Das Problem heisst Minelli
02. Oktober 2007, 23:51Kommentar von Stefan Hohler.
Die Situation rund um die Sterbehilfeorganisation Dignitas wird immer grotesker: Ludwig A. Minelli, Chef von Dignitas, irrt förmlich durch den Kanton Zürich auf der Suche nach einem Sterbebett. Im Schlepptau die Sterbewilligen, verfolgt von Journalisten, scharf beobachtet von Anwohnern und mit Verboten belegt von Gemeindevertretern.
Die Odyssee begann, als der Sterbehilfeorganisation ihr Domizil im Wohngebiet von Zürich-Wiedikon gekündigt wurde – nach Protesten von Mitbewohnern und aus dem Quartier. Doch statt aus dieser Erfahrung zu lernen, zog Minelli wieder in ein Wohngebiet, diesmal nach Stäfa. Nachdem die Behörden die Sterbewohnung versiegeln liessen, führte er eine Sterbebegleitung in seinem Haus auf der Forch durch, danach in einem Winterthurer Hotel. Die vorläufig letzte Station ist ein Gewerbehaus in der Industriezone von Schwerzenbach.
Mit der hilflosen Irrfahrt durch den halben Kanton kristallisiert sich immer deutlicher heraus, wo das Problem wirklich liegt: bei Ludwig A. Minelli selber. Der Pionier in Sachen Sterbehilfe leistet mit jeder Negativschlagzeile sich und seinem Lebenswerk einen weiteren Bärendienst. Statt nach der Kündigung der Wohnung in Zürich-Wiedikon sorgfältig und in aller Ruhe nach einem geeigneten Ort zu suchen und Behörden und Umgebung darüber offen zu informieren, zog er in immer neuen Nacht-und-Nebel-Aktionen an immer neue Standorte.
Die Behörden dulden jetzt Dignitas nicht einmal mehr in einer Industriezone. Das ist ein deutliches Zeichen, wie klein Minellis Kredit unterdessen ist. Und wie allein er steht. Minelli sollte jetzt den von FDP-Kantonsrat und Fraktionschef Beat Walti präsentierten Vorschlag annehmen und sich mit Vertretern von Politik, Kirche und Medizin an einen runden Tisch setzen, um nach einer gemeinsamen Lösung zu suchen.
Auf längere Sicht muss Minelli zudem erkennen, dass ein Verein, der sich mit einer solch heiklen Problematik befasst, nicht mehr als reine «Einmannshow» geführt werden kann – so verdienstvoll sein Engagement für ein würdiges Sterben auch ist.

















