«Hier gehts nicht primär um mich»
26. Oktober 2007, 21:14Chantal Galladé sah sich als «logische Kandidatin», gab sich nach ihrem Rückzug aber abgeklärt.
Mit Chantal Galladé sprach Niels Walter
Frau Galladé, mit gnädigem Lächeln und ausgewogenen Worten geben Sie Ihrer Konkurrentin Verena Diener den Vortritt. Haben Sie keine Wut im Bauch?
Natürlich bin ich enttäuscht. Ich fühlte mich nach dem guten Resultat als die logische Kandidatin für den zweiten Wahlgang. Hätte ich weniger Stimmen erhalten als Verena Diener, hätte ich mich zu ihren Gunsten zurückgezogen das entspricht meiner Auffassung von Politik. Deshalb rechnete ich bis zuletzt damit, dass sich Frau Diener zurückziehen würde. Nun ists anders gekommen.
Ihr Ärger muss gross sein darüber.
Nein. Hier gehts nicht nicht primär um mich oder um Frau Diener, hier gehts um die Sache. Hätte ich auch an meiner Kandidatur festgehalten, wäre Ueli Maurer gewählt worden. Da Frau Diener sich nicht zurückzieht, hat es einen politisch gescheiten Entscheid gebraucht. Den habe ich gefällt. Wichtig ist, dass neben dem FDP-Mann Felix Gutzwiller für den Kanton Zürich eine Person in den Ständerat gewählt wird, die ein Gegengewicht bildet zur rechtsbürgerlichen Politik. Deshalb empfehle ich: Wählt Verena Diener! Ich wähle sie auch.
Vielen Linken ist Diener zu rechts. Diese werden über Ihren strategischen Rückzug enttäuscht sein und nicht mehr wählen gehen.
Es gibt sicher viele solche Linke. Doch es gibt auch jene, die jetzt erst recht Diener die Stimme geben, um Maurer zu verhindern.
Darum gehts Ihnen ja.
Ich ziehe mich nicht zurück, um Herrn Maurer zu verhindern, sondern um eine offenere, sozialere und ökologischere Politik in der Zürcher Ständeratsvertretung zu ermöglichen. Ich hätte gute Chancen gehabt gegen Ueli Maurer. Ich verkörpere programmatisch die perfekte Antithese zu ihm, mehr als die Grünliberale Verena Diener. Aber mit meiner liberalen Haltung wäre ich auch für viele Bürgerliche wählbar gewesen. Seit langem war die SP im Kanton Zürich nicht mehr so nahe an einem Ständeratssitz. Aber wie gesagt, es geht mir um die Sache, nicht um mich.
Und für die Sache macht die junge Galladé der altgedienten Diener Platz. Nicht gerade ermutigend für die junge Generation.
Das ist für mich die wirklich grosse Enttäuschung. Ich hatte von so vielen Jungen Feedback erhalten, die mich als eine von ihnen sehen. Die muss ich jetzt enttäuschen. Aber ich sage auch: Es kann und darf nicht sein, dass wir Jungen immer zurückstehen. Ich kanns ja dann als «alte Politikerin» einmal besser machen und in einer solchen Situation jemandem Jungen den Vortritt lassen.
Kann man nach dieser Woche sagen «Dä Gschiider git naa, dä Esel bliibt staa»?
Das legen Sie mir bitte nicht in den Mund. Es ging in dieser Sache darum, dass Verena Diener oder ich einen Schritt zurück macht. Ich habe ihn gemacht.
Zürich
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