In der Schweiz gehen die Lichter aus

08. Dezember 2007, 18:21 – Von Benno Gasser

Für fünf Minuten sollen heute Abend um 20 Uhr die Lichter ausgeschaltet werden. Die Stadt Zürich nimmt an der Umweltaktion teil, Winterthur nicht.

Die Aktion «Licht aus! Für unser Klima» soll ein Zeichen für den Klimaschutz setzen. Greenpeace, Pro Natura und der WWF bitten alle Haushalte, Unternehmen, Städte und Organisationen, am Samstag von 20 bis 20.05 Uhr die Lichter zu löschen. Die Stadt Zürich wird diese Bitte erfüllen. Das EWZ (Elektrizitätswerk der Stadt Zürich) zieht bei rund 80 Beleuchtungen von Gebäuden, Denkmälern, Brücken und Brunnen den Stecker raus. Im Dunkeln sein werden unter anderem das Grossmünster, das Fraumünster, die Universität, das Polytechnikum und die Portale des Hauptbahnhofs. Auch die Weihnachtsbeleuchtungen in der Bahnhofstrasse, am Limmatquai und in der Kuttelgasse werden ausgeschaltet.

Aktion mit Symbolwert

Damit möchte die Stadt die Bevölkerung aufrufen, sich mit einer sinnvollen Verwendung der Energie auseinander zu setzen, wie sie in einer Mitteilung schreibt. EWZ-Direktor Conrad Ammann begrüsst die Aktion: «Was hier zählt, ist der Symbolwert.» Strom und Geld kann man auf diese Weise nicht gross sparen. Die Lichter und Lampen aller Zürcher Haushalte benötigen nur vier Prozent des gesamten städtischen Strombedarfs. Würden alle Zürcherinnen und Zürcher während fünf Minuten in den eigenen vier Wänden im Dunkeln bleiben, liessen sich insgesamt wenige Hundert Franken sparen.

Deutschland befürchtet Netzausfälle

Markus Kunz, Präsident der Grünen Stadt Zürich, spricht von «purer Symbolik». Auch wenn eine solche Aktion nicht schaden könne, ist Kunz überzeugt, dass ihr Effekt schnell verpuffen wird. Ein eigentliches Umdenken werde damit nicht ausgelöst. Die Stadt Winterthur beteiligt sich erst gar nicht an der Aktion. Sie sei von den Initianten zu kurzfristig lanciert worden und lasse sich deshalb nicht mehr realisieren, sagt Informationschef Werner Wäckerli. Der Stadtrat von Winterthur werde aber die Einwohner ermuntern, für fünf Minuten die Lichter zu löschen.

Das Lichterlöschen beschränkt sich nicht auf die Schweiz. Auch in Deutschland und Österreich wird es für Minuten ein wenig dunkler. Wegen der konzertierten Aktion könnte es im nördlichen Nachbarland mit seinen rund 39 Millionen Haushalten noch düsterer werden als gewünscht. Stromkonzerne befürchten wegen der Leistungsschwankungen Netzausfälle. «Die Situation ist schwierig einzuschätzen, weil wir nicht wissen, wie viele Leute teilnehmen werden», sagt Eon-Sprecher Josef Nelles. Die Wahrscheinlichkeit von Stromausfällen werde aber von Fachleuten als gering eingeschätzt, sagt Nelles. Trotzdem sorgt der Energiekonzern vor und hat wegen des morgigen Anlasses viele zusätzliche Spezialisten aufgeboten.

RWE, der zweite grosse deutsche Netzbetreiber, schätzt die Lage etwas pessimistischer ein. «Wenn zu viele Menschen mitmachen, drohen ernste Gefahren für das gesamte europäische Stromnetz», sagte Klaus Kleinekorte gegenüber «Welt online». Die Stromerzeugung und der Stromverbrauch müssen permanent im Gleichgewicht gehalten werden.

EWZ-Netz sollte stabil bleiben

Das EWZ glaubt nicht daran, dass «Licht aus!» zu einem Stromausfall führen könnte. «Wir rechnen mit keinen Problemen», sagt Ammann. Das Netz sei für solche Schwankungen ausgelegt, meint EWZ-Sprecher Harry Graf. In Zeiten sehr hohen oder sehr niedrigen Strombedarfs würden die Pumpspeicherwerke als Regulatoren dienen. San Francisco hat eine ähnliche Aktion, wie sie am morgigen Weltklimatag in Europa veranstaltet wird, bereits hinter sich. Mitte Oktober schalteten knapp eine Million Menschen eine Stunde das Licht aus. In Restaurants wurde bei Kerzenlicht serviert, und die Golden Gate Bridge blieb im Dunkeln. Ein Stromausfall blieb aus.

Zürich

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