Welche Marken Neonazis tragen und vereinnahmen

28. September 2007, 21:24 – Von Niels Walter

Wie in anderen Szenen spielen Dresscodes und Marken auch bei den Rechtsextremen eine tragende Rolle.

Mit Kleidern drücken sie ihre politische Haltung aus. Früher wars einfach: Bomberjacke, Springerstiefel und Militärhosen standen für rechte Gesinnung. Heute ists komplizierter. Es gibt diverse, auf den ersten Blick unauffällige Kleidermarken, die in der rechten Szene beliebt und verbreitet sind, darunter auch weltbekannte Labels, deren Logo oder Design Neonazis in ihrem Sinne interpretieren.

Die bekanntesten Marken in der rechten Szene sind Lonsdale, Consdaple, Thor Steinar, Pit Bull, Doberman und Alpha Industries. Diese Firma rüstet seit Jahren die US-Army aus, ihr Logo gleicht dem verbotenen Zivilabzeichen der SA (Sturmabteilung). Lonsdale und Consdaple haben beide die Buchstabenfolge NSDA(P) im Namen, was Neonazis als Anspielung auf Hitlers Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei interpretieren. Sie tragen Lonsdale-Pullover und -Shirts unter offener Jacke, sodass nur das Kürzel sichtbar bleibt.

Der Name Lonsdale stammt vom historischen britischen Städtchen Kirkby Lonsdale ab, das heute nicht mehr existiert. Seit den 60er-Jahren heisst eine englische Boxbekleidungsfirma Lonsdale. Rechtsextreme haben den Namen völlig vereinnahmt. Die Firma kämpft seit Jahren gegen das beschädigte Image.

Fred Perry und Helly Hansen

Ebenfalls beliebt sind Polohemden von Fred Perry. Der Engländer Fred Perry war der erste Spitzenspieler im Tennis, der nicht aus der Oberschicht stammte. In den 30er-Jahren anvancierte er zum Idol der britischen Arbeiterklasse und der Skinheads. Die zweimal acht Blätter im Lorbeerkranz des Fred-Perry-Logos interpretieren Rechtsextreme so: Zweimal 8 gleich 88, und 88 ist die Chiffrierung von «Heil Hitler», H ist der achte Buchstaben im Alphabet. Das Problem für die rechte Szene: Perry war schwul, Jude und setzte sich sein Leben lang dafür ein, dass Schwarze Tennis spielen durften. Auch in Helly Hansen und der Sportschuhmarke New Balance sehen einige Rechte ihre geliebten Insignien. Das Markensymbol von New Balance ist ein aufgenähtes N; Neonazis lesen es als Nationalsozialist. Und das HH von Helly Hansen heisst - natürlich - Heil Hitler.

Doch seit Helly Hansen auch in der Hiphop-Szene sehr beliebt ist (HH gleich Hiphop), verteufeln viele Rechtsextreme die praktischen Kleider für kalte Tage.

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