Das Kulturprozent der Stadt Zürich
23. Oktober 2007, 22:38 Von Daniel SuterKnapp 93 Millionen gibt Zürich ab 2008 für die Kultur aus. Das neue Leitbild zeigt, dass die Gelder meist an altbekannte Orte fliessen.
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«Obwohl ich am Anfang sehr skeptisch gewesen bin, muss ich sagen, dass sich das Kulturleitbild von 2003 bewährt hat.» Mit diesen Worten stellte Stadtpräsident Elmar Ledergerber am Dienstag die zweite Auflage des Leitbilds für die Jahre 2008 bis 2011 vor. «Das Leitbild schafft Transparenz nach aussen und zwingt uns dazu, Schwerpunkte zu setzen.»
Diese Schwerpunkte sind im wesentlichen unverändert. Fast die Hälfte aller Subventionen bekommen die Theater, über ein Fünftel geht an die klassische Musik und knapp ein Sechstel an die bildende Kunst und ihre Stätten. Damit sind schon 93 Prozent des Geldes verteilt.
1 bis 1,5 Prozent für Kultur
In Zahlen: 2006 gab die Stadt Zürich brutto 142 Millionen Franken für Kultur aus, bekam aber vom Kanton 48 Millionen zurückerstattet. Nach Abzug der internen Mietverrechnungen und der Einnahmen einiger stadteigener Betriebe blieben als Nettoausgaben der Stadt 68,5 Millionen. Damit leistete sich Zürich Kultur in der Höhe von 1,2 Prozent des gesamten städtischen Budgets. 1990, als die Stadt noch für das Opernhaus aufkam, waren es noch 2,3 Prozent.
Den heutigen Budgetbruchteil möchten Stadtpräsident Ledergerber und sein Kulturchef Jean-Pierre Hoby als «Kulturprozent» festschreiben. Nicht so streng und verbindlich wie es Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler vor genau 50 Jahren getan hat, nein, es soll nur eine geistige Richtschnur sein: 1 bis 1,5 Prozent des städtischen Gesamtaufwands sollen an die Kultur gehen. Die knapp 93 Millionen Franken, die für 2008 vorgesehen sind, entsprechen 1,27 Prozent des Stadtbudgets.
Leistung messen
Eine Premiere bringt das neue Kulturleitbild – die Leistungsvereinbarung. Mit allen grösseren Subventionsempfängern will die Stadt für jeweils vier Jahre solche Leistungsverträge abschliessen. Darin werden die Ausgaben und Einnahmen des Betriebs und seine Besucherfrequenz festgelegt.
Auch die Qualität der Leistung soll gemessen werden: Wie kommt das Angebot beim Publikum und der Kritik an? Wie wichtig sind die präsentierten Themen? Welche Experimente werden gewagt, und wie überzeugend vermitteln die Künstler ihre Botschaft? Wie professionell ist der Betrieb geführt?
Trotz dieser Verträge soll die künstlerische Freiheit in der Programmierung des Angebots gewahrt bleiben, sagte Elmar Ledergerber: «Es wird auch in Zukunft in Zürich keine Bürokratenkunst geben.»
Schwerpunkte der Zukunft
Das neue Leitbild spricht nicht mehr von Projekten mit erster, zweiter und dritter Priorität. Es setzt in allen Kulturbereichen Schwerpunkte für die Zeit bis 2011. Hier eine Auswahl dieser Schwerpunkte:
Theater: Finanziell ist wie immer das Schauspielhaus der grösste Brocken (34 Mio.). Thematischer Kulturschwerpunkt ist dort mit 350'000 Franken die definitive Einführung des «Jungen Schauspielhauses», das Theater für und mit Jugendlichen inszeniert. Zweiter Schwerpunkt ist der Einbau der mittleren Bühne beim Theaterhaus Gessnerallee.
E-Musik: Das «Sorgenkind» (so Elmar Ledergerber) Zürcher Kammerorchester bekommt nächstes Jahr fast 1 Million mehr (total 3,45 Mio.), damit es seinen Sanierungsplan verwirklichen kann.
U-Musik: Der Jazz wird gleich doppelt aufgewertet. Einerseits bekommt der Jazztempel Moods 200'000 Franken mehr (total 0,7 Millionen), anderseits das Zurich Jazz Orchestra erstmals 50 000 Franken. Der Fabrikjazz bleibt bei 101'000 und der Popkredit bei 700'000 Franken.
Literatur: Das Literaturhaus am Limmatquai bekommt mehr Geld für die Erweiterung seiner Räume (total 362'000 Franken).
Bildende Kunst: Hier stehen neu 30'000 Franken für die Mietbeihilfen an neue Ateliers zur Verfügung.
Museen: Mit 100000 Franken soll ein Museumskonzept für die Stadt Zürich erarbeitet werden. Dieses soll klären, welche Projekte verwirklicht werden sollen (etwa das erst sehr vage angedachte Stadtmuseum oder das Migrationsmuseum). Beim Kunsthaus wie beim Landesmuseum werden die Erweiterungsbauten (mit)geplant. Das Löwenbräu-Areal (laut Ledergerber «unser Museum of Modern Art») soll zusammen mit den dortigen Kulturbetreibern gekauft werden, um es der bereits grassierenden Grundstücksspekulation zu entziehen.
Film: Die Stadt unterstützt – wie bereits bekannt – neu das Zurich Film Festival mit 200'000 Franken pro Jahr.
Quartierkultur: Das Kinderkulturhaus wird unter der Aufsicht des Schuldepartements seinen Pilotbetrieb aufnehmen – wo, ist allerdings noch nicht klar. Mit 50'000 Franken kann auch der Kulturklub Lebewohl-Fabrik im Seefeld rechnen.














