Zürich

Fuhrer: «Man darf nicht Armee verantwortlich machen»

27. November 2007, 21:51 – Von Liliane Minor

Auch nach dem Tötungsdelikt am Hönggerberg in Zürich sieht Schützenpräsidentin und Regierungsrätin Rita Fuhrer keinen Handlungsbedarf gegen Armeewaffen im Haus.

Von einem tragischen, schockierenden Fall sprachen heute alle – Befürworter wie auch Gegner der Armeewaffe zu Hause. Die Schlüsse daraus sind aber gegensätzlich.

«Einmal mehr ist die Tatwaffe eine Armeewaffe», konstatierte die Winterthurer SP-Nationalrätin Chantal Galladé. «Das zeigt, dass es nicht genügt, den Soldaten keine Munition mehr zu geben. Armeewaffen gehören ins Zeughaus.» Im September verfügte der Ständerat den Einzug der Taschenmunition, Ende Oktober begann die Armee damit. Am Ende von RS oder WK erhält kein Soldat mehr Munition. Allerdings ist es ein offenes Geheimnis, dass Soldaten immer wieder Patronen mitlaufen lassen, auch wenn das laut Armee streng verboten ist; zudem ist die Munition problemlos in jedem Waffengeschäft erhältlich.

Der Vorfall ist Wasser auf die Mühlen der Initianten, die derzeit Unterschriften für das Volksbegehren «Schutz vor Waffengewalt» sammeln. Bereits haben mehr als 25’000 Menschen die Initiative unterschrieben, die verlangt, dass Soldaten ihre Armeewaffen nicht mehr nach Hause nehmen dürfen – und das, obwohl die Unterschriftensammlung noch gar nicht richtig begonnen hat.

Schützenhilfe haben die Gegner gestern auch von Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey (SP) erhalten. «Es stellt sich schon die Frage, ob man diese Waffen zu Hause lassen soll», sagte sie gegenüber SF DRS. Der Fall Höngg sei «inakzeptabel».

Munition, Waffe, Soldat – eine Einheit

Die Befürworter der Armeewaffen zu Hause sehen trotz dem Tötungsdelikt keinen Grund umzudenken. «Es ist jedes Mal eine Katastrophe, wenn ein solches Delikt passiert», sagte Schützenpräsidentin und Regierungsrätin Rita Fuhrer (SVP), «egal mit welcher Waffe. Aber man darf nicht stellvertretend einen Gegenstand oder die Armee für die Tat verantwortlich machen.» Vielmehr müsse man sich fragen, was in der Gesellschaft falsch laufe.

Für Fuhrer ist die Armeewaffe zu Hause der Ausdruck einer Werthaltung, die nun auf dem Spiel stehe: «Wir haben Bürgersoldaten in unserem Land. Das Auseinandergehen von Staat und Bürger ist damit unmöglich, denn sie sind eins.» Auch für SVP-Nationalrat und Auns-Geschäftsführer Hans Fehr ändert die Tat von Höngg nichts an seiner Grundeinstellung. «Es handelt sich offensichtlich um einen krankhaften Täter», so Fehr, «der sich einfach illegal Waffen beschaffen würde, hätte er keine Armeewaffe.»

Keinen Anlass, seine Haltung zu ändern, sieht auch Auns-Vizegeschäftsführer Werner Gartenmann. Er hatte als Reaktion auf den Befehl, die Taschenmunition einzuziehen, zur Aktion «Notwehr jetzt!» aufgerufen. Konkret sollen sich Soldaten weigern, die Taschenmunition abzugeben. «Solange nicht klar ist, welches die Umstände der Tat sind und woher der Mann die Munition hatte, werde ich keine neue Lagebeurteilung vornehmen. Munition, Waffe und Soldat sind eine Einheit.»

Zuerst klären, was vorgefallen ist

Armee und VBS mochten sich zum Tötungsdelikt noch nicht äussern. Bundesrat Samuel Schmid (SVP) liess der Nachrichtenagentur SDA über seinen Sprecher ausrichten, er sei schockiert; bevor er zu allfälligen Konsequenzen für die Lagerung des Sturmgewehrs Stellung nehme, müsse geklärt werden, was vorgefallen sei. Bislang wehrte sich Schmid immer dagegen, Waffen im Zeughaus zu lagern. Im Nationalrat scheiterte die SP mit einem entsprechenden Antrag in der Herbstsession mit 97:76 Stimmen. Treibende Kraft dahinter sind unter anderem die Schützenvereine, die um ihre grossen Schützenfeste fürchten. Dass es den Vereinen bei ihrem Nein vor allem um die Einnahmen gehe, welche sie für die Durchführung des Obligatorischen erhalten, verneinte Präsidentin Rita Fuhrer: «Wir würden Wege finden, unseren Sport weiter auszuüben.»

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