Meienberg-Gedenktafel: Stadt ist dagegen

21. November 2007, 19:34 – Von Martin Huber

Die Stadt Zürich lehnt eine Gedenktafel am einstigen Domizil des streitbaren Schriftstellers in Seebach ab. Dies sei «nicht das adäquate Mittel», die Leistung Meienbergs zu würdigen.

Soll an der Eisfeldstrasse 6, wo Niklaus Meienberg von 1984 bis zu seinem Freitod 1993 wohnte, eine Erinnerungstafel angebracht werden? Mit dieser Frage befasste sich neben der Denkmalpflege und der Literaturkommission auch Stadtpräsident Elmar Ledergerber (SP) persönlich.

Er entschied nun, dass auf die Gedenktafel für den Journalisten und Schriftsteller verzichtet werden soll, wie Roman Hess, Leiter Literaturförderung im Präsidialdepartement, bestätigt. Der Entscheid sei gefallen, nachdem Ledergerber eine Stellungnahme der Literaturkommission eingeholt und sich im Kreis der Familie Meienberg erkundigt hatte.

Familie sprach sich dagegen aus

Sowohl die Literaturkommission als auch die Familie Meienberg - zu der auch die Partnerin des Stadtpräsidenten gehört - haben sich laut Hess gegen eine Gedenktafel ausgesprochen. «Selbstverständlich nicht in Verkennung von Meienbergs Leistung, sondern weil man die Idee einer Gedenktafel nicht für das adäquate Mittel hält, diese zu würdigen», erklärt er. In den Entscheid miteinbezogen worden sei auch Meienbergs kritische Haltung gegenüber einer «Vereinnahmung durch Formen der bürgerlichen Gedenkkultur». Der Autor selber hatte kurz vor seinem Tod verfügt: «Kein Grabstein! Nirgendwo!»

Anfänglich war die Idee, an Meienbergs Zürcher Domizil eine Erinnerungstafel anzubringen, bei der Stadt auf offene Ohren gestossen. Meienberg habe eine solche Tafel verdient, meinte Jean-Pierre Hoby, Direktor der Kulturpflege, im letzten Dezember. Solche Tafeln hängen in Zürich an zahlreichen Häusern, in denen bekannte Schriftsteller gewohnt haben.

Der 1940 in St. Gallen geborene Meienberg («Die Welt als Wille & Wahn», «Die Erschiessung des Landesverräters Ernst S.») gilt als bedeutende Figur der neueren Schweizer Literatur, allerdings auch als umstrittene. Von den einen wurde die «journalistische Saftwurzel» wegen der scharfzüngigen und kritischen Texte geliebt, von den andern wegen teilweise rüder Attacken gegen Vertreter des Establishments gehasst. An der schillernden Figur scheiden sich bis heute die Geister.

Erst ein Phantom-Weg

Das Präsidialdepartement wird laut Hess keine weiteren Schritte unternehmen, um eine Gedenktafel für Meienberg zu realisieren. Dafür werde die Stadt aber einen finanziellen Beitrag an eine CD mit Meienberg-Lesungen leisten, die im Frühling erscheinen soll.

Nicht unglücklich über den Verzicht auf eine Tafel ist der Besitzer der Eisfeldstrasse 6, Thomas Marthaler. Er sei der Idee eher ablehnend gegenübergestanden, sagt der emeritierte Medizinprofessor. Noch ungewiss ist, wann der geplante Niklaus-Meienberg-Weg in Neu-Oerlikon realisiert wird. Dieser Weg wurde 1996 zwar bereits offiziell benannt, existiert aber bis heute nicht. Gebaut werden kann er erst im Zug der geplanten Neugestaltung des Areals, wozu mehrere Häuser abgerissen werden müssten. Wann dies sein wird, ist laut Peter Stocker, Projektleiter im Tiefbauamt, offen. Bisher gebe es erst vage Absichtserklärungen.

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