Interview
«Können Dignitas kein Hausverbot erteilen»
05. November 2007, 17:22Der Zürcher Hotelierverband hofft auf mehr Rücksicht von Dignitas-Gründer Minelli. Gegen ihn vorzugehen ist schwierig.
Mit John M. Rusterholz* sprach Liliane Minor
Wieder hat Dignitas in einem Hotel einem Menschen zum Freitod verholfen. Die betroffenen Hotels fürchten um ihr Image. Befürchtet auch der Hotelierverein einen Imageschaden?
John M. Rusterholz: Klar. Schwer zu sagen ist, wie gross der Schaden in Franken und Rappen ist. Ludwig Minelli hat gesagt, er nehme jedes Hotel nur einmal. Nur bringt uns das nicht viel.
Todesfälle kommen in Hotels aber auch sonst vor. Wissen Sie wie oft?
Nein, wir führen keine Statistik. Persönlich weiss ich von zwei Selbstmorden in Hotels. Und es gibt hin und wieder auch natürliche Todesfälle. Das ist für die Mitarbeiter, die diese Leute finden, sehr schlimm. Es ist aber auch eine Belastung, wenn ein Dignitas-Mitarbeiter zur Reception kommt und bittet, die Polizei anzurufen, weil es eine Freitodbegleitung gegeben habe.
Haben Sie mit Ludwig Minelli je das Gespräch gesucht?
Ja, das haben verschiedenste Leute bereits getan. Nüchtern betrachtet, hat auch er ein Problem: Er ist überall hinausgeworfen worden. Deshalb ist er ja jetzt bei uns.
Kann der Hotelierverein nicht gegen Dignitas vorgehen?
Wir haben intern abgeklärt, was wir tun könnten. Wir wollten Dignitas Hausverbot erteilen, aber das geht nicht. Hausverbot kann man nur einer Person erteilen, nicht aber einem Verein. Und da wir die Sterbebegleiter von Dignitas nicht kennen, sind uns die Hände gebunden. Wir können also nur hoffen, dass Minelli bald eine Bleibe findet und bis dahin auf unsere Bedürfnisse Rücksicht nimmt. Das Problem ist ja nicht der Tod an sich, sondern die Art und Weise, wenn zum Beispiel wie in Winterthur ein Sarg an einer Familienfeier vorbei hinaus getragen wird.
Wie sieht es mit einer Klage aus?
Wir haben am Donnerstag eine Sitzung, an der wir das besprechen. Allerdings ist Herr Minelli ein gewiefter Anwalt, der wird seine Abklärungen schon getroffen haben. Die Frage ist natürlich, wieviel Geld wir als Verein für so einen Rechtsstreit ausgeben wollen.
*John M. Rusterholz ist Präsident des Zürcher Hoteliervereins.
Zürich
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