Mögliche Fiala-Nachfolger im Rampenlicht
26. November 2007, 21:49 Von Edgar SchulerMorgen Dienstag gibt Doris Fiala bekannt, ob sie als FDP-Präsidentin zurücktritt oder doch noch weitermacht. Aber schon seit heute rotiert das Kandidatenkarussell für ihre Nachfolge.
Die Gespräche im Rathausfoyer drehten sich heute Nachmittag während der Kantonsratssitzung nur um eines: Wer tritt die Nachfolge von Doris Fiala an, wenn sie heute ihren Rücktritt als kantonale Parteipräsidentin bekannt gibt? CVP- Fraktionschef Lucius Dürr sprach am offensten aus, was viele sich wohl schon am Sonntag gedacht haben, als Fiala einen möglichen Rücktritt andeutete. Zu FDP-Fraktionschef Beat Walti sagte Dürr: «Deine Stunde ist gekommen!». Walti vertrete einen eigenständigen Kurs, und die FDP sei «auf Biegen und Brechen» angewiesen, eine eigene, unverwechselbare Politik zu betreiben: «Nur so behält sie ihre Existenzberechtigung.»
Auch die grüne Frontfrau Esther Guyer beurteilt den 39-jährigen Anwalt aus Zollikon als den kommenden Mann bei der FDP: «Die heutige Parteispitze um Doris Fiala hat ja eigentlich gesagt, die Partei habe die falsche Basis. Jetzt muss sie einsehen, dass sie die falsche Spitze ist. Da bringt sie besser einen wie Walti, der bei der Basis gut ankommt.»
Dem SVP-Fraktionschef Alfred Heer war die freisinnige Präsidentensuche gestern herzlich egal: «Es ist mir gleich, wer die Chaotentruppe präsidiert.» Die Zusammenarbeit mit der FDP bei den Wahlen habe ohnehin praktisch nur in Sachfragen funktioniert: beim Steuerfuss und beim Gegenvorschlag zur Flughafeninitiative. Anders bei den Wahlen: «Eine Allianz ist nur dann sinnvoll, wenn beide Parteien profitieren.»
Nicht ganz so offenherzig wie die Lästermäuler anderer Parteien gaben sich die freisinnigen Kantonsräte selber. Schliesslich ist Doris Fiala noch nicht zurückgetreten. Und – so heisst es im Sprichwort – das Fell des Bären soll man nicht schon verteilen, bevor er erlegt ist. Trotzdem liessen sich die FDPler im Kantonsrat erstaunlich einfach in Gespräche über das Profil möglicher Fiala-Nachfolger verwickeln. Für Thomas Vogel steht fest, dass der nächste Präsident für die FDP neue Themen besetzen muss: «Die Grünliberalen haben bewiesen, dass man mit der Verbindung von Wirtschaftsliberalismus und Umwelt Erfolg haben kann.» Vogel selber, der für den Kantonsrat einen Kinobesuch zu Al Gores «Unbequeme Wahrheit» organisiert hatte, winkt ab. Aber er könnte sich Walti «als Präsidenten vorstellen».
Dieser Meinung ist auch das FDP-Alphatier Urs Lauffer: «Er ist in der Parteibasis verankert, er würde die freisinnigen Themen in den Vordergrund stellen, und er steht für einen Generationenwechsel.» Jetzt müsse die Partei für die nächsten acht bis zehn Jahre denken und nicht einen Übergangspräsidenten wählen.
Der «Mister Swiss Easy Tax» der FDP, Hans-Peter Portmann, hat für den künftigen Präsidenten ein klares Anforderungsprofil aufgestellt: «Wir brauchen einen Krisenmanager mit Führungserfahrung, denn wir stecken in einem wirklichen Tief.» Es brauche dafür jemanden, der parteiintern Rückhalt geniesse, aber auch nach aussen als Imageträger wirken könne. «Wir haben Wählerstimmen an andere Parteien verloren. Die müssen wir wieder zurückholen. Der 44-jährige Bankier lässt keinen Zweifel offen, dass er die selber formulierten Anforderungen erfüllt. «Ich stehe für alle Funktionen zur Verfügung.» Als Parteipräsident stelle er sich aber nur dann zur Wahl, wenn Bedingungen erfüllt seien. Und die bespreche er mit der Partei, aber nicht mit Journalisten.
Und was meint der meistgenannte Fiala-Nachfolger Beat Walti selber? «Die Frage stellt sich nicht, weil Frau Fiala noch Präsidentin ist.» Aber auch Walti lässt durchblicken, dass er bereit wäre, anzutreten. Wie alle anderen betont er, dass der Kontakt zur Basis verbessert werden müsse und dass die FDP die Sachpolitik über parteipolitische Allianzen zu stellen habe. Und vor allem: Walti, der eine Regierungskandidatur aus Zeitgründen abgelehnt hatte, glaubt, dass ein Parteipräsidium zeitlich besser zu bewältigen wäre als ein Regierungsamt.
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