Der Personalmangel in der Pflege wird sich noch verschärfen
14. Januar 2008, 22:32 Von Susanne AndereggDie Pflegedirektorin des Zürcher Uni-Spitals warnt davor, die Sparschraube bei der Pflege zu stark anzuziehen. Sie verweist auf das Beispiel von Deutschland.
Zürich. - Der zunehmende Druck, den viele Pflegende in Spitälern und Heimen beklagen, ist auch im grössten Deutschschweizer Spital ein Problem: Die Belastung der 2000 Pflegefachleute des Zürcher Uni-Spitals nimmt zu, weil die Patienten immer kürzer im Spital sind und immer komplexere Krankheiten haben, aber auch, weil sie immer mehr Ansprüche stellen. Wie Pflegedirektorin Barbara Brühwiler im Interview sagt, beklagen sich die Patienten häufig über schlechte Kommunikation - ein mögliches Zeichen dafür, dass das Personal nicht genügend Zeit für Gespräche hat. Dabei steht das Universitätsspital vergleichsweise gut da. Zurzeit sind nur 18 Pflegefachstellen offen. Das hochspezialisierte Krankenhaus ist als Arbeitsort gefragt. Andere Spitäler und vor allem Pflegeheime haben mehr Mühe, Fachpersonal zu finden.
Deutschland als schlechtes Vorbild
Laut Brühwiler wird sich der Personalmangel noch zuspitzen, weil wegen der Bildungsreform bei den Gesundheitsberufen in der Übergangsphase weniger junge Leute die Pflegeausbildung abschliessen werden. Noch offen sei, wie viele der neuen Fachangestellten Gesundheit nach ihrem Lehrabschluss weitermachen, um das Pflegediplom zu erlangen. Grossen Einfluss auf die Qualität der Pflege haben zudem die Fallpauschalen, die demnächst an allen Schweizer Spitälern eingeführt werden.
In Deutschland hat das Modell zu einem Stellenabbau in der Pflege und zu einer grossen Unzufriedenheit geführt. Unter den deutschen Pflegenden rumore es, sagt Brühwiler. Sie warnt davor, in der Schweiz dieselben Fehler zu machen.
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