegen Sachbeschädigungen. Dass dies nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigten am Sonntag abgerissene Seifenspender. Auch das Stadion muss sich an seine Nutzer erst gewöhnen.

  • Sicht: Die freie Sicht aufs gegenüberliegende Tor, die gewährt das Stadion prima. Doch wer hats geschossen? Von Reihe zehn an abwärts war das mehr schlecht als recht erkennbar. Ändern lässt sich das nicht, das Stadion ist gebaut – als Leichtathletik-Arena. Was der Einzelne ändern kann, ist der Platz. Erste Anfragen, die Saisonkarte umzutauschen, sind im FCZ-Sekretariat bereits eingegangen.

  • DJ: «Eins-null Züri». Mit voller Wucht bretterte der Stadion-DJ die obligate Hymne in den Jubel und erstickt ihn beinahe. FCZ-Sprecher Alexander Kuszka: beruhigt: Man habe keine Zeit gehabt, mit der Lautstärke zu experimentieren.

  • Stimmung: Als Stradivari hat sich der Klangkörper Letzigrund (noch) nicht erwiesen. Positiv: Weil das Stadion durchgehend rund ist, greift die Stimmung sofort über. Negativ: Irgendwie fehlte sie am Sonntag trotzdem. Lags am Spiel, an der Öffnung zwischen Tribüne und Dach, an der Holzverschalung des Dachs? Man beobachte noch, was sich wie auswirke, sagt Letzi-Projektleiter Martin Schmid.

Was sich auswirkt, ist der Sitzplatz. Auf der Haupttribüne habe er die Spieler sprechen gehört, sagt Schmid. Zuschauer in dem vom Rasen am weitesten entfernten Block erlebten hingegen Fussball tonlos. Oft hörten sie weder Kicks der Spieler noch Pfiffe des Schiedsrichters. Stadionmanager Peter Landolt ist sich der Problematik bewusst. Wenn er zaubern könnte, würde er eine Glaswand rund um die Dachöffnung ziehen – primär wegen der Kälte und dem Durchzug, aber auch wegen der Akustik. Das sei eine Option, und nach nur einem Spiel sei es viel zu früh für einen Entscheid. Schneller will die Stadtpolizei handeln – wegen der Gitter, durch die sich Gegenstände aller Art reichen lassen.

Zürich

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