Zürich

Aus für Zürichs Vorzeigebühne?

14. Januar 2008, 21:49 – Von Alexandra Kedves

Der Schauspielhaus-Intendant Matthias Hartmann hat intern die «letzte Produktion» in der Schiffbauhalle 1 angekündigt.

Fällt der Vorhang? «Ödipus» von Matthias Hartmann in der Schiffbauhalle.
Thomas Burla Fällt der Vorhang? «Ödipus» von Matthias Hartmann in der Schiffbauhalle.

Zürich. - «’Hier und Jetzt’ wird unter meiner Direktion die letzte Produktion sein, die in der Schiffbau-Halle 1 produziert wird.» So lautet eine interne Mitteilung des Schauspielhaus-Chefs Matthias Hartmann. Sein Pressesprecher Matthias Wyssmann erläutert: «Hartmann will ein Haus mit schwarzen Zahlen übergeben.» Und diese, so Hartmann in seiner Mitteilung, können nur über rigide Sparmassnahmen erreicht werden. Erst zählte zu diesen Massnahmen auch die Streichung von «Hier und Jetzt», einer hitverdächtigen Produktion, die für April geplant ist: das jüngste Stück des meistgespielten deutschen Gegenwartsdramatikers Roland Schimmelpfennig, in der Inszenierung von Starregisseur Jürgen Gosch, am schicksten Spielort des deutschsprachigen Raums, der Schiffbauhalle 1.

Folgekosten des Streiks und neu verhandelter GAV

Nun ist «Hier und Jetzt» gerettet, dann aber wird in der grossen Halle 1 das Licht ausgemacht, zumindest für Eigenproduktionen. «Es ist richtig, dass durch die Folgekosten des Streiks und den neu verhandelten Gesamtarbeitsvertrag unser Budget mit zusätzlich 1,4 Millionen Franken belastet wird», schreibt Hartmann. Keine Frage, wo der Intendant den schwarzen Peter sieht: bei Stadt und Verwaltungsrat, die auf die Forderungen der Streikenden eintraten. Ob die Halle 1 wenigstens für Gastspiele offen stehen wird (die den wertvollen Vermietraum weniger lang blockieren), ist noch unklar.

Noch ist die kleinere Halle 2 («Box») auf dem Spielplan. Doch Hartmann, derzeit im Ausland unterwegs und nicht zu erreichen, setzt mit dem Spielstopp für Halle 1 ein Alarmsignal. Früher hatte er stets betont: «Wir müssen diesen Raum beschützen!» Auch die 2009 antretende Intendantin, Barbara Frey, hat bereits im Vorfeld ihr Bekenntnis zum Schiffbau abgegeben. Zwar hat sie, wie Bruno Bonati, Verwaltungsratspräsident der Schauspielhaus AG, heute auf Anfrage sagte, den Vertrag zur Intendanz gegen Ende des letzten Jahres unterschrieben. Doch über ihr langes Zögern wird viel spekuliert. Das könnte durchaus auch an den prekären Bedingungen für den Schiffbau liegen.

Optimum noch nicht erreicht

Ihn zu bespielen, bedeutet eine erheblich grössere finanzielle Belastung, als die Pfauenbühne einzusetzen: mehr Kosten für Auf- und Abbau, weniger Zuschauerplätze und so insgesamt ein deutlich schlechteres Kosten-Nutzen-Verhältnis als beim Pfauen. Elmar Ledergerber, der unlängst abgetretene Interimspräsident des Schauspielhaus-Verwaltungsrates, hatte eine häufigere Vermietung des Schiffbaus verlangt. Und Bonati scheint auch diesbezüglich in seine Fussstapfen zu treten: «Wir brauchen eine optimale Mischung von Aufführungen und Vermietungen; und das Optimum ist noch nicht erreicht. Da kann man noch viel machen.»

Womit die Schauspielhaus-Direktion angesprochen ist: Der schwarze Peter ist wieder zurück beim Schauspielhaus-Chef. Die Strategie sei in jedem Fall, so Bonati, am Schiffbau und seinen Hallen als Theaterspielstätte festzuhalten. Wie dies allerdings zu leisten ist, weiss keiner.

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