Nicht einmal ein Drittel der Freisinnigen wählte Maurer
25. November 2007, 22:51 Von Daniel SchneebeliDie Grünliberale Verena Diener ist zweite Zürcher Ständerätin. Sie liess im zweiten Wahlgang SVP-Kandidat Ueli Maurer klar hinter sich. Die Allianz der Nicht-SVP-Wähler hat gespielt.
Lange musste Verena Diener heute nicht zittern. Bereits die erste Hochrechnung um 12 Uhr liess kaum Zweifel über ihre Wahl aufkommen. Ein Schauer sei ihr über den Rücken gelaufen, als sie davon gehört habe, sagte Diener am Radio, und als sie um 15 Uhr im kantonalen Medienzentrum eintraf, liess sie sich von ihrem Begleiter ein Taschentuch reichen: «Wer weiss, vielleicht muss ich mir damit noch eine Freudenträne abwischen.»
Das Endergebnis der Ständeratswahl spricht deutlich für Diener. Sie erhielt 200'000 Stimmen, knapp 30'000 mehr als Ueli Maurer und doppelt so viele wie im ersten Wahlgang. Ihren Sieg hat sie in erster Linie den Stadtzürcherinnen und Stadtzürchern zu verdanken. Ohne die Stimmen aus Zürich wäre knapp Maurer gewählt geworden. Er konnte sieben Landbezirke für sich entscheiden.
Diener wählten neben Zürich die Bezirke Affoltern, Horgen, Uster, Winterthur. In Bertschikon bei Winterthur erhielt Maurer 70,6 Prozent der Stimmen, so viele wie nirgendwo sonst. Am wenigsten Zuspruch erhielt er in den Zürcher Stadtkreisen 4+5 (17,8 Prozent). Dank der Wahl Dieners wird der grünliberale Kantonsrat Thomas Weibel in den Nationalrat nachrutschen.
SP wählte geschlossen Diener
Die Streitigkeiten zwischen SP und Grünliberalen über die geeignete Kandidatur im Kampf gegen Ueli Maurer haben sich für Verena Diener nicht negativ ausgewirkt. Für Chantal Galladé (SP), die sich zu Gunsten von Diener zurückgezogen hatte, gab es weniger Proteststimmen als erwartet, nämlich nur 5630. Es gab auch kaum SP-Wählerinnen und -Wähler, die aus Protest nicht an die Urne gingen. Die Wahlbeteiligung war mit 44,8 Prozent nur 0,2 Prozent tiefer als bei den Flughafenvorlagen.
Peter Moser, Politologe im kantonalen Statistischen Amt, hat in einer ersten Analyse des Wahlresultats festgestellt, dass die Wählerschaft von SP, Grünen, EVP, CVP und Grünliberalen ziemlich geschlossen Diener gewählt hat. Stimmabstinenz habe er - wenn überhaupt - höchstens bei grünen Wählern ausmachen können. Diener war vor einigen Jahren für die Parteispaltung der Grünen mit verantwortlich. Auf der anderen Seite habe die SVP geschlossen Maurer gewählt. Nicht an die Parteiparole hielten sich einzig die Freisinnigen. Nur gerade 27 Prozent von ihnen wählten laut der Analyse Maurer, 60 Prozent Diener. Der Rest wählte gar nicht. «Die bürgerliche Allianz hat versagt», sagte Peter Moser.
Dieners Wahl sei vor allem auf den Wunsch der Wählenden zurückzuführen, der «neuen, aggressiven», von Maurer verkörperten SVP einen Denkzettel zu verpassen. «Die Zürcherinnen und Zürcher haben eigentlich nicht Diener gewählt, sondern Maurer nicht gewählt», sagte Peter Moser.
«Dreamteam» Diener/Gutzwiller
SVP-Präsident Hansjörg Frei sprach von einer schmerzvollen Niederlage, die interne Debatten über die künftige Zusammenarbeit mit der FDP auslösen werde. Es gebe keine Ausreden, auch nicht die Schlüer-Ausrede. Ulrich Schlüer wäre bei einer Wahl Maurers in den Nationalrat nachgerutscht. Dieses Argument habe kaum eine Rolle gespielt, sagte Frei. FDP-Präsidentin Doris Fiala sah das anders.
Euphorisch war Martin Bäumle, der Präsident der Grünliberalen. Zürich sei nun im Stöckli durch das «Dreamteam» Diener/Gutzwiller vertreten. Er lobte auch die SP, die über ihren Schatten gesprungen sei und Verena Diener voll und ganz mitgetragen habe. SP-Präsident Martin Naef nahm das Lob entgegen, wollte aber nicht in Freudentänze ausbrechen. «Echte Genugtuung kann ich nach diesem Wahljahr keine empfinden.»
Zürich
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